Panoramablick Reportage: Mit dem E-Bike zu den Kaiserbergen

Panoramablick / Christine Figl 27.08.2018
Radeln auf der Dreikaiserbergroute –  hört sich nach Anstrengung an. Aber warum quälen, wenn man ein E-Bike leihen kann?

Panoramablick. Am Horizont der Albtrauf. Zwischen Rechberg und Hohenstaufen stehe ich neben einem E-Bike, schnaufe erstmal tief durch und bin überwältigt. Den hügeligen Anblick kenne ich zwar, aber dieser Kurzurlaub in der Heimat offenbart Neues. Die imposante „Blaue Wand“ des Albtraufs mit all ihren Erhebungen, hier der Wasserberg, dort schon die Teck, lässt unseren Blick nicht mehr los. Mein Begleiter und ich stehen bei Kilometer 34 auf der Dreikaiserbergroute, haben schon mehr als die Hälfte geschafft und sind noch nicht annähernd am Limit angekommen.

Doch fangen wir bei Kilometer 1 an. Grauer Asphalt, der spürbar in die Jahre gekommen ist. Jede Unebenheit, all die Risse der Bahnbrücke zwischen Faurndau und Göppingen übertragen sich durch den Sattel auf uns. Die beiden Fahrräder, auf denen wir sitzen, gehören nicht uns, sondern Andreas Raiser von „Radlust“ in Faurndau. Dort beginnt unsere Tour zu den drei Bergen am Vormittag.

Aber erstmal schlängeln wir uns durch den Verkehr und atmen Abgase ein. Entspannung und Naturgenuss lassen auf sich warten. An der Stuttgarter Straße entdecken wir den ersten Wegweiser. Ein blaues Schild mit einer 3, die eine Krone trägt. Durch den üblichen Stau in der Göppinger Mitte quälen wir uns zur Poststraße, dann flüssiger an der Volksbank vorbei und auf der Großeislinger Straße immer weiter Richtung Osten. Hinterm Eislinger Ortsschild verlassen wir den Geh- und Radweg neben der stark befahrenen Straße und radeln einen schmalen Weg an der Krumm entlang und später zwischen den kahlen Feldern hindurch nach Salach.

Beschilderung könnte besser sein

Doch ganz so einfach wollten es die Touristiker wohl nicht machen. Insgesamt zehn Mal muss ich absteigen und auf dem Smartphone schauen, wo es lang geht. Die Beschilderung lässt an manchen Stellen zu wünschen übrig. Teilweise zeigt ein Rad-Symbol zwar, wie die Hauptradroute verlaufen soll, doch wer den Blick durch die Gegend schweifen lässt, übersieht wohl das ein oder andere Schild. Oder fehlen gar einige Hinweise, die das Radvergnügen einschränken?

Erste Verwirrung in Salach, die nächste erneut in Salach, dann mehrmals in Süßen, in Donzdorf, außerhalb von Donzdorf. Doch mal ehrlich, wer nach all den Strapazen erstmal durch den Filsbogenpark in Süßen radelt, merkt, wie schön es vor der eigenen Haustür doch sein kann. An diesem Vormittag spielen ein paar Kinder auf der Anlage, zwei ältere Männer halten ein Schwätzchen und schon ist man zurück im Ort, sieht über den Dächern den Turm der Ulrichskirche. Die Hauptstraße überquert, wartet der zauberhaft idyllische Teil der Stadt. Am Mühlkanal entlang radeln wir, auch wenn wir gar nicht wissen, ob wir hier richtig sind. Aber die Kulisse lohnt den Umweg allemal.

Nach einer weiteren Süßener Irrfahrt vorbei an der Rettungswache inklusive Martinshorn kommen wir in Richtung Donzdorf und fahren durch hohe Maisfelder aufs Industriegebiet zu. Zügig geht’s bergauf Richtung Lauterstein, durch Grünbach und weiter nach oben ins Christental.

Das Smartphone bleibt im Rucksack

Kilometer 21 – Zeit für eine Pause mit Vesper auf einer Holzbank am schattenspendenden Gebüsch. Eine halbe Stunde durchatmen, Ruhe genießen, über Gesehenes sprechen. Nebenan plätschert ein Brunnen, dessen Wasser meine Stirn wundervoll kühlt. Doch wir haben noch einige Kilometer vor uns, weiter geht’s. Sonnenbrille und Helm aufgesetzt, zurück in den Sattel.

Positiv: Ab dem Christental lässt die Streckenführung keine Interpretationen mehr offen, das Telefon darf im Rucksack bleiben, wir genießen die Landschaft und kommen zügiger voran. Wacholderheiden säumen die Hänge, zahlreiche Schmetterlinge schwingen ihre Flügel durch die Hitze.

Ein Display am E-Bike zeigt an, dass ich im Eco-Modus noch 61 Kilometer vom Motor unterstützt würde, wenn ich das denn wollte. Eco steht für die schwächste Unterstützung, die Modi Tour, Sport und Turbo stehen ebenso zur Auswahl. Der Magen ist voll, der Berg steil. Wollen wir doch mal sehen, wie leicht ein Berg zu überwinden ist. Nach ein paar kräftigen Pedaltritten, die vom Motor unterstützt werden, kommen wir an der Reiterleskapelle an. Dank Turbo-Modus brennen keine Oberschenkel, die Atmung hält sich in Grenzen, der Schweiß steht aber trotzdem auf der Stirn.

Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h

Zwischen Wißgoldingen und Rechberg sehen wir den Akku dahinschmelzen und entscheiden uns für eine sparsamere Variante. Einen Abstecher auf dem Berg lassen wir aufgrund der Hitze außen vor. Und schon geht’s leicht bergab und durch angenehm kühles Waldgebiet. An einer Stelle erreichen wir eine Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometer pro Stunde. Wenn jetzt nur bitte kein Tier aus dem Gebüsch hoppelt.

Die grüne Haube des Hohenstaufens ist schon zum Greifen nah, links liegt Ottenbach im Tal, rechts sieht man bis ins Remstal. Durch den malerischen Ort geht’s vorbei an der Galerie von Harald Immig und direkt an der Spielburg wieder hinunter. Jetzt heißt es: Abfahrt! Durch kühlere Waldluft brausen wir ins Tal und stehen kurze Zeit später in Wäschenbeuren. Das Radeln auf der alten Bahntrasse macht richtig Spaß, es ist schließlich wenig los und vom Verkehr auf der Bundesstraße bemerken wir nichts.

Kurze Verwirrung bei Birenbach. Ein Teil der alten Bahntrasse ist gesperrt, wir queren die Bundesstraße und strampeln neben den Autofahrern her in Richtung Rechberghausen. Dort angekommen geht’s zurück auf den Parallelweg, doch der schickt uns zu unserem Misstrauen zurück durch den Ort. Das kann so nicht gewollt sein. Wenig später finden wir auf die Originalroute zurück.

Die 50 Kilometer spürt man in den Knochen

Am Marbach entlang zieht sich der Weg durch verwunschenes, dicht gewachsenes Grün. Außer uns fährt an diesem Nachmittag niemand hier, wir radeln durch einen grünen Tunnel. Allmählich können wir nicht mehr sitzen, ich wechsele immer wieder die Sitzposition. Obwohl sich der Untergrund weich anfühlt, die 50 Kilometer machen sich bemerkbar.

Nach einiger Zeit spuckt uns der Wald aus, wir stehen im Industriegebiet und müssen erst einmal unser inneres Navi fragen, wo wir hier denn gelandet sind. Die Schilder lassen keine Zweifel aufkommen, wir haben uns nicht verfahren. Die Sonne brennt erbarmungslos herunter. Winzige sandige Salzpartikel überziehen unsere Gesichter. Zugegeben: Wir freuen uns, dass wir ein letztes Mal den Turbo anwerfen können und nach wenigen Minuten am Ausgangspunkt in Faurndau stehen.

Die 3 mit Krone führt zu den Kaiserbergen

Route Die Dreikaiserbergroute verläuft entlang der Berge Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen und bietet beeindruckende Ausblicke ins Stauferland. Die vergleichsweise anspruchsvolle Tour erstreckt sich über 51 Kilometer, überwindet 669 Höhenmeter und eignet sich als Rundweg für einen Tagesausflug.

Rundweg Startpunkt ist in Göppingen und führt über Süßen durchs Lautertal bis Nenningen. Von dort geht es durch das Christental vorbei an der Reiterleskapelle bis an den Fuß des Stuifen und am Rechberg vorbei nach Hohenstaufen. Weiter geht es bergab nach Wäschenbeuren. Anschließend kehrt man über den Radweg auf der alten Bahntrasse über Faurndau nach Göppingen zurück.

Wegweiser Das Erkennungszeichen und Logo der Route besteht aus einer goldenen „3“ mit Krone auf blauem Hintergrund, das die Drei Kaiserberge symbolisiert.

Broschüre Kartenmaterial zur Route und weiteren Radwegen gibt’s kostenlos im Landratsamt und in den Rathäusern.

Mit geliehenem E-Bike radelt es sich gut

Verleih Einige Händler und Touristiker im Landkreis bieten E-Bikes zum Ausleihen an.

Göppingen: Das Unternehmen Nextbike verleiht ab dem Göppinger Bahnhof drei E-Bikes, die nach Anmeldung in der Community ausgeliehen werden können. Kosten: pro Stunde 2 Euro, ganzer Tag 16 Euro. Das Angebot soll in naher Zukunft von der Deutschen Bahn unter dem Namen Regiorad fortgeführt werden. Dann entstehen im Landkreis auch weitere Ausleih- und Rückgabestationen.

Faurndau: Bei Andreas Raiser von Radlust in Faurndau kostet das Rad 20 Euro pro Tag. Voranmeldung: Tel. (07161) 9244434. Er verweist auch auf die Plattform www.listnride.de, auf der jeder ein Gefährt mieten und vermieten kann.

Landkreis: Die Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf verleiht E-Bikes für 16 Euro pro Tag. Wochenendpreis: 39 Euro. Voranmeldung: Tel. (07334) 960180. Die Räder können dann nach Absprache an zahlreichen Stationen im Landkreis abgeholt werden. Sie werden von der SAB-Radwerkstatt in Geislingen zum Beispiel zum Donzdorfer Hotel Becher oder zum Deutschen Haus bei Weilheim transportiert.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel