Geschichte Saurer Wein und Sauerwasser

Stopp an der St.-Markus-Kirche: Peter Ritz weiß bei der Führung auf dem Eislinger Geschichtspfad viele Geschichten zu erzählen.
Stopp an der St.-Markus-Kirche: Peter Ritz weiß bei der Führung auf dem Eislinger Geschichtspfad viele Geschichten zu erzählen. © Foto: Hans Steinherr
Eislingen / Hans Steinherr 08.08.2018
Jeden ersten Samstag im Monat bietet die Stadt Eislingen Führungen an. Im Sommer der Verführungen auch kostenlos.

Die Römer waren hier. So viel ist sicher. Erst 1966 stieß man im Norden Eislingens an der Ortsgrenze zu Salach gelegen auf ein etwa 2,2 Hektar großes Militärlager. Errichtet in der Zeit, als weiter nördlich der Limes gebaut wurde. Dahin freilich führt Stadtrat Peter Ritz seine Gruppe Gesichtsinteressierter nicht. Zu heiß ist es und zu weit weg. An diesem superheißen Tag ist die Führung durch Eislingens Stadtge(h)schichte, wie sie im Programmheft des Sommers der Verführungen angekündigt wird, eine körperlich recht anstrengende Angelegenheit. Der Trupp der Unentwegten um Peter Ritz ist darauf eingestellt. Nahezu jeder hat eine Wasserflasche dabei und sich mit Wanderschuhen und Sonnenschutz gewappnet. So lässt sich ein 90-minütiger Gang durch die Geschichte leichter bewältigen.

Ausgangspunkt ist der Schlossplatz vor dem Rathaus, dem neuen Zentrum der Stadt. Noch vor den Römer waren die Kelten hier. Auch dafür gibt es Hinweise. Erst die Alamannen, die um 240 nach Christus auftauchten und nach und nach die Römer vertrieben, schufen die Grundlage für eine Entwicklung Eislingens. Aus einer Ansammlung von einzelnen Siedlungen heraus entwickelten sich zwei Dörfer: Groß- und Kleineislingen. Die wiederum wurden 1933 von den Nazis zwangsvereinigt und zur Stadt erhoben. 1945 noch mit 9000 Einwohnern, Zehn Jahre später bereits 13 000 Einwohner zählend, leben heute in der dritten Großen Kreisstadt im Landkreis über 21 000 Menschen aus mehr als 80 verschiedenen Nationen. 35 Prozent davon haben familiäre Wurzeln im Ausland. Unübersehbar große Stelen – mit Bildern und Texten versehen – am Kreisel am Place d’Oyonnax oder in der Hauptstraße vor dem alten Rathaus weisen darauf hin.

„Wir stehen vor dem Zentrum der politischen Agitation in Eislingen“, erklärt Peter Ritz. Er meint den historischen ehemaligen Brauerei-Gasthof Adler mit seinem legendären Adler-Saal, der heute wegen baulicher Mängel allerdings nicht mehr bewirtschaftet werden kann. In dem Saal, der für Tanzveranstaltungen und Hochzeiten genutzt wurde, wurde 1931 die Großeislinger
NSDAP-Ortsgruppe und 1945 die von CDU und SPD gegründet.

Zurück zu den alten Alamannen. Sie nannten ihren Siedlungsplatz „Isininga“. Im Bereich um die St. Markus-Kirche herum wurden mehrere Alamannen-Gräber entdeckt und in der Kirche selber Fresken, die um 1385 herum entstanden. Drei Bilderzyklen die eine so genannte „Laienbibel“ umfassen. Auf engsten Raum verdichten sich hier Eislinger Besonderheiten. Östlich der Kirche kam es 1554 in der Gaststätte Ritter bei einer Schlägerei zwischen Württembergischen und Rechberger Gefolgsleuten zu Mord und Todschlag. Was zu einer Judenvertreibung im Ort führte. Nördlich davon befinden sich die Weingartengartenstraße, Kelterstraße und die Weinsteige und eine Stele, die erinnert daran, dass hier im Mittelalter Wein angebaut wurde. Peter Ritz schlägt vor, den Gang dorthin wegfallen zu lassen. Weil es viel zu heiß ist und es dort ohnehin nichts mehr zu trinken gibt. Kein Sauerwasser und auch keinen sauren Wein. Niemand widerspricht. Noch ein letztes Highlight im Norden, bevor die Nordschleife geschafft ist. Die St. Anna-Kapelle an der Salacher Straße, ein Kleinod aus dem 15. Jahrhundert. Seitdem äußerlich nahezu unverändert rauscht heute der Verkehr auf der Salacher Straße vorbei. Der Geschichtsführung durch den Norden folgt am 1. September beim Sommer der Verführungen der stadtgeschichtliche Rundgang  im Süden durch das frühere Kleineislingen.

Info www.sommer-der-verfuehrungen.de/programmheft-2018/

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