Göppingen / Von Reiner Naak  Uhr
Im Göppinger Rollenspielclub schlüpfen Menschen in die Rolle von Tyrannen, Marsianern und Egozentrikern. Es läuft eine tödliche Verschwörung auf Zeit.

Es ist das Jahr 2217. Die Kolonisation der nächsten Sternensysteme steht bevor. Und es geht um eine tödliche Verschwörung. Nach dem Seela ihren Kampf gegen die Schergen verloren hat, ist Duarthe, ihr Kampfesbruder, bereit und stellt sich der Konfrontation mit dem gegnerischen Hauptmann. „Hör zu du Verbrecher, ihr habt keine Möglichkeit unseren Waffen und unserem Können zu entkommen. Ergebt euch und es werden keine weiteren Soldaten zu Schaden kommen.“ Worauf der Hauptmann der gegnerischen Soldaten in aggressivem Ton brüllt: „Ha ha ha, vergesst nicht, die Tochter des Generals ist in unserer Hand und wird in Kürze mit dem Raumschiff die Station verlassen. Ihr kommt zu spät und habt, mal wieder, versagt!“ Duarthe verliert die Fassung: „Du hast es nicht anders gewollt. Wir werden euch vernichten und die Tochter des Generals retten!“

„Seven Worlds“ im Bürgerhaus in Göppingen

Mit diesem Intro wurde kürzlich im Göppinger Rollenspielclub das Science-Fiction Setting „Seven Worlds“ fortgesetzt. Die sieben Welten, um die es in diesem Rollenspiel geht, kristallisieren sich an diesem Nachmittag an einem Ort: dem Göppinger Bürgerhaus. Der Göppinger Rollenspielclub ist in seinem Element.

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Die größte Errungenschaft der Menschheit stellt bei diesem Spiel die Kolonisation der nächsten Sternensysteme dar. Duarthe (mit Persönlichkeitsproblemen) sowie Seela (eine verwöhnte Göre, die sich als getarnter Dieb sowie als Diplomatin entpuppt) oder Takumi sind die Charaktere. Dieser Takumi stellt einen der größten Mediziner seiner Zeit dar. Leider mit einem etwas wirren Verstand und einem Tablettenproblem.

Marc Stehle: Rollenspieler haben „ausgeprägte Fantasie“

Unterschiedliche Charaktere bedeuten auch ständig wechselnde Stimmungen. Die Spieler „leben“ ihre Figuren mit voller Inbrunst. Spielleiter Marc Stehle, welcher die gegnerischen Schergen sowie alle Statisten des Spieles abdeckt, lebt in diesem Spiel in einer Art „multiplen Persönlichkeit“. Das Team der „Guten“ mit Sanja Steiert, Mario Herrmann, Philipp Härter, Tamer Akköse und als Gastspieler Reiner Naak, leben das Spiel in Sprache, Dialekt, Gesten, Lautstärke oder sonstigen Arten. Die Spieler gehen voll in ihrer Rolle  als Marsianer, pillensüchtiger Arzt, Egozentriker, Diplomatin auf. Doch immer nur auf Zeit.

„Leute, die Rollenspiele spielen, gehören meist zu den Liebhabern von Horror, Science-Fiction-Filmen, Star Wars oder auch Comics“, sagt Spielleiter Marc Stehle. „Diese Personen haben meist eine sehr ausgeprägte Fantasie.“ Einen weiteren Grund, warum sich grundsolide Menschen regelmäßig zu solchen Rollenspielabenden treffen, erklärt Sanja Steiert, im wirklichen Leben Sozialpädagogin, so: „Es ist eine angenehme und spaßige Möglichkeit, in eine Welt einzutauchen, die fernab vom Alltag ist“.

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Rollenspielclub trifft sich jeden ersten Freitag im Monat ab 18 Uhr

Nachdem der Spieleabend vorbei ist, schlüpfen alle Spieler wieder in ihre Alltagskostüme und gehen entspannt ihrer Wege. „Natürlich kann es auch mal sein, dass wir gemeinsam noch auf ein oder zwei Getränke in der Göppinger Innenstadt verschwinden“, so Spielleiter Marc Stehle. Jeden ersten Freitag im Monat ab 18 Uhr trifft sich der Göppinger Rollenspielclub im Bürgerhaus, auf der Rückseite des Göppinger Rathauses. Diese Treffen werden als sogenannte One-Shot-Fridays bezeichnet. Das soll Gästen und Interessierten die Möglichkeit bieten, an unterschiedlichen Kurzabenteuern mitzuspielen. „Kurzabenteuer“ bedeutet, dass diese Rollenspiele an nur einem Abend abgespielt werden können. Ziel ist es, neuen Mitgliedern und Besuchern die Möglichkeit zu geben, einen Einblick in die Welt des Rollenspieles an sich und natürlich auch des Göppinger Clubs zu werfen. Derzeit gehören etwa zehn bis 15 Rollenspieler zum harten Kern.

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Rollenspiel fängt mit Rückblick und Kuchen an

Zu Beginn des Spieleabends, bevor die späteren Fantasiegestalten verbal aufeinander los gehen, kochen sie erst einmal gemütlich Kaffee, stellen die  mitgebrachten Süßigkeiten oder  Kuchen auf den Tisch und statten ihren Platz mit den notwendigen Utensilien wie Würfel, Getränke und vielleicht auch Tablet aus. Nachdem der Spielleiter den vergangenen Spieleabend der Geschichte Revue passieren lassen hat, fängt das Rollenspiel des aktuellen Abends an. Fortan werden die Spieler nicht mehr mit ihren Namen angesprochen, sondern nur noch mit ihren Pseudonamen der Charaktere, wie im Falle des Rollenspiels „Seven World“, Takumi, Duarthe, Maricelle, Derrick, Seela und Amblin.

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Die Herkunft ist bei einem Rollenspiel egal

Dann werden mit jedem Wurf der Würfel aus den Familienmenschen, vom Logistiker über die Betriebsratsvorsitzende bis hin zum Diplom Sozialpädagogen, Charaktere mit Vorurteilen, Handicaps und Eigenarten. Das Schöne daran ist, so wird einem sehr schnell bewusst, dass die Spieler zwar in diese Welt wechseln, doch immer nur in dem Moment, in welchem sie auch an der Reihe sind. Im Vordergrund steht das gemeinsame Spiel, und nicht etwa die Herkunft oder der Intellekt. Der Spaß, das Spiel und die Kommunikation untereinander sind auf eine sehr sympathische Art und Weise ständig gegeben. Was auf den ersten Blick befremdlich aussieht, entwickelt sich schnell zum Spaß an der Gemeinschaft. Wenn sich erwachsene Menschen plötzlich stehend und mit hochroten Köpfen anschreien und um Raumschiffe, Welten, Soldaten streiten, gehört doch schon sehr viel Fantasie dazu.

Der Göppinger Rollenspielclub

Einstieg Club bietet über das Jahr hinweg regelmäßig den  One-Shot-Friday an. Spiele wie Oblivion, Coriolis oder auch das als Ursprungsspiel bekannte „Das Schwarze Auge“, können an diesen Tagen bespielt werden.

Erreichbarkeit Über die Email-Adresse grsc@gmx.de oder direkt auf Facebook „Göppinger Rollenspielclub“. Treffen immer am ersten Freitag, ab 18 Uhr im Bürgerhaus, Kirchstraße 11 in Göppingen.

Infos über Konventions, Veranstaltungen, Stammtische und Rollenspieltage allegmein auf der Homepage www.rollenspiel-cons.info

Hintergrund und Geschichte

Rollenspiele sind reine Gesellschaftsspiele, die im Team gespielt werden. Die Kreativität darf hier frei entfaltet werden. Die Charaktere müssen gemeinsam Hindernisse bewältigen, Rätsel lösen, Probleme wälzen oder auch nach Lösungen suchen.

Die Entstehung des Rollenspiels liegt im 6. Jahrhundert. Damals spielte man in Indien eine Kriegssimulation namens Tschaturanga. Dieses Rollenspiel gilt als Anfang des Schachspiels.

Heute gibt es sehr viele unterschiedliche Rollenspielarten. Auch wird das Rollenspiel häufig in der Psychologie und Pädagogik angewendet.