Interview Schlaglichter fürs Herz

 Profesor Dr. Stephen Schröder (li.)  und Dr. Josef Steindl  im Herz-Kathederlabor der Klinik am Eichert.
 Profesor Dr. Stephen Schröder (li.)  und Dr. Josef Steindl  im Herz-Kathederlabor der Klinik am Eichert. © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 30.08.2018
Die Alb-Fils-Kliniken mit Chefarzt Professor Dr. Stephen Schröder bieten eine Vielzahl an Therapiemöglichkeiten fürs kranke Herz.

Die Abteilung für Kardiologie der Klinik am Eichert der Alb-Fils-Kliniken ist eine breit aufgestellte Schwerpunktabteilung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bietet rund um die Uhr Hilfe bei sämtlichen Erkrankungen des Herzens. 2017 wurden neu kathetergestützte Eingriffe bei Herzrhythmusstörungen in einem eigens hierfür eingerichteten zweiten Herzkatheterlabor eingeführt. Die zehn Jahre alte Anlage des ersten Labors wird durch eine neue, hochmoderne Anlage ersetzt und die Funktionsdiagnostik komplett digitalisiert. Über Schlaglichter der Abteilung sprachen wir mit Chefarzt Professor  Dr. Schröder und Oberarzt Dr. Josef Steindl, Leiter des Herzkatheterlabors.

Wie ist die Klinik am Eichert in Sachen Herzerkrankungen aufgestellt?

Professor Stephen Schröder:   Das erfahrene Team hat eine hohe Expertise in der Diagnostik und Behandlung nahezu sämtlicher Herzerkrankungen. Ich möchte die Diagnostik der Computertomographie des Herzens hervorheben. Ich arbeite an diesem Thema schon seit 20 Jahren. Wir haben das hier auf internationalem Niveau mit den Kollegen der Radiologie, Dr. Thomas Zelesny und Professor Dr. Stephan Zangos, etabliert. Zudem sind wir als Zentralklinikum des Landkreises Göppingen für sämtliche Akuterkrankungen wie beispielsweise den Herzinfarkt zuständig. Wir können fast alles behandeln, es fehlt uns nur die Herzchirurgie. Aber hier haben wir ausgesuchte Kooperationspartner wie die Universitätskliniken Tübingen und Ulm oder die Sana-Herzchirurgie Stuttgart.

Welche Krankheitsbilder beim Herzen behandeln Sie?

Alle vier wesentlichen. 1. Durchblutungsstörungen sind die häufigste Erkrankung und auch Todesursache. Wir sind breit aufgestellt und haben gemeinsam mit der Notfall- und Intensivmedizin im Landkreis ein gut funktionierendes Herzinfarkt-Netzwerk aufgebaut. 2. Relevante Herzrhythmusstörungen werden auch bei uns zwischenzeitlich kathetergesteuert behandelt und bei Bedarf Herzschrittmacher- oder Defibrillatorsysteme eingesetzt. Dann 3. Herzmuskelerkrankungen beispielsweise nach einer Grippe und 4. die immer häufiger werdenden Herzklappenerkrankungen.

Man sagt, die Herzleute seien ein innovatives Völkchen. Sie sprechen im Zusammenhang mit einer extrem dynamischen Kardiologie auch von Strohfeuern ...

Ja, wir springen nicht überhastet auf neue Trends auf. Wir nehmen uns die Freiheit abzuwarten, bis sich diese tatsächlich bewährt und durchgesetzt haben.

Sie sind ein Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Ulm. Wie muss man sich das für Ärzte Ihrer Abteilung vorstellen?

Medizinstudenten können ihr sechstes und letztes praktisches Jahr bei uns in der Klinik absolvieren. Wir nehmen zum Abschluss des Studiums das Dritte Staatsexamen an der Klinik ab. Man kann bei uns die Facharztweiterbildung beginnen und wir bilden breit gefächert Internisten und Hausärzte aus, von denen sich viele im Landkreis niederlassen. Und wir sind seit 2016 zertifiziert und anerkannt als Ausbildungsstätte für junge Kardiologen zu Herzkatheter-Spezialisten.

Was bedeutet das Herzinfarkt-Netzwerk FITT-STEMI?

Das ist ein wichtiges Projekt zur Überprüfung der Ablaufzeiten beim Herzinfarkt. Jeder einzelne Teilschritt wird ab Alarmierung der Rettungskette überprüft. Die Ergebnisse werden regelmäßig an alle Beteiligten wie Rettungsdienst, Notarzt, Intensivstation, Notaufnahme und Herzkatheterlabor rückgekoppelt. So konnten wir feststellen, wo wir uns noch verbessern mussten. Heute sind die Zeiten exzellent und dadurch die Sterberaten im Landkreis niedrig.

Was ist der momentan wichtigste Baustein in der Kardiologie?

Dr. Josef Steindl:  Das ist die invasive Diagnostik und Therapie. Das Katheterlabor ist das Herz der Kardiologie, hier retten wir Leben. Deshalb ist es so wichtig, dass wir gut aufgestellt sind.

Die Kardiologie in Zahlen

Schwerpunktabteilung  In der Kardiologie, Pneumologie und internistischen Sportmedizin kümmern sich etwa 20 Ärzte zusammen mit einem interdisziplinären Team um die Patienten. Es gibt 92 Betten. Pro Jahr verzeichnet die Klinik etwa 5000 stationäre Behandlungen  plus Ambulanzen.

Gesamtsterblichkeit: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in den letzten zehn Jahren im Landkreis Göppingen drastisch gesunken. 2008 waren es 155 pro 100 000 Einwohner, 2018 waren es 129 (Vergleich BW: 135).

Behandlungszahlen 3551 Patienten im Jahr 2009, 4900 Patienten im Jahr 2017; kürzere Verweildauer und gleichbleibender Stellenschlüssel an ärztlichem Personal.

Chefarzt und Oberarzt

Professor Dr. Stephen Schröder ist seit zehn Jahren Chefarzt der Kardiologie, Pneumologie und internistischen Sportmedizin an der Klinik am Eichert der Alb-Fils-Kliniken.

Dr. Josef Steindl ist Oberarzt und Leiter des Herzkatheterlabors, er arbeitet seit 22 Jahren in der Göppinger Kardiologie.

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