Eislingen Rita Süssmuth: Auch Demokratie braucht Führung

Rita Süssmuth war zu Gast bei der Eislinger Frauen-Aktion.
Rita Süssmuth war zu Gast bei der Eislinger Frauen-Aktion. © Foto: Sabine Ackermann
Eislingen / SABINE ACKERMANN 10.03.2015
Passend zum Weltfrauentag feierte die Eislinger Frauen-Aktion "efa" ihr 20-jähriges Bestehen mit Musik und Festreden. Besonders viel Beifall bekam Professorin Dr. Rita Süssmuth für ihre freie Rede.

20 Jahre Frauen-Aktion "efa" heißt auch: seit dieser Zeit wird in Eislingen der Weltfrauentag gefeiert. Gehört traditionell eine Rede der Vorsitzenden dazu, ließ Monika Jirouschek in ihrer Begrüßung die vergangenen zwei Jahrzehnte nochmals Revue passieren. Ein großes Aushängeschild waren unter anderem die Talkrunden mit Unternehmerinnen oder Sportlerinnen in der alten Post sowie Themen mit Expertinnen über Mütter-Töchter-Beziehungen, Essstörungen oder Depression.

Doch auch lustige Begebenheiten kamen bei "efa" nicht zu kurz. "Als Alice Schwarzer hier war, hat der Haustechniker auf den Knien ihr zu Füssen versucht, Kabel und Mikrofon in Gang zu bringen", erinnert sich die Vorsitzende. Und beim Universaltalent Maren Kroymann sei damals für 30 Minuten sogar die komplette Mikrofon-Anlage ausgefallen. Doch bei allem Spaß den die Frauen bei ihren Aktionen haben, fehle es aber wie in jedem Verein am Nachwuchs.

Dagegen richtig schlecht ging es Eislingens OB Klaus Heininger. Er sei blass und habe abgenommen nachdem er erfahren hatte, dass er nur drei Minuten für sein Grußwort habe. "Wie viel Minuten Redezeit hätte ich wohl erhalten, wenn ich eine Frau wäre?", scherzte das Stadtoberhaupt und hatte als Geschenk 50 parfümierte Seifen mitgebracht.

"Ohne Gleichstellung gibt es keinen Fortschritt", betonte Iris Fahle, die Beauftragte für Chancengleichheit des Landkreises Göppingen und auch die Vorsitzende des Landfrauenrates Baden-Württemberg, Manuela Rukavina, fand deutliche Worte: "Einen Verein nur für Frauen fand ich anfangs etwas bizarr. Doch heute weiß ich, efa hat mich geprägt, auch deshalb habe ich mich bis dato nicht getraut auszutreten."

Anschließend verteilte die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens einen Blumenstrauß und riet den Frauen: "Sich vom OB keinesfalls einseifen zu lassen." Zwischendurch sorgten Sängerin Reinette van Zijfeld-Lustig und Pianistin Tine Schneider für die musikalische Unterhaltung .

Dann waren alle gespannt auf die Festrednerin Rita Süssmuth, die zwar zart und klein wirkte, aber in ihren Aussagen präsent wie eh und je war. So lobte die Politikerin die Arbeit der Eislinger Frauen-Aktion. Frei sprechend und mit festem Blick auf die knapp 300 Zuschauer, nannte sie Beispiele aus ihrer aktiven Zeit. "Wir brauchen Menschen, um uns selbst zu schaffen. Wenn uns die Männer früher auch schon so zugelassen hätten, wie mit dem was wir Frauen heute tun, wären wir schon ein Stück weiter." Heute sei es wichtig, wegen dieser Unsicherheiten der Ungewissheiten, gemeinsam an der Lösung der nächsten Schritte zu arbeiten.

Mit der Aussage "Der Weg ist das Ziel" habe sie Probleme. "Denn wenn ich nicht weiß wohin ich will, kann ich auch nicht den Weg finden. Manchmal müsse man eben Umwege wählen, um neue Wege zu gehen. Im Kleinen, in der Familie, wie im Großen unverzichtbar: Auch die Demokratie braucht Führung", so die Ex-Bundestagpräsidentin.

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