„Schreib doch was“, fuhr mich meine Frau an, „und steh mir hier nicht im Weg rum. Du siehst doch, dass ich beim Kochen bin.“

„Was gibt´s?“
„Nix Gscheit´s“.

„Das hat es doch gestern schon gegeben.“

„Jetzt aber raus!“
Ich schnappte mir die Tageszeitung und machte es mir im Sessel bequem.
„Hast du das schon gelesen?“ fragte ich.
„Ja.“
„Du weißt doch gar nicht, was ich sagen wollte. Das ist doch eine Schweinerei mit dem Impfstoff­skandal!“
„Find ich auch, man kann ja bald niemand mehr trauen.“
„Du hast ja recht, ich glaube kaum, dass das eine Zeitungs­ente ist. Dazu ist das Thema viel zu ernst.“
„Lies deine Zeitung und lass mich in Ruhe kochen. Ich kann mich ja sonst nicht auf meine Arbeit konzentrieren. Hast du eigentlich nichts zu tun oder lernst du deine Zeitung auswendig?“ kam es spitz aus der Küche.
„Im Garten liegt noch so manches im Argen.“
„Ich weiß.“
„Ja, dann geh halt, wenn du endlich mit der Zeitung fertig bist.“
„Draußen regnet es.“
„Die paar Tropfen.“
„Von wegen und ein paar Tropfen. Da werde ich ja patschnass und hole mir noch die Grippe.“
„Zieh dich halt entsprechend an. Wozu hast du dir das Ölzeug gekauft, das du jetzt einweihen könntest, wenn du es im Urlaub an der Nordsee schon nicht gebraucht hast.“
„Das wird dreckig.“
„Kann man waschen.“
„Außerdem ist das bei der Gartenarbeit ziemlich hinderlich.“
„Du findest doch überall Ausreden, wie eine Maus ein Loch.“
„Das sind keine Ausreden, das sind Tatsachen.“
„Dass ich nicht lache.“
„Lach du nur, Tatsachen bleiben Tatsachen.“
„Stell dir vor, wenn alle so denken würden.“
„Was dann?“
„Dann würdest du nur selten deinen geliebten Spargel auf den Tisch bekommen.“
„Was hat das jetzt damit zu tun?“
„Viel.“
„Warum?“
„Überleg doch mal, wenn die Erntehelfer auch so wetterempfindlich wären wie du, dann würdest du alt aussehen.“
„Tu ich ja.“
„Was tust du?“
„Alt aussehen. Das sind doch immer deine Worte, wenn du mich mit Carl Valentin oder wie heißt dein Lieblingsschauspieler doch gleich...?“
„George Clooney.“

„... vergleichst. Sind doch alle gleich.“

„Besonders die beiden“, lächelte meine Holde sehr gekünstelt als Antwort.
Wobei ich zugeben muss, dass ich mich in diesem Genre überhaupt nicht auskenne. Wenn man mich nach Automarken fragen würde, dann könnte ich schon eine einigermaßen zufriedenstellende Auskunft geben. Aber danach fragt mich ja keiner.
„Was ist jetzt?“
„Ich geh ja gleich.“
„Je schneller du gehst, desto schneller bist du fertig.“
„Kann ich wenigstens meine Zeitung in Ruhe zu Ende lesen?“
„Dann ist Zeit zum Mittagessen, dann muss man ja unbedingt vor dem Nachmittagskaffee einen Mittagsschlaf machen, danach...“
„Ja, ja, ja!“
Ich legte meine Zeitung, habe ich sie gelegt oder geworfen? Weiß ich nicht mehr so genau, vermutlich warf ich die Zeitung ziemlich missmutig auf den Tisch, von dem sie infolge meines ungezügelten Temperaments in ihren Einzelteilen auf den Boden fiel.
„Jetzt hebst du sie auch wieder auf! Ich räume doch nicht alles hinter dir her“, kam prompt der Kommentar aus der Küche.
Das Aufheben von Dingen, die auf den Boden gefallen sind, in diesem Falle, gefallen worden sind, fällt mir etwas schwer. Meine Sitzmuskeln um die Hüfte, meine Frau bezeichnet selbige als Speckringe, sind beim Bücken etwas hinderlich. Ächzend und stöhnend sammelte ich das Blätterwerk wieder ein und legte es, diesmal etwas vorsichtiger, zurück auf den Tisch.
„Du brauchst gar nicht so zu stöhnen, das hättest du dir ersparen können. Zieh auch einen Pulli an, draußen ist es kalt.“
Im Kellerraum zog ich mich dann um und bemerkte, dass der rechte Träger der Hose fehlte. Das kann doch nicht sein, dachte ich. Versehentlich geriet er beim Anziehen in die Hose hinein. Nochmal ausziehen, nochmal frieren, nochmal anziehen. Pullover vergessen. Kein Problem, den kann man ja auch über die Gartenhose anziehen.  „Essen ist fertig! Komm schnell, sonst wird ja alles kalt.
Und wie schon erwähnt, nach dem Mittagessen kam der Mittagsschlaf, dann der Nachmittagskaffee und draußen regnete es immer noch. Der Wald braucht es dringend. Ich wollte mich in meinen Sessel zurückziehen um den restlichen Teil meiner Zeitung zu Ende zu lesen, da hieß es aus der Küche:

„Schreib doch was!“

Info Bernd Merkle ist bekannt geworden mit schlitzohrigen Geschichten und heiteren Gedichten, meist in schwäbischer Mundart. 2008 erhielt er den Sebastian-Blau-Preis. Die gefetteten Wörter hat er aus acht vorgegebenen Begriffen ausgesucht.