Ebersbach an der Fils Ruhestand: Ebersbachs Kämmerer verlässt die Verwaltung

Seit 33 Jahren ist Helmut Roth oberster Hüter der Ebersbacher Finanzen. Ende Juli übergibt der 63-Jährige die Geschäfte an seinen Nachfolger Oliver Marzian.
Seit 33 Jahren ist Helmut Roth oberster Hüter der Ebersbacher Finanzen. Ende Juli übergibt der 63-Jährige die Geschäfte an seinen Nachfolger Oliver Marzian. © Foto: Giacinto Carlucci
KARIN TUTAS 14.07.2015
Er hat vier Ebersbacher Bürgermeister erlebt, sein Wort hat Gewicht in der Stadtverwaltung wie auch im Gemeinderat. Kämmerer Helmut Roth, eine Institution in Ebersbach, geht Ende Juli in den Ruhestand.

Noch stapeln sich die Akten auf dem Schreibtisch und der Terminkalender ist vollgepackt. "Noch so viel wie möglich erledigen", ist die Devise von Helmut Roth in seinen letzten Wochen im Ebersbacher Rathaus. Ende des Monats geht der Kämmerer der Stadt in den Ruhestand und das sei "ein sehr gutes Gefühl", erklärt der langjährige Finanzchef der Stadt Ebersbach.

Keiner im Rathaus wisse mehr über die wichtigen Vorgänge und Sachverhalte, hat Roths Chef Sepp Vogler einmal über seinen Amtsleiter gesagt, der seit 1978 in Diensten der Stadt steht - zunächst als Stellvertreter der Kämmerei und 1982 als deren Leiter. Keine Antwort, die der altgediente Beamte, der es nunmehr auf fast 46 Jahre im öffentlichen Dienst bringt, in zahllosen Sitzungen des Gemeinderats und bei Haushaltsberatungen schuldig geblieben wäre. Akribisch und verständlich verstand er es, auch Laien das nüchterne Zahlenwerk nahezubringen.

Dass er im Finanzressort landete, sei eher ein Zufall gewesen, erzählt der 62-Jährige, der als 17-Jähriger eine Ausbildung im Albershäuser Rathaus begonnen hatte und nach zwei Jahren im Landratsamt Esslingen an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung studiert hat. Denn neben dem Finanz- gehörte auch das Bauwesen zu dem Spezialgebiet des jungen Verwaltungsmanns. Jedoch als sich im Rathaus seines Heimatortes Uhingen - wo Roth auch heute noch wohnt - eine Stelle in der Kämmerei bot, griff er zu. Eigentlich sei es ja auch das Rathaus in Uhingen gewesen, wo er erstmals mit dem öffentlichen Dienst in Berührung gekommen sei. Als zehnjähriger Bub hatte er den Torbogen vor dem Verwaltungssitz als Fußballtor auserkoren. Jedoch der Ball landete in einer Fensterscheibe des Rathauses und es setzte einen Rüffel vom Amtsboten. "Aber das hat meine spätere Berufswahl eigentlich nicht beeinflusst", meint Roth schmunzelnd.

Dass er diese keinesfalls bereut, daran lässt der 62-Jährige keinen Zweifel. Obwohl man es als Kämmerer ja fast ausschließlich mit Zahlen zu tun hat, "dröge ist das auf keinen Fall, denn da spielen so viele andere Themen mit rein". Zum Beispiel die Stadtentwicklung. Roth zeichnet in Ebersbach federführend für den Aufkauf ungezählter Grundstücke und Häuser und hat auch die Verträge für Sanierungsgebiete ausgetüftelt. Dabei gab es manch harte Nuss zu knacken. Eine besonders knifflige Herausforderung - da muss der Finanzchef nicht lange nachdenken - war das Kauffmann-Areal, das die Stadt schon in den 80er-Jahren beschäftigt hatte. "Da war alles drin, was man sich nur vorstellen kann", erinnert er sich an eines der schwierigsten Themen seiner Laufbahn.

Die emotionalen Diskussionen um die Entwicklung der innerstädtischen Gewerbebrache haben sich tief ins Gedächtnis eingebrannt. Vorwürfe der Gegner und einer Bürgerinitiative, die Stadt habe das Grundstück praktisch verschenkt, gingen auch am hartgesottenen Verwaltungsmann Roth nicht spurlos vorüber. "Man schüttelt vieles ab, aber wenn es persönlich wird, dann ist das schon hart und es passiert dann schon Mal, dass man schlecht schläft", räumt der Kämmerer ein. Der Vorwurf, die Stadt habe das Areal unter Wert verkauft, wurde schließlich durch ein Gutachten, das auf Geheiß der Gemeindeprüfungsanstalt erstellt wurde, entkräftet. "Es wurde festgestellt, dass wir sogar ein bisschen mehr für die Fläche bekommen haben", stellt Roth fest und freut sich umso mehr, wenn er heute über die neue Ebersbacher Mitte schlendert: "Ich bin sehr zufrieden damit."

Nach so vielen Jahren sei ihm die Stadt ans Herz gewachsen, räumt Roth ein, obwohl er hier, speziell in den 90er Jahren, turbulente Zeiten erlebt habe. "In Ebersbach kennen mich mittlerweile mehr Leute als in Uhingen", sagt der Kämmerer, der sich auch hoher Wertschätzung des Gemeinderats erfreut. Sein Wort hat Gewicht.

Den Zeitpunkt seines Ausscheidens hat Helmut Roth selbst gewählt. Die Umstellung auf das neue kommunale Haushaltsrecht mit dem Etat 2015 sei der richtige Zeitpunkt, findet der 62-Jährige. Bei der Vielzahl der Aufgaben, die die Stadt noch habe, werde es künftig alles andere als einfach, das Finanzschiff auf Kurs zu halten, zumal Ebersbach längst nicht mehr die Steuererträge der 70er Jahre habe und man mit begrenzten Mitteln auskommen müsse. "Aber man wird auch in Zukunft mit dieser Situation umgehen können", ist Roth zuversichtlich.

Allmählich fällt der Ballast der Verantwortung ab. Roth arbeitet bereits seinen Nachfolger Oliver Marzian ein, der am 27. Juli das Steuer in der Kämmerei übernimmt. Dass es langweilig werden könnte, davor ist dem angehenden Ruheständler nicht bange, im Gegenteil: "Da ist so viel liegen geblieben zuhause" und auch der Campingwagen in Allgäu müsse in Schuss gebracht werden. Radfahren und Schwimmen sei auch viel zu kurz gekommen, "weil die Geschäftstermine das ganze Privatleben bestimmt haben". Roth freut sich, dass er dieses Jahr das erste Mal im September in Urlaub fahren kann, "das war seither nicht möglich". Statt in den Haushaltsplan werde er sich lieber in Bücher vertiefen und der Philosophie zuwenden - "mein eigentliches Hobby", aus dem eventuell auch noch ein Seniorenstudium werden könnte. Und wenn dann noch Zeit ist, dann will sich Helmut Roth auch bei der einen oder anderen Veranstaltung in Ebersbach blicken lassen - ohne jede Verpflichtung und "ganz entspannt".