Said Mohamad, der 17-jährige Flüchtling aus Somali, strahlt über das ganze Gesicht und erklärt: „Ich habe viel Freude an der Musik, spiele Fußball, mache Breakdance und lerne fleißig jeden Tag die deutsche Sprache.“ Den 35 Flüchtlingen aus Somalia, Syrien und  Afghanistan die im ehemaligen Hotel Klaus untergebracht sind, nicht nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung sondern auch ein Gefühl für Rhythmus zu vermitteln, ist ein Herzenswunsch von Silvio Caputo, dem Vorsitzenden des Salacher Musikvereins. Seit sechs Monaten ist Said, der freundliche und aufmerksame Heimatvertriebene, in Salach und freut sich über das Engagement des örtlichen Musikvereins. „Das ist ganz wunderbar für uns.“

Wie’s dazu kam? „Auf unser Frühjahrskonzert, zu dem auch die ortsansässigen Flüchtlinge eingeladen waren, folgte große Resonanz seitens der Heimatvertriebenen“, berichtet Silvio Caputo. Der Kooperationspartner, die Kolpingmusikschule Süßen, präsentierte im Konzert eine Percussion-Einlage mit Cajons, die die jungen Flüchtlinge spontan begeisterte. Silvio Caputo und sein Stellvertreter Rafael Munz entschieden sich nach Rücksprache mit Claudia Becker von der Gemeinde Salach, den 20 interessierten Jungs das Spiel auf den Cajons beizubringen. Der 18-jährige Hasan Mohamud berichtet: „In meiner Heimat Somalia habe ich auch schon Musik gemacht und bin froh, hier mit den Trommeln spielen zu können.“

Ganz neu entwickelt Alawi Sagedmokhta aus Afghanistan ein Gefühl für Musik. Der 17-Jährige erklärt mit leuchtenden Augen: „Ich habe sehr viel Freude daran.“ Als Sponsoren für die Anschaffung der Bausätze sprangen der Rotary-Club Göppingen und die Gingener Herstellerfirma Schlagwerk ein. Aus den Reihen des Musikvereins erklärten sich spontan acht junge Musiker bereit, mit den Aussiedlern die Cajons zu basteln und das Spiel darauf zu üben. Mehrsprachige Bausatzanleitungen und ein Video erleichterten das Ganze. Rafael Munz, der neben einigen anderen Musikern in mehreren Sitzungen grundlegende Schlagzeugrhythmen vermittelt, ist von der Begeisterung der jungen Menschen angetan. „Es ist ein tolles Gefühl, wie willig sie sind und wie viel sichtlichen Spaß die Jungs daran haben.“

Die Jugendlichen aus den Kriegsgebieten freuen sich, nonverbal über die Musik mit den Instrumentalisten ihres Gastgeberlandes zusammenzukommen und genießen das Gefühl, integriert zu werden. „Das soll auch der Bevölkerung bewusst werden, dass die Flüchtlingsunterkunft kein isoliertes Zentrum ist, sondern dass man mit den jungen Leuten etwas unternehmen kann“, sagt Silvio Caputo.

Sein Wunsch, die Jungs ins Vereinsleben zu integrieren, ist mit den Workshops auf dem besten Wege. „Es ist wichtig, sie in unsere Kulturgemeinschaft einzufügen.“ Was sie gemeinsam mit dem Musikverein Salach erarbeitet haben, wollen die jungen Männer mit viel Schwung und Lebensfreude anlässlich des Salacher Straßenfestes am Sonntag, 24. Juli, um 14 Uhr, präsentieren.

Die Kistentrommel

Cajòn Spanisch für Schublade oder übersetzt Kistentrommel. Das ursprüngliche Sklaveninstrument aus Südamerika entwickelte sich zu einem der beliebtesten Rhythmusinstrumente. Das Cajón besteht aus Holzplatten, der höhere Snare-Ton wird am oberen Kistenrand geschlagen, der Basston tiefer auf dem Deckel.