"Das war ein anderes Ergebnis, als ich mir erhofft hätte", sagt Adelbergs Bürgermeisterin Carmen Marquardt. Sie ist ratlos. Die Bürger haben sich bei einer Bürgerbefragung am Wochenende gegen den Verkauf des Montemaris mitsamt Campingplatz entschieden. 691 Bürger wollen nicht, dass die Gemeinde verkauft, 558 waren dafür. Dennoch wären die 850.000 Euro der Investorengruppe angesichts der klammen Kassenlage der Gemeinde willkommen gewesen. "Das war ein Projekt, in dem ich Zukunftsschancen gesehen habe", sagt Marquardt. Dennoch akzeptiert sie die Wahl der Bürger.

Dass die Bürgerinitiative "Forum Adelberg für Adelberg" erst in dieser Woche eine alternative Lösung vorgestellt habe, bedauert die Bürgermeisterin. "Damit hätten sie auch vor zwei Jahren schon kommen können", sagt Marquardt. Sie sei gestern viel im Ort unterwegs gewesen. "Ich habe Gespräche geführt. Von manchen wurde ich aber auch angegrinst", erzählt sie. Es sei doch aber nicht um sie als Person gegangen. Die Rathauschefin sagt: "Es ist mir klar, dass die Bürgerinitiative den Stillstand satt hatte."

Trotzdem wäre das Geld für die Gemeindekasse enorm wichtig gewesen. Das Problem: Die Finanzplanung der Gemeinde beinhaltet die Verkaufserlöse bereits. Damit wurde bis 2016 - unter Einbeziehung der drohenden Gewerbesteuerrückzahlungen und der hohen Verlustausgleiche, die ebenfalls noch zu finanzieren sind - eine ausgeglichene Finanzlage dargestellt. Da das Geld aber fehlt, steht die Gemeinde vor einer Herausforderung.

Landrat Edgar Wolff beobachtet die Entwicklung mit Sorge: "Adelberg steht jetzt vor einer sehr schwierigen Finanzsituation, vor einer großen Herausforderung", sagt er. Es sei nun an der Zeit für Zusammenarbeit. Ob die Entscheidung der Bürger am "Ruf" von Wolfgang Wäscher, der gemeinsam mit anderen als Investor auftrat, lag, will der Landrat nicht spekulieren.

"Mit ernster Sorge betrachte ich jedoch, dass diese Auseinandersetzung wohl tiefe Gräben im Ort aufgerissen hat", sagt Landrat Wolff. Diese sollten jetzt schnell wieder überwunden werden, damit für eine faire, sachliche und konstruktive Zusammenarbeit Platz sein könne. Ein "Eingreifen" des Kommunalamts, das für die Aufsicht der Kommunen zuständig ist, sei bisher nicht notwendig und "steht für mich ganz am Ende von vielen Bemühungen und Gesprächen, die vorher stattfinden müssen".

Ein Patentrezept für die Kommune hat der Landrat nicht. Wolff sagt: "Wie es in Adelberg weitergehen soll, liegt ganz in der Hand der Gemeinde. Der Gemeinderat ist nach dem Bürgerentscheid jetzt wieder Herr des Verfahrens."