Eislingen / Von Kristina Betz Beim Traktorwilli gilt es Modelltraktoren möglichst realitätsnah durch die künstlich angelegten Landschaften fahren zu lassen. Nicht nur Kinder sind Stammgäste bei Inhaber Klaus Maurmaier.

Bei Klaus Maurmaier kostet ein Traktor 90 Euro. Das Modell John Deere 8345 R bekommt man beim „Traktorwilli“ inklusive fünf Freistunden, die können in einer kleinen Halle eines Eislinger Wohngebiets verbracht werden – statt im Traktor, an der Fernbedienung. Denn beim „Traktorwilli“ können Kinder sowie Erwachsene originalgetreue 1:32 Miniaturen durch eine Welt im Kleinformat bewegen. Kaufen ist aber kein Muss: Maurmaier verleiht die Traktoren auch für sechs Euro pro Stunde.

Die anwesenden Kinder jagen die Traktoren mit Anhängern durch Tannenwälder, vorbei an der Feuerwehr, einem Zirkus und zu den Silos. Dort gilt es Kornschrot, Haselnüsse oder Mais aufzuladen und zum Abladeplatz zu bringen. Die Kinder sind hektisch, verlieren viel der Ladung. Lachen, lenken, geben Gas.

Fahrzeuge möglichst realitätsnah bewegen

Jürgen Krauß aus Hohenstaufen hingegen ist ruhig. Er steht inmitten der Kinder wie eine Statue. Fast unbeweglich lenkt er einen Bagger. Die Finger behutsam an einer umgehängten Fernbedienung baut er mit dem Greifarm des Baggers Stück für Stück einen Holzstapel ab. „Die Kids wollen nur Meilen reißen“, sagt er ruhig, aber in keinster Weise abfällig. „Wir ältere Modellfahrer wollen die Fahrzeuge möglichst realitätsnah bewegen“, erklärt der 32-Jährige.

Stolz zeigt er seine Fahrzeuge, ausgestellt in einer Vitrine. Ein Fahrzeug mit rot-weißem Mähwerk zeigt er genauer. Kleine LEDs erzeugen die realistische Beleuchtung des Fahrzeuges. Auf die Frage, wie viele Stunden er in ein solches Fahrzeug investiert, winkt er lachend ab. Er habe aufgehört, die Stunden zu zählen. „Wir verkünsteln uns an Details“, gibt er unumwunden zu, „Unsummen von Stunden hängen da dran.“ Vielleicht ein Grund, weshalb viele Modellbauer niemanden an ihre Fahrzeuge lassen. „Man hat eine Beziehung zu den Fahrzeugen und ist stolz“, sagt er und zeigt zum Unterstreichen auf die gesicherte Vitrine, in der die wertvollen Modelle stehen. Viele Modellbauer wollen unter sich sein und lassen andere höchstens zuschauen. „Die mögen keine Eindringlinge haben“, weiß Krauß, der mit zehn Jahren mit den ersten Modellen anfing. Er sei nicht der typische Modellfahrer, sagt er von sich. Immer wieder eilt Krauß Kindern zu Hilfe, die Probleme mit ihren Fahrzeugen haben.

Idee kam Maurmaier auf Föhr

„Behutsam anfassen ausdrücklich erlaubt“, steht auf einem Schild an der Theke der kleinen Halle. Klaus Maurmaier hat es aufgehängt. Auch er hat die Erfahrung gemacht, dass viele Modellfahrer „elitäre Vereine“ seien. „Auf Messen denken die dann, die Kinder hätten Freude daran, einfach nur zuzusehen.“ Ein Trugschluss, weiß der 59-Jährige. Auf die Idee zu seinem Modellparadies kam Maurmaier bei einem Urlaub auf der Insel Föhr. Es war ein verregneter Tag auf der Insel und Maurmaier besuchte mit seinen 17-jährigen Söhnen ein Modelland für Traktoren. Die Zwillinge hätten sich dort fünf Stunden beschäftigt. Während die Kinder die Modelle steuerten, reifte in Maurmaiers Kopf eine Geschäftsidee.

Der studierte Elektroingenieur fackelte nicht lange und eröffnete vor drei Jahren „Traktorwilli“. „Es gibt fünf weitere solche Modellandschaften, alle im Norden“, sagt Maurmaier, der seiner Selbstständigkeit nicht nur ein ausgefeiltes Unternehmenskonzept, sondern auch eine Wettbewerbsanalyse vorangestellt hatte.

Hauptberuflich arbeitet der „Workaholic“, wie er sich selbst bezeichnet, im Außendienst als Elektroingenieur. „Früher war ich jeden Samstag, jeden Sonntag im Büro – das wollte ich irgendwann nicht mehr“, erklärt Maurmaier. Heute sei er hier in der Traktorwilli-Halle. „Ich wollte etwas machen, was mir Spaß macht, was ich wirklich gerne mache“, reflektiert Maurmaier seine Gründe, weshalb er sein Alter-Ego „Traktorwilli“ erfand. Für das Geld mache er das nicht, das steht für den 59-Jährigen fest. „Das hier trägt sich grade so“, stellt er fest und blickt durch die Halle, in der die Kinder ganz fixiert auf seine Miniatur-Traktoren sind.

„Sind eine richtige Clique“

Auch Jürgen Krauß steht da und lädt Kornschrot mit Hilfe der Baggerschaufel in einen Hänger. Er ist fast jedes Wochenende hier. „Zu 80 Prozent sind am Wochenende Stammfahrer hier – wir sind eine richtige Clique“, erzählt Krauß. Der älteste Besucher ist 86 Jahre alt. Auch wenn sich Stammgast Krauß und „Traktorwilli“ Maurmaier einig sind, dass das „Modellbauervirus jeden erwischen kann“, kommen überproportional viele Landwirte, um die Miniatur-Traktoren zu lenken. „Ich glaube, Traktor fahren macht Spaß“, sagt Maurmaier und outet sich als Laie. Er sei noch nie mit einem richtigen Traktor gefahren. Und auch auf der Modellstrecke sieht man Klaus Maurmaier selten mit Fernbedienung. „Wer glaubt, wenn die Kinder weg sind, bin ich der erste, der an der Strecke steht, irrt sich“, sagt Maurmaier und spricht lieber über sein Konzept.

An seinem Projekt „Traktorwilli“ habe er nie gezweifelt. Seit drei Jahren hat er Freude am Modellbau-Hobby seiner Gäste. „Ich freue mich, eine Verbesserung bei den Kindern zu sehen. Oder Familien, die hier ihre Zeit verbringen“, sagt Maurmaier und ergänzt begeistert: „Da gibt es Eltern, die können sich zwei Stunden in die Hocke begeben.“ Auch freue es ihn, dass knapp die Hälfte aller jungen Gäste weiblich seien. „Die Mädels laden mit der selben Begeisterung Maiskörner auf die Ladefläche  wie die Jungs.“

Die Außenwirkung des Hobbys Modellbau und das Fahren der Miniaturen stehe oft im Widerspruch zur Realität. „Menschen, die nur ein Spielzeug sehen, die verstehen nicht, was dahinter steckt“, sagt der Besitzer der Modellwelt. Auch Jürgen Krauß kommt hinzu und schildert, wie er seinen Arbeitskollegen von seinem Hobby erzählte. „Viele interessieren sich nicht dafür und denken an eine Eisenbahnlok, die ich auf dem Gleis rumspringen lasse“, sagt Jürgen Krauß. Aber so leicht gab der passionierte Modellbauer nicht auf. Beim nächsten Mal brachte er eins seiner Modelle mit zur Arbeit, „da haben die Bauklötze gestaunt.“

Auch Maurmaier kann stundenlang erzählen. Über die Technik, die in den Fahrzeugen steckt. Die Sensoren, die dafür sorgen, dass am Miniatur-Hirschkreisel der Blitzer angeht, wenn ein Fahrzeug über die Kreuzung düst. Über die kleinen LED-Spots an den landwirtschaftlichen Maschinen, die realistisch hell leuchten, oder die Euro-Steuerung, die wie bei einem großen Traktor oder Bagger funktioniert. „Die, die hier schon wie die Profis fahren“, sagt Maurmaier und macht eine Pause, „die können in ein paar Jahren ohne Probleme ein Flugzeug oder einen Hubschrauber steuern.“ Krauß nickt. Die Steuerung sei die selbe und wer hier viel übe, könne auch bei der Bedienung echter Maschinen von der Modellerfahrung profitieren.

Mehr Infos zum Modelltraktorenland in Eislingen unter Traktorwilli.de

Zwischen den Jahren auch werktags geöffnet

Anlage Die Modelltraktorwelt (Friedhofstraße 22, Eislingen) ist samstags und sonntags jeweils von 10-20 Uhr geöffnet.

Weihnachtsferien 28. Dezember 10 bis 18 Uhr, 29. Dezember 10 bis 20 Uhr,  30. Dezember 10 bis 20 Uhr, Silvester  10 bis 14 Uhr, 1. Januar 2019 (Neujahr) 10 bis 18 Uhr.

Testfahrzeug Bis Neujahr gibt es einen Vollmetallbagger und -Radlader zum Testen auf der Anlage, die auch Erwachsene begeistern, versichert „Traktorwilli“ Klaus Maurmaier. Diese Fahrzeuge seien kein Spielzeug, sondern leistungsfähige Modellfahrzeuge im Maßstab 1:14.