Konzert Rudolf Müller brillant an Christuskirchen-Orgel

Eislingen / Eckhart Naumann 12.10.2018

Pfarrer Frieder Dehlinger begrüßte in der Eislinger Christuskirche den diplomierten Kirchenmusiker und Konzertorganisten Rudolf W. Müller aus Würzburg. Dort wirkt Müller unter anderem als Kirchenmusiker an der Klosterkirche Mariannhill und als Leiter der dortigen internationalen Konzertreihe.

Ein paar Blicke in das Konzertprogramm ließen erkennen, dass der Künstler eine breit gefächerte Literaturpalette ausgewählt hatte. Natürlich präsentierte Müller Barockmusik mit dem „Praeludium et Fuga“ in d-Moll (BWV 539) von Johann Sebastian Bach sowie das aus der Bach-Tradition abgeleitete Werk „Allegro, Choral und Fuge“ in d-Moll aus dem Jahr 1844 des Romantik-Meisters Felix-Mendelssohn-Bartholdy; beides souverän gespielt Groß-Werke in klarer Artikulation und melodiöser Linienführung. Schon durch diese beiden Darbietungen setzte Müller virtuose Akzente.

In großer Könnerschaft trug der Künstler im Konzertverlauf Stücke aus der Übergangszeit von der Romantik zur Moderne vor, etwa von Joseph Bonnet (1884-1944) die „Variations de Concert (opus 1)“ oder das „Scherzo“ in g-Moll (opus 49, Nr. 2) des Italieners Marco Enrico Bossi (1861-1925). Bereits in Bonnets Komposition ließ der Orgelkünstler Müller die ganze Klangpalette der spätromantischen Link-Mühleisen-Orgel erklingen, und gleich anschließend konnte man staunend die virtuose Anlage der Bossi-Komposition verfolgen, meisterlich interpretiert in vielfältigen Harmonie-Sequenzen.

Ad Wammes, ein Niederländer, geb. 1953, komponierte ein spritziges Stück mit dem Titel „Miroir“, ein etwa fünfminütiges Wunderwerk, beinahe ein Perpetuum-Mobile, luftig gespielt von der rechten Hand und – in der Gegenüberstellung – melodische Passagen linkshändig mit „gezupftem“ Bass, mit wohlklingenden Registern der Christuskirchenorgel. Der belgische Komponist Joseph Jongen (1873-1953) schrieb mit „Papillons noir“ opus 69 (zu deutsch: schwarze Schmetterlinge) aus den „13 Preludien für Klavier“ in der Bearbeitung von John Scott Whiteley eine bezaubernde Komposition, die Rudolf Müller die Gelegenheit gab, im wahrsten Sinne mit seinen Fingern über die Tasten zu fliegen. Man spürte förmlich die „Papillons“ durch das ganze Kirchenschiff glitzern und flimmern.

Im Sinne des Programmschwerpunkts „Variationen“ präsentierte Müller die „Passacaglia“ in c-Moll (opus 1) des Würzburger Tonkünstlers Hermann Grömling (1913-1987); auch hier ließ der Orgelkünstler alle Abschnitte des eindrücklichen Werkes in gekonnter Art und Weise erklingen.

Der 1946 in Würzburg geborene ungarisch-deutsche Komponist Zsolt Gárdony schrieb in dem Stück „EGATOP“ eine Widmung an die Jazz-Pianisten Erroll Garner, ArtTatum und Oscar Peterson. Mit seiner mitreißenden Interpretation zeigte Rudolf Müller in begeisternder Weise, dass er bestens mit virtuoser Jazz-Stilistik und Klanglichkeit vertraut ist.

Improvisierend über das bekannte Herbstlied „Bunt sind schon die Wälder“ präsentierte Müller sein herausragendes Können in vielfältiger Variationsmanier und beschloss den Konzertabend mit der schönen Melodie „Der Mond ist aufgegangen“, umspielt mit Akkordfolgen in romantischem Stil, etwa wie bei Max Reger.

Die Zuhörerschaft dankte Rudolf Müller mit kräftigem und langem Applaus für sein hervorragendes, konzertantes, virtuoses und gefühlvolles Orgelspiel.

Eckhart Naumann

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