Nutztiere Schottischer Fleischlieferant

Auf einer saftigen Weide zwischen Hausen und Unterböhringen grasen Tiere, die eigentlich im Südwesten Schottlands heimisch sind: Galloways. Halterin Laura Schmid hat sich damit ihren Traum erfüllt.
Auf einer saftigen Weide zwischen Hausen und Unterböhringen grasen Tiere, die eigentlich im Südwesten Schottlands heimisch sind: Galloways. Halterin Laura Schmid hat sich damit ihren Traum erfüllt. © Foto: Jochen Horndasch
Hausen / Jochen Horndasch 04.09.2018

Noch nie hatten Sanja, Selma Kora, Karlotta und Klara so viel Besuch. Nur ihretwegen quälten sich 20 Erwachsene eine halbe Stunde lang den steilen Berg hinauf, um der Mutterkuhherde nah zu sein. Schließlich sind es nicht irgendwelche Allerweltskühe, die dort zwischen Hausen und Unterböhringen auf saftiger Weide grasen. Vielmehr handelt es sich um schwarze Galloways, die im Südwesten Schottlands zu Hause sind.

Und schottische Bedingungen boten sich auch, als die Teilnehmer der Veranstaltungsreihe „Sommer der Ver-Führungen“ die Rinder besuchten: tristgraues Herbstwetter. Laura Schmid, Chefin des malerisch gelegenen Rohrhofs an der Weigoldsbergstraße, hatte zur Betriebsbesichtigung und zum Fußmarsch durch die Streuobstwiesen hoch zur Weide eingeladen. 2013 übernahm die studierte Agrarwissenschaftlerin gemeinsam mit ihrer Mutter Gabriele die kleine Hofstelle mit acht Hektar Fläche. Daraus sind mittlerweile 20 Hektar geworden, das Meiste ist Grünland in Steillagen, die fast nur beweidet werden können.

Neben einer kleinen Offenstall-Pferdepension mit zwei eigenen und sechs eingestellten Pferden, 20 Bienenvölkern, sowie der Vermarktung von eigenen Produkten wie Apfelsaft, Most, Honig und Marmelade richtet sich das Augenmerk der jungen Bäuerin hauptsächlich auf ihre Galloways, die mit zu den ältesten Rinderrassen weltweit gehören. „Ziel ist es, dass die Herde wächst und Jahr für Jahr größer wird“, sagt die 28-jährige, die vor zwei Jahren ihr Studium an der Universität Hohenheim abgeschlossen hatte.

Bulle macht gute Arbeit

Für das Wachstum hat sie schon einiges getan. Mit zwei Mutterkühen ging Laura Schmid vor drei Jahren an den Start und der ausgeliehene Bulle eines befreundeten Landwirts hatte in dieser Zeit einen guten Job gemacht. Erst im Juli kam die kleine Karlotta zur Welt, die seither ihrer Mutter Kora nicht von der Seite weicht und etwa ein halbes Jahr lang an deren behaartem Euter hängt und Milch saugt.

Die hornlose Robust-Rasse züchtet Laura Schmid hauptsächlich als Fleischlieferant. „Galloways sind keine Milch- sondern ausschließlich eine Fleischrasse“, erklärt sie. Sie liefern eine sehr gute Fleischqualität, mager und mit feinen Fettäderchen durchsetzt. Zudem würden  die Tiere kein Kraftfutter benötigen und sich mit Gras, Heu, Öhmd und Wasser begnügen. Die weiblichen Tiere sind nach einer Tragezeit von neun Monaten für den Nachwuchs zuständig. Ausschließlich männlichen Tieren geht es mit etwa zwei Jahren an den Kragen. Sie teilen damit das traurige Los der Nutztierhaltung und landen als aromatisches Stück Fleisch in der Pfanne.

Von den bis zu 500 Kilogramm schweren Jungbullen seien weit mehr als die Hälfte verwertbar, was im Vergleich zur Schlachtausbeute anderer Rassen recht hoch sei, erfuhren die SdV-Teilnehmer von Laura Schmid. Doch bis die Tiere auf den Teller kommen, sollen sie ein artgerechtes und stressfreies Leben führen. So lange es das Wetter zulässt, sind sie auf der Weide, danach im Laufstall.

Das landwirtschaftliche Idyll hat allerdings einen Haken: Geld ist Mangelware. Insbesondere mit der Rinderzucht landet derzeit kein Euro im Geldbeutel. Im Moment lebt Laura Schmid von Agrarsubventionen. Darüber hinaus bekommt sie beispielsweise Zulagen für die Bewirtschaftung von Steillagen oder für einen maximalen Bestand von 1,4 Großvieh pro Hektar Fläche, der nicht überschritten werden darf. Trotz allem betreibt die ambitionierte Landwirtin mit viel Engagement und Idealismus ihren Betrieb, selbst wenn keine schwarzen Zahlen geschrieben werden. Im Moment sei dies auch nicht möglich. Nicht zuletzt deshalb, weil jeder Euro in notwendige landwirtschaftliche Maschinen gesteckt wird. Der Kauf eines neuen Schwaders und anderer Gerätschaften standen heuer an. Der Traktor sei mit über 20 000 Betriebsstunden auch bald am Ende und der Anschluss an die gut hundert Meter entfernte Wasserleitung müsse in naher Zukunft ebenfalls verwirklicht werden.

Doch Überforderung oder Resignation vor vermeintlich unlösbaren Problemen sind für die umtriebige Jungbäuerin Fremdwörter. Und  obwohl sie in Deggingen wohnt und sieben Tage in der Woche von früh morgens bis spät abends ihre Hofstelle bewirtschaftet, sprüht sie vor Optimismus und Begeisterung für ihren in Erfüllung gegangenen Lebenstraum mit den schottischen Galloways.

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