Rechberghausen Salonmusik vom "Trio con Brio"

Gepflegte Salonmusik, gute Laune und bekannte Melodien haben das "Trio con Brio" in Rechberghausen geboten.
Gepflegte Salonmusik, gute Laune und bekannte Melodien haben das "Trio con Brio" in Rechberghausen geboten. © Foto: Staufenpress
Rechberghausen / ANNEROSE FISCHER-BUCHER 09.06.2015
Bei einer Sonntags-Matinée gastierte im Ochsensaal in Rechberghausen das "Trio con Brio". Sie boten Best of Classics aus der Alten und Neuen Welt.

Man braucht für die Grundausstattung ein Klavier (Martin Münch), eine Geige (Joachim Romeis) und einen Kontrabass (Martin Bärenz), es sei denn, man möchte ein ganzes Salonorchester zusammenstellen, bei dem weitere Instrumente dazukommen können.

Weiter braucht man dazu schöne, eingängige Themen aus Klassik, Operette, Musical, Jazz oder aus Schlagern - kurz Gassenhauer - und gute Musiker, die mit Improvisationslust und Freude an leichter Muse, die jedoch gerade nicht leicht zu spielen ist, ans Werk gehen. Dann noch ein sonniger Sonntagmorgen mit einem wohl gestimmten Publikum - in Rechberghausen gibt es offenbar eine Fan-Gemeinde für gepflegte Salonmusik - und fertig ist die gute Stimmung. Scheinbar unvereinbare Gegensätze werden durch die Verwendung bekannter Melodien zusammengeführt und die Fertigkeit der Virtuosen, die sich mit rasend schnellen Läufen, mit Glissandi, Arpeggi, Flageolett, ungewöhnlichen Klangfarben und viel Vibrato in Szene setzen und das Bekannte in allen nur denkbaren Spielweisen vortragen, ruft Erstaunen beim Hörer hervor.

Das Trion con Brio aus Heidelberg konnte diese Stimmung am Sonntagmorgen im voll besetzten Ochsensaal mit viel Sinn für Poesie erzeugen. Im ersten Teil des Programms waren Themen aus der Alten Welt gefragt mit klassischen Komponisten wie Ravel, Tschaikowsky, Glasunow, Skrjabin und im zweiten Teil eher Themen aus der Neuen Welt wie Gershwin, Piazolla oder Jazz Standards, Blues und Sinatra.

Zu jedem Stück gaben die Musiker abwechselnd ein kleines Histörchen zum Schmunzeln oder fürs Hintergrundwissen zum Besten. Schließlich waren sie schon zum zweiten Mal zu einem Konzert in Rechberghausen, dieses Mal als Teil des diesjährigen Neckar-Musik-Festivals. War es ein Lied ohne Worte, ein musikalisches Gedicht, eine Art Walzer als Abendständchen in russischer Musiksprache wie Wassertropfen, war es Hello Dolly, All of Me, Summertime, Libertango oder My way und New York, manche der Zuhörer summten oder klopften leise mit. Bei Lehars "Lippen schweigen", Raimonds "Juliska", Linckes "Berliner Luft" oder bei "Veronika der Lenz ist da" der Comedian Harmonists war die Improvisationsfreude der Musiker greifbar.

Zu Beginn der Matinée stand Ravels "Bolero" für Orchester auf dem Programm: Über dem rhythmischen Ostinato steigern sich im Original zwei Melodien in 18 Wiederholungen und einer Coda vom Pianissimo in ein rauschhaftes Fortissimo. Das Trio con Brio spielte etwa die Hälfte der Wiederholungen mit nur drei Instrumenten - eine bewundernswerte Leistung von Reichhaltigkeit und Variationsbreite der drei Musiker.

Mit Johann Strauß "An der schönen blauen Donau" seien sie großzügig, sagten sie am Ende, denn beim Neckar- Festival hätten sie eigentlich ein Stück vom Neckar spielen müssen.

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