Fluss Säuberungsaktion wird zum Abenteuer-Trip in der Fils

Kuchen / MAXIMILIAN TKOCZ 27.07.2015
"Man kann hier gar nicht alles rausfischen, das ist unmöglich", sagt Markus Angerer, während er den Abhang des Filsufers heraufgekeucht kommt. In der einen Hand schleppt er einen alten Autoreifen nach oben, in der anderen das verrostete Gerüst eines Fahrrads.REPORTAGE mit Bildergalerie.

Nach ihm klettert Isolde Scholz die Böschung herauf: "Ich muss erst einmal einen Stein aus meinem Schuh rausholen - voll ätzend", schimpft sie.

Zusammen mit etwa 20 weiteren Clubmitgliedern der "Tauchinsel Göppingen" haben die beiden sich am Samstag ein beinahe unmögliches Ziel gesteckt: Einen drei Kilometer langen Abschnitt der Fils zwischen Kuchen und Süßen von Müll und Schrott zu befreien. Bewaffnet mit Neoprenanzug, Gummistiefeln und grünen Wathosen - Gummihosen, die bis zur Brust reichen - durchstapfen die wackeren Tauchfreunde das Flussbett in drei Gruppen und sammeln alles auf, was in ihre Hände fällt. Zu den spektakulärsten Funden gehören zwei verbogene Einkaufswagen und alte Blitzableiter, außerdem eine Patrone, wohl aus dem Zweiten Weltkrieg. "Um den Einkaufswagen aus dem Wasser zu holen, haben sie zu viert eine Viertelstunde lang gebraucht", erzählt Dieter Niemetz beeindruckt. "Die geben nicht nach."

Niemetz ist seit 14 Jahren Pächter des Filsabschnitts auf der Gemarkung Gingen und freut sich über die ehrenamtliche Aktion der Tauchschule. Sein Hobby ist ein ähnliches: Auch er fischt gerne in der Fils, allerdings Forellen. "Die sind mittlerweile besser als in jeder Zuchtanstalt", verrät der 64-jährige Gingener und hebt einen Angelhaken auf, den das Tauchteam aus dem Wasser geholt hat. Es ist keiner von seinen, das erkennt er an den kleinen Widerhaken - seine sind plattgedrückt, damit kleinere Fische entkommen können.

"Vor 30 Jahren hat das noch ganz anders ausgesehen. Damals gab es tote Fische, sonst nichts", erzählt Niemetz. Von der Süddeutschen Baumwoll-Industrie in Kuchen gelangten Chemikalien in die Fils und machten den Lebensraum für Fische unmöglich.

Robert Schmidt aus Donzdorf steht bis zu den Kiemen in der Fils und grinst: "Wenn mich jemand fragt, wo ich im Urlaub war, dann antworte ich immer: Hier, zwischen Kuchen und Süßen, im Amazonas. Das ist wie ein Abenteuer-Trip durch den Urwald." Auch er betont, wie sauber das Wasser der Fils heutzutage ist.

Die Fils hat mit einer Gewässergüteklasse von I bis II einen sehr guten Wert. Der 49-Jährige meint scherzhaft, dass man jetzt endlich einen Schluck Filswasser zu sich nehmen könne, ohne daran zu sterben.

Die Mengen an Schrott, die die Taucher finden, sind erschreckend groß: Eine der drei Gruppen füllt damit allein zehn Müllsäcke und erbeutet zudem viele Einzelteile, darunter ein großes Speichenrad aus Metall und Holz.

Jedes Jahr machen die Freunde der "Tauchinsel Göppingen" eine solche Müll-Fisch-Aktion in einem See oder Fluss, erklärt Stefanie Böpple, die Inhaberin des Tauchclubs. Die ehrenamtliche Aktion bewirkt Gutes und unterstützt den Zusammenhalt in der "Tauchinsel": Viele würden so ihre Kollegen nach Monaten endlich mal wieder zu Gesicht bekommen. Das sieht auch der 50-jährige Joachim Schweizer so. "Es ist schon anstrengend, aber trotz allem macht es mächtig Spaß", sagt der gelernte Maschinenschlosser.

Die Männer und Frauen schwitzen und keuchen. Auch Markus Angerer ist mit seinem Autoreifen und dem Fahrradgestell endlich oben angekommen. "Jetzt ist Feierabend. Alles auf nach Hause", ruft er keuchend und die anderen lachen. Ein Scherz, denn die erschöpften Kameraden haben noch die Hälfte vor sich. Nach einer kurzen Pause klettern die Taucher wieder die Böschung abwärts in den Fluss und waten stromabwärts weiter.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel