Sanierung Räte pochen auf mehr Fakten

Im Wiesensteiger Freibad muss die Filtertechnik erneuert werden. Noch hat sich der Gemeinderat nicht entschieden, welches System hierfür angewandt werden soll.
Im Wiesensteiger Freibad muss die Filtertechnik erneuert werden. Noch hat sich der Gemeinderat nicht entschieden, welches System hierfür angewandt werden soll. © Foto: aj
Wiesensteig / Sabine Graser-Kühnle 05.04.2018

Die Filteranlage im Wiesensteiger Tälesbad läuft teils nur noch auf „geflickter“ Basis, eine neue Technik muss her. Das ergab die Überprüfung des Bad Uracher Büros „Fritz Planung“. Neue Technik ist aber teuer, da kam ein Angebot von Ulrich Pfeffer aus Gingen gerade recht: Mit sogenannten Azudfiltern könne die Badtechnik, nicht DIN-gerecht zwar, aber quasi zum Schnäppchenpreis auf den neuesten Stand gebracht werden (wir berichteten).  Das Bad Uracher Büro sollte daher nicht nur normgerechte Varianten untersuchen, sondern ebenfalls die von Pfeffer vorgeschlagene Version. In der jüngsten Ratssitzung stellten  Thomas Frank und Angelika Geiger von „Fritz Planung“ die Ergebnisse vor. Sie empfahlen gegenüber der alternativ vorgestellten  Mehrschichtdruckfilter den Einbau einer neuer Technik mit Saugfilter, weil die aufgrund weniger Bauarbeiten günstiger komme. Beide Varianten sind normgerecht, bei beiden ist das Ergebnis am Ende sauberes Wasser, gereinigt von Schmutz sowie Bakterien und Viren. Ausführlich erläuterten sie die Funktion dieser Filteranlagen.

Von der vom Gremium gewünschten Variante der Azudfilter rieten die Fachleute ab. Ihre Begründung: soll die Anlage günstiger als die DIN-Anlagen betrieben werden, dürfte der hinter den Azudfiltern anzuschließende Sandfilter lediglich als Bypass erfolgen. Damit würde aber nur die Hälfte des Wasser  desinfiziert, der Rest fließe, zwar gereinigt von Schmutz, aber mit Mikroorganismen zurück ins Becken. Um eine hundertprozentige Reinigung zu erreichen, müsste der Sandfilter größer ausfallen. „Aber dann wird der Azudfilter über­flüssig, weil der Sandfilter die Wasserreinigung auch ohne ihn schafft“, sagte Angelika Geiger.

Ratsmitglied Wolfgang Hauser unterstellte den Planern, die Azudfilter bewusst schlecht zu reden, zugunsten ihrer eigenen Vorstellungen. In der anschließenden Diskussion räumte Frank ein, die Geschäftsleitung von „Fritz Planung“ sei tatsächlich nicht bereit, die Pfeffersche Filterlösung umzusetzen. „Die Technik ist nicht genormt, weder wir, noch die Anlagenbauer, mit denen wir kooperieren, haben Erfahrungswerte. Das Risiko können wir nicht eingehen.“ Doch die Räte erinnerten sich, auch Pfeffer habe deutlich gemacht, dass der Einbau seiner Filter ein Risiko berge und obendrein nur in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt erfolgen könne.  Im Gremium war man nun verunsichert. Andreas Pohl setzte auf die sichere Alternative von „Fritz Planung“: „Ich will nicht, dass wir zum Pilotprojekt werden und hinterher nur Ärger haben.“ Auch Hauser wollte nicht nur auf Risiko gehen, wollte die Azudfilter aber nicht einfach abhaken, ohne sie gründlich geprüft zu haben. Auch fehlten ihm für seine Entscheidungsfindung Preisvergleiche. Denn die Planer hatten zwar die Zahlen für die normgerechten Varianten genannt, nicht aber für die Azudfilter.

Grob geschätzte Einsparung

426 000 Euro würde die Stadt die Variante mit Mehrschichtdruckfiltern kosten, 396 000 Euro die Saugfilteranlage, weil dabei weniger Baukosten anfallen. Auf Hausers hartnäckige Nachfrage benannte Frank eine grob geschätzte Einsparung bei der Version Azudfilter mit  Sandfilterbypass von 50 000 Euro.  Sven Gajo hatte einen anderen Vorschlag in petto: Eine Alternative wären naturbewachsene Retentionsfilteranlagen zur mikrobakteriellen Reinigung, wie sie in Naturschwimmbädern eingesetzt werden. „Das sollten wir prüfen lassen, es spart uns vielleicht noch mehr Geld.“ Darüber habe man früher ausgiebig diskutiert, der Platz beim Tälesbad sei zu klein, fegte Ratskollege Thomas Weimper den Vorschlag vom Tisch.

Bürgermeister Gebhard Tritschler ließ nach der langen Diskussionsrunde abstimmen. Die Räte folgten unisono Hausers Vorschlag: Pfeffer soll dem Gremium eine detaillierte Funktionserläuterung seines System vorlegen. Außerdem erwartet der Gemeinderat eine Kostenberechnung von Pfeffer und die Bereitschaft, sollte sich das Gremium für seine Lösung entscheiden, Planung samt Ausführung mit einem von ihm zu benennenden Anlagenbauer und der Kooperation mit dem Gesundheitsamt zu übernehmen. Erst mit diesen zusätzlichen Daten und Fakten auf dem Ratstisch soll ein Beschluss erfolgen.

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