Streit Sammeln für den „Paukenschlag“

Wie wird in Zell künftig Fußball gespielt – auf Rasen oder Kunstrasen? im Gemeinderat gab’s zuletzt keine Mehrheit für einen Kunstrasenplatz auf dem Zeller Berg, weder mit noch ohne leichtathletische Anlagen. 
Wie wird in Zell künftig Fußball gespielt – auf Rasen oder Kunstrasen? im Gemeinderat gab’s zuletzt keine Mehrheit für einen Kunstrasenplatz auf dem Zeller Berg, weder mit noch ohne leichtathletische Anlagen.  © Foto: Jürgen Schäfer
Jürgen Schäfer 11.01.2019

Seit dem 27. Oktober läuft die Zeit. Solange sammelt der TSG Zell schon Unterschriften, um einen Gemeinderatsbeschluss zu kippen, der da besagt: Die Stadionpläne am Zeller Berg werden aufgegeben. Nichts soll es werden mit einem Kunstrasenplatz und Leichtathletikanlagen, die mit einer Auffüllung von 150 000 Kubikmetern Erdmaterial herzustellen und zum Nulltarif zu bekommen wären – sogar noch mit einer Rücklage von einer Viertelmillion Euro.

Der TSG legt sich ins Zeug. „Wir waren schon in 80 Prozent der Haushalte“, sagt der Vorsitzende Dierk Kubert. 14 Mitstreiter seien unterwegs, jeder in einem Bezirk in seiner Nachbarschaft. Am Wochenende soll Endspurt sein. Die Frist endet am 26. Januar, aber wichtiger ist ein anderer Tag: der 31. Januar, wenn der TSG dem Gemeinderat die Unterschriften vorlegt. Wieviele es aktuell sind, möchte Kubert nicht sagen, weil’s „möglichst ein Paukenschlag“ werden soll. Es geht nicht um das Quorum, das für ein Bürgerbegehren notwendig ist. Sondern um eine Zahl, die den Gemeinderat beeindrucken und zur Zustimmung bringen soll.

Kubert beschreibt die Stimmung im Ort so: „Es gibt einige, die sind dagegen. Gefühlt ist das ein knapp zweistelliger Prozentanteil. Einigen ist es gleichgültig. Ganz viele freuen sich unheimlich, auch wenn sie mit dem TSG nichts zu tun haben. Die sagen: Komm her, ich unterschreib, ich finde es klasse, was ihr macht.“

Die Stärke der Lager abschätzen kann Hans-Ulrich Lay, ein Wortführer der Gegenseite, dagegen nicht. Die einen dafür, die anderen dagegen – so nimmt er die Stimmung wahr. Er sagt aber auch: „Ich habe mit Mitgliedern des TSG gesprochen, die das Projekt auch ablehnen beziehungsweise kritisch sehen. Diese sind meiner Einschätzung nach im TSG aber in der Minderheit.“ Lay lässt jetzt mal das mutmaßliche Unterschriftenpaket auf sich zukommen. Wird er sich danach richten, wenn es richtig viele sind, wenn 1000 Zeller unterschrieben haben, wenn der Wille der Bevölkerung eindeutig ist? Eine fiktive Frage – darauf weiß Lay heute keine Antwort. Er werde sich das Ergebnis anschauen, sagt er. Klar sei aber auch: An den Fakten ändere sich nichts.

Mit den Fakten aus ihrer Sicht sind die Gegner des Stadions schon als erste auf die Zeller zugegangen, sie haben Flugblätter verteilt mit den Argumenten, die schon bei einer Infoveranstaltung in der Schule aufgezeigt wurden. Die Hauptpunkte: Unklare Unterhalts- oder Folgekosten, fehlende Leichtathletikkonzeption, hoher Flächenverbrauch, unzureichende Informationen der Gemeindeverwaltung, mögliche Umweltbelastung beim Erdmaterial. Der TSG weist das zurück: Alle Unterhaltskosten seien klar definiert und die Folgekosten bekannt – Kubert spricht von höchstens 5000 Euro im Jahr. Benötigt würden 2,1 Hektar Fläche, weitere zweieinhalb würden Ausgleichsfläche für den Naturschutz. Die könnten weiter landwirtschaftlich genutzt werden, sagt der Schultes, nämlich als Schafweide. Er wehrt sich gegen den Vorwurf einer einseitigen Informationspolitik. „Alle Dinge, die der Verwaltung vorliegen, sind an den Gemeinderat weitergegangen.“ Der TSG wundert sich:  „Wir erkennen mangelndes Vertrauen in Teilen des Gemeinderates gegenüber der Gemeindeverwaltung und dem Projekterfolg, obwohl alle Fraktionen seit Anfang 2018 im Projektteam mitgestaltend vertreten sind.“ Und schließlich sei das Erdmaterial für die Auffüllung „gemäß geltenden Verordnungen keine Umweltbelastung“, so der TSG. Projektgegner Lay spricht von belastetem Material, das dort zulässig sei, mit der Klassifizierung Z 2. Auf die jetzige Erddeponie in Zell dürfe das nicht. Bürgermeister Link kann dazu auf Nachfrage nichts sagen, glaubt aber, dass Z 2 auch auf die Zeller Deponie dürfe. „In nahezu jeder Baugrube in Zell stößt man auf Ölschiefer, das ist Z 2.“

Kubert klagt: „Wir haben keine Leichtathletik-Abteilung, das wird gegen uns vorgebracht.“ Man werde mit aller Kraft daran arbeiten, die Anlage mit Leben zu erfüllen, das Stadion biete eine Riesenchance. Er sei im Gespräch mit Nachbarvereinen über eine Kooperation, es gebe auch Leichtathleten am Ort, die auswärts trainierten. Der TSG habe in seiner Vereinsgeschichte bewiesen, dass er etwas auf die Beine stellen könne.  Der Sportplatzbau von 1995, ein neuen Sanitärtrakt, der Verein sei schuldenfrei. Kubert erinnert an den Vorsitzenden Richard Friesch, der den wiedergegründeten Sportverein und den Liederkranz zum TSG zusammengeführt habe. „Das erste, was der TSG nach dem Krieg gemacht hat, war Tischtennis im ‚Deutschen Kaiser’.“ Heute gibt es einen eigenen Tischtennisverein, der TSG hat fünf Hauptabteilungen und knapp 600 Mitglieder. Bürgermeister Link, bis vor kurzem noch 2. Vorsitzender, wirbt um Vertrauen: Er traue es dem TSG zu, eine Leichtathletik-Abteilung zu entwickeln. Das genau bezweifeln die Gegner des Stadionbaus im Gemeinderat. Hans-Ulrich Lay, Sportlehrer und selbst Leichtathlet, weiß, dass Jugendliche für Leichtathletik schwer zu begeistern seien.  Die „Riesenchance“, die Kubert beschwört, ist für Lay ein mögliches Kostenrisiko der Gemeinde, falls der Stadion brachliegt. „Schon die Fußballabteilung muss um den Nachwuchs kämpfen. Wie soll’s dann mit Leichtathletik gehen.“ Er sagt auch: „Umsonst ist das Stadion nicht. Es kostet Landverbrauch und hat eventuell Folgekosten.“

Wie geht es weiter mit den Stadionplänen?

Bürgerbegehren Der TSG Zell will dem Gemeinderat am 31. Januar seine gesammelten Unterschriften vorlegen und ihn dazu bewegen, die Stadionpläne wieder aufzunehmen.

Bürgerentscheid Lehnt der Gemeinderat ab und bleibt dabei, dass ihm das alles eine Nummer zu groß und unausgegoren sei, vor allem auch Flächenverbrauch koste, kommt es zum Bürgerentscheid. Dann sind die Zeller zur Abstimmung aufgerufen.

Wahltag Den Termin für einen möglichen Bürgerentscheid gibt es bereits. Laut Bürgermeister Link ist es der 7. April.

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