Göppingen / ANNEROSE FISCHER-BUCHER 500 Jahre Reformation feierten zahlreiche Mitwirkende in der Göppinger Stadtkirche mit Worten und Musik.

Noch nie ist die Reformation so ökumenisch und international gedacht worden wie in diesem Jahr“, sagte die Ulmer Prälatin Gabriele Wulz beim Festakt zu 500 Jahren Reformation in der voll besetzten Göppinger Stadtkirche. Und sie fügte hinzu, die „Vielstimmigkeit der Reformation“ könne eine Stärke sein und nicht eine Schwäche. Aber das sei schwer auszuhalten.

In ihrem Festvortrag „Vergnügt, erlöst, befreit – Reformation als Erbe und Auftrag“ sprach Wulz davon, dass Luther die Kirche nicht spalten, sondern habe erneuern wollen. Auch heute gebe es „Verbohrtheit und Intoleranz in anderen Zusammenhängen“. Aus der damaligen „nicht verzweckten“ Bildungsbewegung ergebe sich heute die Verpflichtung zur Erneuerung, zur Ökumene, zum Einsatz für das Leben und für eine nüchterne, aufmerksame „Hoffnung für diese Welt“.

Drei Grußworte hatten zuvor ebenso das Geschehen um die Reformation und ihre Folgen für heute beleuchtet. Oberbürgermeister Guido Till ging auf die Reformation „von oben“ für die Stadt unter Herzog Ulrich und Herzog Christoph von Württemberg ein und betonte die Bedeutung der deutschen Sprache im Bezug auf Bildung, die durch die Bibelübersetzung Luthers Verdienst gewesen sei. Für den Landkreis sprach der Erste Landesbeamte Jochen Heinz über die historischen Auswirkungen für den Kreis.

Der katholische Dekan Martin Ehrler sprach sein Grußwort „in ökumenischer Verbundenheit“ nach vielen Jahren der Abgrenzung und gegenseitigen Verletzungen durch die Kirchen. „Heute können wir wieder in geschwisterlicher Weise miteinander“, auch wenn es noch Luft nach oben gebe und die Liebe noch ausbaufähig sei. Der Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden der Bezirkssynode, Jens-Uwe Veil, war eine Filmcollage von Dekan Rolf Ulmer mit dem Thema „Das war das Reformationsjubiläum“ gefolgt.

Die Akteure der musikalischen Umrahmung des Festaktes boten eine weitere Vielstimmigkeit. Der Kirchenchor Jebenhausen unter Veronika Kaupp-Rohde sang ein Stück über Vertrauen und ein Credo. Die Bezirksbläser und das Bezirksbläserensemble unter Stefan Renfftlen, Gerald Buß und Klaus Rothaupt spielten verschiedenen Choral-Variationen, darunter „Ein feste Burg ist unser Gott“ mit dem Text von Martin Luther, über den Heinrich Heine gesagt hatte, dass er die „Marseillaise der Reformation“ sei.