„Bitte Platz machen, nicht dass jemand verletzt wird“, ruft Michael Schilling den Zuschauern zu und winkt mit den Armen. Und schon schwingt der blau-grüne Wasserfratz von den Murreder Henderwäldlern seine Peitsche. Fünfmal knallt es ordentlich, danach jubeln die Umstehenden be-geistert. „Narri, Narro“, grüßt Schilling die Gruppe mit deren Narrenruf, dann kündigt der Vize-Präsident der Narrenzunft Furchenrutscher schon die nächsten Gäste an.

Bei strahlendem Sonnenschein säumten tausende Zuschauer die Straßen und feierten fröhlich. Mit seinem Kompagnon Michael Heer konnte Schilling in diesem Jahr über 62 mitlaufende Zünfte, Kapellen und Vereine vorstellen. Die beiden größten Gruppen waren mit über 120 Hästrägern angereist, nämlich der Poltringer Fasnets-Club 1966 e.V. und die 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft.

Schilling erklärte, dass man den Narrensprung vier oder fünfmal in der Saison hätte veranstalten können, so viele Anmeldungen habe es gegeben. Zunächst seien natürlich die heimischen Gruppen dabei, die Furchenrutscher, Torhopfer und Dorfhexen. Außerdem spielten der Musikverein, der Fanfarenzug sowie die Guggamusigg Rommdreibr auf, und die Rehböckle Harmonia, die Hausama Wikinger und die Waldgoischdr von Hausa liefen mit. „Bei der weiteren Auswahl schauen wir zum Beispiel, ob es ganz neue Gruppen gibt“, so Schilling. Das war in diesem Fall die 1. Narrenzunft Weilheimer Ross-Mugga. Pfiffig sah deren Maske mit Zahnlücke-Grinsen und Sommersprossen aus. In roten Blusen und dunklen Westen marschierten sie als Nummer 58 am hinteren Ende des Zuges.

Hauptsächlich Maskenträger unterwegs 

Andere Vereine stehen den Furchenrutschern besonders nahe. Zum Beispiel marschieren seit 20 Jahren die Donzdorfer Noda-Biagr als Nummer eins voraus. Natürlich pflege man auch gute Kontakte zu den Nachbarvereinen, betonte Schilling. Und nicht zuletzt wolle man Zünften die Möglichkeit zum Auftritt geben, die womöglich in ihrer Heimatstadt keinen eigenen Umzug veranstalten können. Rechberghausen erlebt in der Faschingssaison sogar zwei Umzüge, beim Narrensprung und am Faschingsdienstag. Letzterer habe mehr örtlichen Bezug, dabei laufen auch Kindergärten und Vereine mit. Der Narrensprung-Umzug orientiere sich an der schwäbisch-alemannischen Fasnet, weswegen hauptsächlich Maskenträger unterwegs seien.

Und zwar die unterschiedlichsten Exemplare: Grünblaue Schuppen samt Fisch im Mund zeigten die Masken der Illertaler Wasserbätscher. Vogelmasken mit scharfen grünen Schnäbeln trugen die Großbettlinger Stoiadler. Und die Gansloser Hommelhenker gingen als Fleckvieh mit sanften Augen unter den Hörnern. Und auch die Zukunft der Zünfte scheint gesichert: Nele von den heimischen Torhopfern und Jannik von der Faschingsgesellschaft Gosbach waren mit drei Jahren die jüngsten Narren im Zug.