Gingen Schnelles Internet kommt nach Gingen

Gingen / HARTMUT ALEXY 03.08.2016
Bis Dezember will die Telekom in Gingen über sieben Kilometer Glasfaserkabel verlegt haben. Dann gibt es schnelles Internet auch im alten Ortskern.

In Süßen, Salach und Donzdorf stehen die neuen grauen Schaltkästen schon, in Gingen werden bis Ende des Jahres acht installiert. „Ich stehe hier für schnelles Internet“, werben dann große magentafarbene Aufkleber: Die Deutsche Telekom rüstet derzeit den ganzen Bereich mit der Telefon-Vorwahl 07162 mit der sogenannten Vectoring-Technik für eine bessere Daten-Übertragung nach. In Gingen soll das vor allem dem alten Ortskern zugute kommen, wo es bislang auch von anderen Anbietern kaum Breitband-Internetzugänge gibt und sich Telekom-Kunden mit langsamen Kupferkabeln zufrieden geben mussten. Künftig soll auch hier Telefonieren, Surfen im Internet und Fernsehen gleichzeitig möglich sein.

Die Bauarbeiten haben mit einem offiziellen Spatenstich begonnen. Am Rand des Parkplatzes beim Gingener Rathaus haben Ibrahim Ponik, Ralf Pohl und Arber Avdaj von der Göppinger Baufirma Leonhard Weiss einen neuen Schaltschrank auf das Fundament des alten Kabelverzweigers gesetzt. Die Technik im Inneren sieht für einen Laien nicht besonders spektakulär aus. Sie entspreche aber dem, was bisher den Vermittlungsstellen vorbehalten war, erklärte der Regio-Manager für den Infrastrukturvertrieb Wolfgang Fahrian. Sie bildet künftig die  Schnittstelle zwischen Kupfer- und Glasfaserkabel.

Verlegen kostet 70.000 Euro

Glasfaserkabel lässt die Telekom nämlich nicht im ganzen Ort, sondern nur zwischen dem Knotenpunkt in Süßen und den neuen Multifunktionsgehäusen in Gingen verlegen. Von dort fließen die Daten durch die vorhandenen Kupferkabel in die Haushalte. Das hat den Vorteil, dass nicht allzu viele Gehwege aufgegraben werden müssen. Und es spart der Telekom Geld. Das Verlegen von einem Kilometer Glasfaserkabel koste immerhin 70.000 Euro, erklärt das Unternehmen.

Der Internet-Zugang wird trotzdem schneller. Es sei schon viel gewonnen, wenn man das Kupferkabel am Ende der Übertragungsstrecke kurz halten kann, sagt Peter Bohnacker, der Breitband-Beauftragte der Telekom Südwest. Außerdem werde das Kupferkabel durch die neue Vectoring-Technik wesentlich schneller. Das Wichtigste für Privatleute sei ja ein schneller Download, also steigere man dessen Geschwindigkeit zu Lasten des Uploads. Die neue Technik, die in den neuen Verteilerkästen installiert wird, gleicht elektromagnetische Störungen aus, die es im Kupferkabel gibt. Das ermöglicht laut Telekom beim Herunterladen Übertragungsraten bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Hochladen sei mit bis zu 40 Mbit/s möglich. In Gingen sollen bis Mitte Dezember 2100 Haushalte vectoringfähig sein.

"Unser Bedarf ist da"

All das war beim Spatenstich Musik in den Ohren von Bürgermeister Marius Hick. Vor allem im Ortskern gebe es noch Breitband-Versorgungslücken. Dass sie nun geschlossen werden, sei auch im Interesse der Gemeinde. Schnelles Internet bedeute immer einen Standort-Vorteil. „Und der Bedarf ist da“, stellte Hick fest, „in den Haushalten genauso wie in den Büros, der Industrie, dem Handwerk und dem Gewerbe“. Für das Glasfaserkabel müsse die Baufirma nun zwar viele Gehwege aufgraben, doch davon profitiere letztlich ganz Gingen – zumal nun gegebenenfalls auch andere Versorgungsleitungen kostengünstig erneuert werden könnten. Den schnelleren Internet-Zugang gibt es indessen nicht automatisch. Wer ihn will, muss ihn bei der Telekom bestellen.

Info Aufgegraben werden oder wurden bereits Teile des Gehwegs in der Lindenstraße, der Karlstraße, der Schulstraße, des Lärchenwegs, der Bahnhofstraße, der Großen Gasse (an der Einmündung in die Ortsdurchfahrt auf der B 10), der Hinteren Gasse und der Grabenstraße.