Eislingen Zukunft der Stadtbücherei steht infrage

Die Stadtbücherei im Eislinger Schloss stößt an räumliche Grenzen und ist nicht barrierefrei. Der Einbau eines Aufzuges löst das Problem nicht, weil dann im Brandfall ein zweiter Fluchtweg fehlen würde.
Die Stadtbücherei im Eislinger Schloss stößt an räumliche Grenzen und ist nicht barrierefrei. Der Einbau eines Aufzuges löst das Problem nicht, weil dann im Brandfall ein zweiter Fluchtweg fehlen würde. © Foto: Staufenpress
Eislingen / Karin Tutas 19.07.2018
Die Stadt stellt Überlegungen an, wie es mit der Einrichtung und dem Gebäude weitergehen soll. Denkmalschutz erschwert Modernisierung.

Außen stimmt das Landesdenkmalamt nicht zu und innen würde der nachträgliche Einbau eines Aufzuges keine Verbesserung der räumlichen Situation  der Stadtbücherei im Eislinger Schloss bringen. Zu diesem Ergebnis kommt die Stadtverwaltung, die, wie von den Freien Wählern gewünscht, untersucht hatte, wie die Einrichtung barrierefrei werden könnte.

Rund 190 000 Euro müsste die Stadt in die Hand nehmen, um einen rollstuhlgerechten Aufzug einzubauen. Technisch wäre das im Gebäudeinneren zwar möglich, erklärte Hochbauamtsleiter Christoph Braun. Aber die Sache hat einen Haken: Es fehlt ein zweiter Fluchtweg. Menschen mit einer Gehbehinderung könnten im Fall eines Brandes nur unter erschwerten Bedingungen gerettet werden.

Dass unter diesen Umständen kein Aufzug in Frage kommt, war für die Stadträte denn auch keine Frage. „Das geht auf gar keinen Fall, dass man mit dem Aufzug Kinderwagen in den zweiten Stock fährt und dann kein zweiter Fluchtweg da ist“, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Ritz. Auch der Fraktionschef der Freien Wähler, Andreas Cerrotta, erachtete es als wenig sinnvoll, nun einen Aufzug einzubauen.

Indes hatte Oberbürgermeister Klaus Heininger bereits eingangs den Blick auf die Zukunft der Stadtbücherei gelenkt. Deren Raumkapazität stoße an Grenzen und es sei notwendig, grundsätzliche Überlegungen anzustellen. „Die Frage ist, wie wir zusätzlich Räume dort schaffen können.“ Dass die Einrichtung im Schloss, „in diesem einmaligen Gebäude“, bleiben soll, hat für das Stadtoberhaupt Priorität. Es gehe darum, die Bücherei, deren Nutzerzahlen zurückgehen, zukunftsfähig zu machen.

Bei den Stadträten stieß Heininger auf offene Ohren. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ulrike Haas, appellierte, in diesem Zusammenhang auch  andere Themen „in dem Kulturquartier“ im Blick zu behalten, die es noch zu bewältigen gelte, wie ein Domizil für die Musikschule, Räume für die Volkshochschule und einen barrierefreien Raum für Seniorengruppen. Haas forderte, einen Fachmann zu befragen, was kurzfristig in der Stadtbücherei bewegt werden kann und gleichzeitig gemeinsam mit dem Kulturamt  zu überlegen, was an dem Standort alles benötigt wird.

Auch Andreas Cerrotta plädierte für eine zukunftsfähige Lösung. Der SPD, so Peter Ritz, sei ein Anbau eventuell mit einem Glasübergang „ein großes Anliegen“. Da gebe es im Land schöne Beispiele. Das Problem Denkmalschutz lasse sich lösen, ist sich Ritz sicher. Mit dem Landesdenkmalamt könne man reden. „Es muss ein Konzept her, aber schnell, weil es sonst die Stadtbücherei in vier Jahren nicht mehr gibt“, forderte der SPD-Rat. Vor allem für jüngere Nutzer müsse die Einrichtung attraktiver werden. „Wir müssen gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt überlegen, wie wir vorgehen“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Manfred Strohm. Einmütig votierte das Gremium,  vorerst keinen Aufzug in das Schloss einzubauen und stattdessen ein Konzept für die Stadtbücherei sowie weitere Nutzungen an dem Standort zu erarbeiten.

Besucherzahlen sind rückläufig

Geschichte Das Eislinger Schloss wurde 1769 von Freiherr Constantin Adolph von Welden erbaut. Nach seinem Tod wurde es an die Grafen Degenfeld-Schonburg verkauft. Durch Umbaumaßnahmen von 1819 bis 1823 erhielt es seine jetzige Form. 1977 erwarb die Stadt das denkmalgeschützte Gebäude nebst Park und hat es 1989 grundlegend renoviert. Seitdem hat dort die Stadtbücherei ihr Domizil.

Bücherei Wie aus der Statistik der Stadt hervorgeht, sank die Zahl der aktiven Besucher im vergangenen Jahr auf 1854 (2016: 2133). 18 310 Besuche verzeichnete die Einrichtung 2017 (Vorjahr 18 977). 86 656 Medien wurden 2017 ausgeliehen (2016: 98 095). Der Bestand der Eislinger Stadtbücherei ist mit 24 333 Medien nahezu konstant.

Trend Schwindende Besucherzahlen sind laut Stadtverwaltung in allen öffentlichen Bibliotheken zu beobachten. Allerdings stiegen in Bibliotheken, die in die Aufenthaltsqualität und in den Ausbau ihrer Serviceangebote investieren und eine entsprechende personelle Ausstattung aufweisen können, die Besucherzahlen wieder.

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