Feier Scheidender Bürgermeister hinterlässt Spuren

TOBIAS FLEGEL 29.07.2017

Am Ende des Festakts zu seinen Ehren brach dem scheidenden Bürgermeister von Ebersbach dann doch die Stimme und er musste hörbar einen Kloß im Hals herunter schlucken. „Das Abschiednehmen ist eine emotionale Berg-und-Tal-Fahrt für mich“, gestand Sepp Vogler. Doch durch diesen Aufruhr der Gefühle müsse er durch.

Vor seinem Schlusswort hatten ein Dutzend Redner das Stadt-
oberhaupt, das in den vergangenen acht Jahren die Geschicke Ebersbachs lenkte, am Donnerstagabend in der Aula des Raichberg-Schulzentrums in Ebersbach in den Ruhestand verabschiedet. Der Mann des Abends hatte sich zwar gewünscht, dass sich die Laudatoren kurz fassen und insgesamt höchstens eineinhalb Stunden sprechen. Doch am Ende der feierlichen Verabschiedung stellte Vogler fest, dass ihm die dieses Ansinnen offenbar verwehrt worden war: Fast drei Stunden währten die Aufzählungen des Erreichten und die Erinnerungen an das Erlebte.

Die Redner ließen das Gesagte aber nicht zu einer bloßen Aufzählung von Erfolgen und Herausforderungen verkommen. Etliche der Laudatoren schmückten das Gesagte mit Bonmots, die die rund 350 Gäste im Saal immer wieder zum Lachen brachten. Diese lustigen Bemerkungen ließen die Zuhörer die Strapazen für das Sitzfleisch leichter ertragen.

Ein humorvolles Bild für die gemeinsame Leistung von Stadtoberhaupt und Gemeinderat wählte die stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Scherr gleich zu Beginn des Abends: Aneinandergereiht seien die gebundenen Protokolle der Sitzungen viereinhalb Meter lang – ein Hinweis darauf, dass „viel geredet und viel gesagt“ worden sei. Die Stadträtin hatte ebenfalls herausgefunden, wie schwer die zwischen Buchdeckeln eingefassten Entscheidungen der vergangenen acht Jahre wiegen: genau 51,6 Kilo. „Das ist sozusagen das Idealgewicht einer Frau“, veranschaulichte Scherr die Arbeit von Gemeinderat und Bürgermeister.

Das Wirken des Gespanns lässt sich aber nicht nur an laufenden Metern Papier ablesen, sondern auch am Erscheinungsbild von Ebersbach und seinen Teilorten: das Kauffmann-Areal, die sanierte Musikschule und der Umbau des Dorfgemeinschaftshauses in Sulpach nannte Scherr als Beispiele. Weitere Herausforderungen seien die gesetzlichen Vorgaben für die Kinderbetreuung sowie die Unterbringung der Flüchtlinge gewesen.

Doch nicht nur in Ebersbach scheint Vogler seine Spuren hinterlassen zu haben. „Der Schwerpunkt lag zwar auf der Stadt, aber auch in den Stadtteilen hat sich viel getan“, sagte Theodor Mayer. Der Ortsvorsteher von Roßwälden, der wie Vogler sein Amt acht Jahre bekleidete und fast gleichzeitig mit ihm ausscheidet, dankte dem Bürgermeister für eine kooperative und vertrauensvolle Zusammenarbeit – obwohl der schnell gemerkt haben dürfte, dass er es mit „selbstbewussten und eigenständigen Stadtteilen“ zu tun hatte.

Nicht auf den Mund gefallen scheinen auch die Mitarbeiter in der Verwaltung zu sein, wenn es um das Miteinander geht. „Die frühe Einbindung in Projekte fanden Sie nicht immer toll, doch die Zusammenarbeit war meist vertrauensvoll“, reimte die Vorsitzende des Personalrats, Kornelia Raatz, mit vier weiteren Kollegen aus der Arbeitnehmervertretung.

Gänzlich lobende Worte fand Peter Hofelich als Vertreter der Landtagsabgeordneten aus dem Kreis. Ebersbach mit seinen rund 15 000 Einwohnern stehe exem-
plarisch für viele kleine und mittlere Städte im Land. „Sepp Vogler hat dieses Klein-Baden-Württemberg hervorragend geleitet“, fand der Parlamentarier. Seine Arbeit habe das Stadtoberhaupt mit Freundlichkeit, Verve und Bestimmtheit verrichtet.

Herzblut und Leidenschaft bescheinigte Landrat Edgar Wolff dem scheidenden Bürgermeister. Fast im nächsten Atemzug verglich er Sepp Vogler mit zwei Persönlichkeiten der jüngeren Geschichte: Wie der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt und Papst Johannes Paul I. habe Sepp Vogler eine relativ kurze Amtszeit genutzt, um seine Handschrift zu hinterlassen. „Die Stadt hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung genommen“, sagte Wolff, der Voglers Vorgänger im Amt war.

Einen Einblick hinter die Türen der Amtszimmer gaben Judith Böttcher aus dem Büro des Bürgermeisters, die Referentin für Presse- und Öffentlichketsarbeit, Tina Schnabel, Standortförderer Thomas Müller sowie Schlierbachs Bürgermeister Paul Schmid. Während Voglers enge Mitarbeiter die Vorliebe für Abkürzungen ihres Chefs mit einer Version des Liedes „MfG“ von den „Fantastischen Vier“ aufs Korn nahmen, beschrieb Schmid den Führungsstil seines Amtskollegen. Der habe schon kurz nach seiner Wahl die Wippstühle des Vorgängers aus seinem Büro entfernt und durch eine „Flipchart“ ersetzt. „Aha, ein Moderator“, habe er sich sofort gedacht, als er die vielen Striche auf der Schreibtafel sah, sagte der Bürgermeister aus der Nachbargemeinde. Auch er dankte für ein „sehr gutes Miteinander“ und bezeichnete Vogler als Glücksfall für Ebersbach und die anderen Bürgermeister aus dem Kreis.

Anerkennung für seine Arbeitsdisziplin erntete das Stadt-
oberhaupt hingegen von Frank Thoma aus dem Komitee der Partnerstädte der Stadt. „Sie haben fast keine Arbeitssitzung unseres Komitees verpasst“, lobte er. Dass ein Bürgermeister den Beziehungen zu den Partnerstädten eine solche Bedeutung beimesse, sei keinesfalls üblich. Auf andere, eher landestypische Weise, drückte hingegen Jean-Pierre Sandoz aus der Partnerstadt Bourg-lès-Valence seine Wertschätzung aus: Er überreichte Vogler eine Flasche Wein aus den Fässern eines bekannten Winzers.

Als letzte Redner traten Pfarrer Thomas Harscher ans Mikrofon sowie der geschäftsführende Leiter des Schulzentrums, Michael Hirsmüller, Sacha Auwärter vom Verbund der Vereine und Uli Hannotte vom Gewerbeverein „ProEbersbach“. „Wir hatten einen Bürgermeister, der da war und das Ehrenamt motivierte“, sagte Auwärter. Hannotte dankte für ein „stets offenes Ohr“.

Die warmen Worte – obwohl sie viel ausführlicher ausfielen als es Sepp Vogler ursprünglich lieb gewesen war – verfehlten ihre Wirkung an diesem Abend nicht: „Es war schön, es war wichtig und es war gut“, sagte er.