Glyphosat Rote Karte den Insektenkillern in Eislingen

In Berlin haben Demonstranten gegen den Einsatz von Glyphosat und Insektiziden in der Landwirtschaft protestiert. Diese und ähnliche Mittel will die Stadt Eislingen von ihren Pachtflächen künftig verbannen.
In Berlin haben Demonstranten gegen den Einsatz von Glyphosat und Insektiziden in der Landwirtschaft protestiert. Diese und ähnliche Mittel will die Stadt Eislingen von ihren Pachtflächen künftig verbannen. © Foto: Stefan Boness (Ipon)
Eislingen / Karin Tutas 25.01.2018
Die Stadt Eislingen will den Einsatz von Glyphosaten auf ihren landwirtschaftlichen Pachtflächen verbieten.

Der flammende Appell dreier Eislinger Naturschutzverbände hat gefruchtet: Einstimmig hat der Ausschuss für Technik und Umwelt nun den Einstieg der Stadt Eislingen in ein Konzept zur Förderung der Artenvielfalt beschlossen. In einem offenen Brief an Stadträte und -verwaltung hatten der örtliche Nabu, der Schwäbische Albverein und Imkerverein Alarm geschlagen und die Stadt aufgefordert, konkrete Schritte zu unternehmen, um das dramatische Insektensterben und den damit verbundenen Rückgang von Vogelarten zu stoppen.

„Wir wollen in Eislingen die Augen nicht verschließen“, erklärte Oberbürgermeister Klaus Heininger in der Ausschusssitzung. Der Rathauschef merkte aber auch an, dass eine Kommune in der Größenordnung Eislingens „nicht den ganz großen Durchbruch“ schaffen könne. Die Verwaltung hat dem Gremium ein auf drei Säulen fußendes Rahmenkonzept mit verschiedenen Maßnahmen vorgestellt, die Lebensraum für Hummeln, Hornissen und Co. schaffen.

Neben der Förderung privater Initiativen sowie er naturnahen Pflege städtischer Grünflächen richtet sich das Augenmerk vor allem auf die rund 100 landwirtschaftlichen Grundstücke in städtischem Besitz. Die Verpachtung von Grundstücken solle künftig an ökologische Leistungen gekoppelt werden. Ebenso könnten auch zusätzliche Auflagen in die Verträge aufgenommen werden, die auch den Einsatz von glyphosathaltigen Herbiziden ausschließen. „Wir werden klar signalisieren, dass wir problematische Substanzen nicht auf städtischen Flächen haben wollen“, erklärte der städtische Naturschutzbeauftragte Wolfgang Lissak.

Ebenso sei daran gedacht, Landwirte für die Pflege ökologisch wertvoller Flächen besser zu entlohnen. Schnell handeln will die Verwaltung bei Flächen, „wo wir kurzfristig rankommen“ – etwa im Bereich des Wasserschutzgebietes zwischen Eislingen und Salach, das künftig nur noch extensiv bewirtschaftet werden soll. Das war auch ein Antrag der CDU-Fraktion. Auch Bürgern will die Stadt Anreize geben, naturnahe Flächen anzulegen, etwa indem sie kostenlos Saatgut von Nektarpflanzen für Insekten ausgibt.

25 000 Euro will die Stadt in diesem Jahr für die verschiedenen Projekte ausgeben. Die Summe ist weit entfernt von der, die drei Eislinger Naturschutzverbände für notwendig erachten, nämlich eine Million Euro in den kommenden fünf Jahren. Dennoch seien die vorgeschlagenen Schritte „ein guter Anfang“, befand der Eislinger Nabu-Vorsitzende Gerhard Rink. Die Naturschützer vermissen aber die ihrer Meinung nach notwendige personelle Schlagkraft. „Es fehlt jemand, der das organisiert, koordiniert und als Ansprechpartner da ist“, sagte der Albvereinsvorsitzende Günter Funsch. „Es muss jemand auf die Landwirte zugehen und das Ganze mit ihnen gemeinsam umsetzen“, so Rink.

Für den Anfang werde nicht mehr Geld benötigt, erklärte OB Heininger, der in puncto biologische Artenvielfalt auf das Land setzt. Entsprechende Förderprogramme seien zu erwarten,  „die Mühlen mahlen schon“. Einigkeit herrschte im Gremium, dass es nicht darum gehe, mit dem Finger auf die Landwirte zu zeigen, vielmehr müsse Überzeugungsarbeit geleistet werden, so der Rathauschef. Bewusstsein gelte es aber auch bei den Bürgern zu wecken, meinte der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Ritz, der bemängelte, dass immer mehr Hausbesitzer statt Gärten anzulegen Flächen um ihre Häuser herum befestigen.

Nicht ambitioniert genug ist das Konzept dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Holger Haas. „Es ist ein Einstieg, aber im Haushalt müssen dann noch mehr Mittel rein“. Haas forderte auch einen Zeithorizont. Bis Sommer soll das Konzept stehen, sagte Klaus Heininger zu.

Drei-Säulen-Konzept für Eislingen

Handlungsfelder: Auf drei Säulen fußt das geplante Rahmenkonzept zur Förderung der Artenvielfalt in Eislingen: Landwirtschaft, öffentliche und städtische Flächen sowie private Initiativen.


Landwirtschaft: Das Hauptaugenmerk gilt der Landwirtschaft. Glyphosat soll von städtischen Pachtflächen – derzeit rund 100 Grundstücke – verbannt werden. Die Pflege ökologisch wertvoller Flächen soll stärker honoriert werden. Außerdem will die Stadt darauf achten, dass Acker- und Uferrandstreifen nicht bewirtschaftet werden.


Finanzen: 25.000 Euro will die Stadt 2018 für den Artenschutz ausgeben. Jeweils 10.000 Euro sind für Landwirtschaft und öffentliche Flächen gedacht, 5000 Euro für Privatinitiativen.

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