Seminar Schmiedekunst lebt ihn Uhingen neu auf

Uhingen / SABINE ACKERMANN 11.05.2018
Der ehemalige Vermessungsdirektor von Göppingen zeigt Interessierten in der alten Schmiede von Uhingen das Handwerk.

Konzentriert steht Franz Liebscher auf dem Jahrhunderte alten unebenen Steinboden vor einem Amboss und haut mit dem Hammer rhythmisch auf ein Stück Eisen. Obwohl es ein wenig frisch in dem rußgeschwärzten Raum ist, zieht er seine Jacke aus. Kleine glühende Teilchen springen in alle Richtungen, das regelmäßige Hämmern hallt durch die nur im oberen Teil offene Eingangstür bis in das gegenüberliegende Eiscafé, vor dem eine Handvoll Besucher gleichermaßen Sonne und Eis genießen.

Der Firmenchef eines Gerüstbau-Unternehmens ist freiwillig hier, hat wie zwei seiner „Kollegen“ sogar Geld für seine „Schinderei“ bezahlt. Nur der Vierte im Bunde hat sich das Schmiedeseminar einfach schenken lassen.

„Ich finde die Idee und das Engagement von Bernd Hahnloser klasse“, betont Franz Liebscher und gönnt sich und seinem malträtierten Schürhaken eine kurze Pause. Ob der allerdings schon fertig ist, entscheidet Albert Ehrhart. Der gelernte Diplom-Vermessungsingenieur, der lange Vermessungsdirektor bei der Stadt Göppingen war, hat sich seit mehr als 20 Jahren der Schmiedekunst verschrieben und ist ein Ass auf diesem Gebiet. Autodidaktisch beigebracht, ist seine Passion vorrangig das Messerschmieden. Muss er dazu nach Mössingen, pflegt er sein weiteres Steckenpferd – die Haltung, Vermehrung und Züchtung seiner Honigbienen – quasi fast vor seiner Haustür. Eben ein typischer Rentner, der nie Zeit hat.

Der 66-Jährige gibt in der Region schon seit längerem Schmiedekurse für Kinder und Erwachsene weiß genau, worauf man beim Umformen von Metall mithilfe von Schlägen achten muss. „Nur draufhauen nützt nichts, es kommt nicht auf die Kraft an. Wichtig ist das Feingefüge, die Kristallstruktur des Metalls muss gezielt verändert werden“, erklärt er in seiner ruhigen Art.

Bevor das Quartett in der Alten Schmiede loslegen konnte, war – wie bei ähnlich gelagerten Kursen – erst einmal Theorie angesagt. Informationen zur kleinen Stahlkunde und Stahlschlüssel, Glüh- und Anlassfarben, Härten, Anlassen, Werkzeuge sowie diverse Schmiedetechniken wurde den Hobbyschmieden in einem Kompendium an die Hand gegeben.

Dann ist es endlich soweit, das doppelte Schmiedefeuer – die Besonderheit sind die zwei Feuerstellen – lädt die Männer dazu ein, ihr Eisen endlich in die lodernden Flammen zu halten.

Auch wenn diese Konstellation zu einem Schwätzle verleitet, „Konzentration ist oberstes Gebot“, mahnt Albert Ehrhart zwischendurch. Und Uwe Pries weiß warum. „Die ist hinüber“, erklärt ihm der Experte, als ihm der 50-jährige Modellbauer aus Uhingen sein rotglühendes Eisen zeigt. So ist es eine Kunst für sich, den exakten Zeitpunkt zu erkennen, wann das Eisen aus dem etwa 800 Grad heißen Feuer muss. „Macht nichts, mein Interesse ist ungebrochen“, sagt der Hobbyschmied und fängt nach dem Motto „ein bisschen Schwund ist immer“ von Neuem an.

Keine zwei Meter entfernt spielt Edgar Kälberer die Amboss-Polka, bom-bim-bom-bim tönt es durch den Raum. „Ungewohnt“, bezeichnet der 51-jährige Automechaniker das alte Handwerk und ist als Uhinger froh, dass man die Alte Schmiede wieder zum Leben erweckt hat. „Ich war neugierig darauf und muss sagen, mir macht das hier großen Spaß“. Dem kann sich Andreas Töppen nur anschließen. „Die Stimmung in der Gruppe ist gut und man lernt hier sehr viel“, lobt der 48-jährige Ingenieur für Werkzeugmaschinen und freut sich auf seinen Schürhaken.

„Hör mal wer da hämmert“, sagt plötzlich jemand an der Tür. Es ist Jörg Hocke. Der Elektriker aus Manzen hat in dem geschichtsträchtigen Gemäuer die Leitungen verlegt und macht ein spontanes „B’süchle“ bei Bernd Hahnloser. Einer von vielen, der hier einen kurzen Zwischenstopp macht und zuschaut, wie einer der vier Hobbyschmiede das Roheisen in die Glut hält, ein anderer den Blasebalg bedient, ein dritter schmiedet und der Vierte sich mit dem Feinschleifen beschäftigt. Zu tun gibt’s genug.

Beruf des Schmieds besteht seit Jahrtausenden

Geschichte: Im orientalischen Altertum wurde das sumerische Wort AN.BAR – Himmel und Feuer – als ältester Begriff für Eisen verwendet, in der Übersetzung entsteht: himmlisches Metall oder Sternenmetall.

Fortschritt: Die Entdeckung 4000 - 3500 v. Chr., aus Zinn und Kupfer härtere Werkzeuge und Waffen aus Bronze herzustellen, war der wichtigste Fortschritt der Metallurgie. Die Kelten und Philster (1000 - 700 v. Chr.) waren künstlerisch und handwerklich hoch begabt.

Wandel: Schmiede und Schamanen sind aus demselben Nest, heißt es in einem jakutischen Sprichwort. Häufig übte der Schmied auch schamanisch Praktiken aus. Die ersten berufsmäßigen Handwerker (lat. Faber), die selbst keinen Ackerbau betrieben, waren Schmiede die von Ort zu Ort zogen, um dort den Rohstoff und die Aufträge für ihre Arbeit zu erhalten.

Status: Im Mittelalter hatten die Schmiede das Recht, Flüchtigen Asyl zu gewähren oder Ehen zu schließen. Der Grobschmied galt als Heilzauberer.

Bedeutung: Schmiede entwickelten sich auf dem Land zu Universalhandwerkern. Bis in die 1950er Jahre gab es sie in fast jedem Dorf.

Info: Näheres zu den Schmiedekursen: Bernd Hahnloser, Tel. (07163) 530855 info@hahnloser-baustatik.de oder
Albert Ehrhart, Tel (07165) 1491 sandwirth@t-online.de