Lauterstein / MICHAEL SCHORN  Uhr
Die Ehefrau von Johann Schuster konnte eine Reise wegen eines plötzlichen Demenzschubes nicht antreten. Doch die Reiserücktrittsversicherung weigerte sich zu zahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit war die Folge.

Eigentlich hatte Johann Schuster aus Lauterstein mit seiner Frau eine Flusskreuzfahrt von Passau nach Budapest im Mai 2011 geplant. Doch seine Frau konnte die Fahrt wegen eines plötzlichen Demenzschubes nicht antreten. Dies hatte einen jahrelangen Rechtsstreit mit der Reiserücktrittsversicherung, der Firma Kravag, dem Spezialversicherer der R+V Versicherungsgruppe, zur Folge.

Nach knapp zwei Jahren gab es jetzt eine endgültige Entscheidung beim Landgericht in Ulm. Dort wurde die Berufung der Firma Kravag abgelehnt, die Entscheidung des Geislinger Amtsgerichts, die dem 69-jährigen Johann Schuster schon zuvor Recht gegeben hatte, wurde bestätigt - die Versicherung muss zahlen.

Doch um das Geld - Streitwert etwas über 1000 Euro - geht es Johann Schuster schon lange nicht mehr. Was ihn aufregt, ist vielmehr die Art und Weise, wie die Anwälte der Reiserücktrittversicherung vorgegangen sind. "Die Kravag ließ in ihren Auslegungen die Sachlichkeit des öfteren vermissen", bemängelt er. Außerdem sei seine Fürsorge für seine Frau von den Anwälten der Kravag "sehr verletzend kommentiert" worden. "Dies grenzt nach meinem Verständnis an Einschüchterung", meint Schuster.

Anderen Betroffenen Mut machen

Dabei habe er kein Interesse daran, der Kravag geschäftsschädigend zu begegnen. Vielmehr will er mit seinem jetzigen Gang an die Öffentlichkeit anderen Betroffenen Mut machen, sich nicht von den Rechtsvertretern großer Unternehmen einschüchtern zu lassen und zeigen, dass es sich oft lohnt, für seine Rechte auch über einen längeren Zeitraum zu kämpfen.

Zum Hintergrund: Johann Schuster hatte die Reise für sich und seine Frau im Februar 2011 beim Reise-Service der Volksbank Göppingen in Donzdorf gebucht. Dabei war auch die Reiserücktrittsversicherung der Firma Kravag. Doch zwei Tage vor Reisebeginn sagte seine Frau zu ihm, dass sie nicht mitfahren könne. Schuster trat die Flusskreuzfahrt daraufhin alleine an und forderte von der Versicherung das Geld für den Reiseanteil seiner Frau zurück. Wie sich herausstellte, hatte sie einen Demenzschub erlitten. Vor der Reise war die Krankheit allerdings noch nie genau diagnostiziert worden, sagt Schuster. "Als Angehörigem fällt einem dieser schleichende Verlauf nicht so auf", erzählt der 69-jährige Lautersteiner.

Dies wiederum bestritten die Anwälte der Firma Kravag. In einem Schreiben an das Landgericht Ulm heißt es: "Die Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Ehefrau des Klägers, die hier zur Stornierung der Reise führte, war nicht unerwartet. Der Kläger versucht in der Berufserwiderung es so darzustellen, als habe bei seiner Ehefrau bis April 2011 ein stabiler Gesundheitszustand vorgelegen. Davon kann nicht die Rede sein." Und weiter lassen die Anwälte verlauten: "Offensichtlich wird jetzt in dem Berufungsverfahren versucht, den Zustand der Ehefrau des Klägers in den Jahren 2006 bis 2011 schön zu schreiben". Johann Schuster habe ein "ureigenes Interesse, den Zustand seiner Ehefrau zu beschönigen."

"Ständig wurde mir unterstellt, ich würde irgendwelche Gründe vorschieben, um wieder an mein Geld zu kommen", erklärt Schuster, was ihn an dem Verhalten der Versicherungsanwälte geärgert hat.

Schließlich gibt ihm ein ärztliches Gutachten Recht: Schuster konnte mit dem plötzlich eintretenden Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands seiner Frau nicht rechnen - einer Einschätzung, der auch die Gerichte in ihren Urteilen folgten.


 

Das sagt der Reiserücktrittsversicherer Kravag:

"Die Reiserücktrittskostenversicherung Kravag zahlt laut Versicherungsbedingungen unter anderem bei unerwarteten schweren Erkrankungen - ein Umstand, der bei der langjährigen Alzheimer-Erkrankung der Ehefrau von Herrn Schuster nach unserer Meinung nicht gegeben war. Dass das Gericht in diesem Fall anders entschieden hat, akzeptieren wir selbstverständlich. Nach Angaben der NWZ habe sich Herr Schuster jedoch vor allem deshalb an die Presse gewandt, weil er sich von den Anwälten der Kravag angegriffen fühlt.

In der schwierigen Lebenssituation des Herrn Schuster ist es sicherlich bedrückend, wenn über den Gesundheitszustand seiner Frau öffentlich verhandelt wird. Sollten in der Verhandlung Sätze gefallen sein, die Herrn Schuster gekränkt haben, tut dies uns leid. Und doch sind wir als Versicherer im Sinne der Versicherungsgemeinschaft verpflichtet, zu prüfen, ob eine Zahlung gerechtfertigt ist oder nicht. Dazu ist es leider unumgänglich, die Krankenakte zu Rate zu ziehen und aus ihr zu zitieren. Aus diesem Grund enthalten die Versicherungsbedingungen einen Passus, der den Versicherungsnehmer verpflichtet, im Versicherungsfall ärztliche Atteste zur Verfügung zu stellen. Es war nicht unsere Absicht, Herrn Schuster irgendwie zu verletzen."