Hobby Schlaterin spinnt Kaninchenwolle

Melanie Häderle ist ganz vernarrt in ihre flauschigen Angorakaninchen. Viermal im Jahr werden sie geschoren.
Melanie Häderle ist ganz vernarrt in ihre flauschigen Angorakaninchen. Viermal im Jahr werden sie geschoren. © Foto: Hans Steinherr
Schlat / Hans Steinherr 07.04.2018
Melanie Häderle pflegt ein seltenes Hobby. Sie züchtet Angorakaninchen und spinnt deren Wolle.

Nur die Ohren und ein paar neugierig funkelnde Augen heben sich ab. Durchdringen oder ragen aus den flauschigen braunen, gelben, weißen und fehfarbenen Knäueln hervor. Eigentlich mag sie Kaninchen nicht, sagt Melanie Häderle aus Schlat. Aber bei den rund 30 Angorakaninchen mit denen sie seit fünf Jahren eine Zucht betreibt ist das anders. „Die sind nicht so aufgeregt, nicht so schreckhaft“, sagt sie, „können stundenlang nur so dasitzen und vertragen sich gut untereinander“.

„Dr. Knabbel“ und „Mabel“ haben ein gelbes, „Pierre“ ein bläuliches, „Flo“ ein fehfarbenes, silbern schimmerndes Fell. Die 37-Jährige kennt jedes ihrer Tiere beim Namen. Nur das große weiße mit den weiß-roten Augen ist neu, ist fast doppelt so schwer wie die kleine Mabel und hat noch keinen passenden bekommen. „Ich bin vernarrt in die Tiere“, gesteht Melanie Häderle ein.

Auch Goethe, bekanntlich ein Rosenliebhaber, war das bereits und förderte die Haltung der Angorakaninchen in Thüringen. Gewiss wusste er auch, dass deren Kot ein guter Dünger ist.  Melanie Häderle hatte für sich ein handwerkliches Hobby gesucht, wollte spinnen, aber keine Schafwolle. So kam sie auf die Angorakaninchen. Aus Platzgründen und wegen der zauberhaft weichen, flauschigen Wolle. Ein luftiger Hauch, ein fluffiger Flaum, wenn die sich zu einem Schal gefertigt um ihren Hals schmiegt.

Angorakaninchen werden nur noch selten gezüchtet. Die Züchter sind untereinander gut vernetzt. Die Schlater Züchterin ist Mitglied im Kleintierzuchtverein Deggingen und im Angora-Club Württemberg-Hohenzollern.

Zwei bis drei Mal am Tag – abhängig vom jahreszeitlichen Angebot – wollen die Tiere gefüttert werden. Drei Mal wöchentlich bezieht Melanie Häderle von einem Discounter Obst, Gemüse, Salat, das, was nicht verkauft werden konnte. Vier Mal im Jahr müssen die Tiere geschoren werden. Sonst reduzieren sie die Futteraufnahme und die verfilzende Wolle schränkt ihre Bewegungsfähigkeit ein. Ausgewachsen sind die Haare bis zu zehn Zentimeter lang. „Pro Schur und Tier fallen 400 bis 500 Gramm Wolle an“, erklärt Melanie Häderle. Dann wird gesponnen. Die Schlaterin produziert Wollstränge mit einem Verkaufsgewicht von 50 Gramm. Bislang allerdings noch nahezu ausschließlich für sich selbst. Das soll aber anders werden, hat sie sich vorgenommen.

Angorakaninchen zu züchten kostet viel Zeit, und zwar das ganze Jahr über. Und weil die Schlaterin auch noch in ihre vier Hunde, vier Katzen, drei Laufenten und eine unbenannte Anzahl von Meerschweinchen vernarrt ist, stellt sich die Frage nach Urlaub ohnehin nicht.

Feh ist aktuell der Renner, berichtet sie. „In ganz Deutschland gibt es nur zwei Züchter von fehfarbenen Tieren“, erklärt Melanie Häderle. Sie ist mit sechs Tieren, zwei davon männlich, eine davon.

Info Die Zucht des Angorakaninchens begann vor etwa 300 Jahren in England, nachdem das weiße türkische Kaninchen aus Ankara eingeführt wurde. Es ist somit eine der ältesten Kaninchenrassen der Welt. Seit 2002 steht das Angorakaninchen auf der Roten Liste der bedrohten Haustierrassen. Alternative deutsche Namen des Angorakaninchens sind oder waren Seidenhase, Kaschmirkaninchen und Rupfhase.

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