Rundfunk Radiobühne ist eine Art organisierte Anarchie

Moderator Steffen Schenk (r.) mit Ralf Friton von der inklusiven Band „The Sixteens“ vom Limeshof-Nikolauspflege, Welzheim.
Moderator Steffen Schenk (r.) mit Ralf Friton von der inklusiven Band „The Sixteens“ vom Limeshof-Nikolauspflege, Welzheim. © Foto: Axel Raisch
Axel Raisch 03.01.2018
Radio Fips aus Göppingen ist mit seinem Format „Radiobühne“ zu einem beinahe weltweiten Geheimtipp in der Musikszene geworden.

Steffen Schenk ist nicht nur Moderator und Mastermind der Musikstunde von Radio Fips jeden Dienstagabend ab 21 Uhr, sondern derjenige, der daraus das gemacht hat, was die Kultsendung heute ist. Beispielsweise die Startrampe von Welttourneen. Die US-amerikanische Folk-Rock-Band „The Sweet Remains“, beginnt ihre Touren um den Erdball grundsätzlich auf Schenks Radiobühne in Göppingen. Zuletzt vor wenigen Wochen, am 28. November.

Das Konzept der Sendung, die aus den Katakomben des KMZ ausgestrahlt wird, ist so simpel wie einmalig, eine Art organisierte Anarchie. Die Radiobühne bietet eine offene Plattform, es gibt kein starres Konzept, keinen Vorgabenkatalog. Die Musiker haben bei der Sendung das Heft in der Hand. Und das schätzen nicht nur regionale Bands wie Splitt, inklusive Projekte wie die „Sixteens“ und Newcomer, sondern auch große Namen wie David Hanselmann und zahlreiche Finalisten aus diversen Castingshows von DSDS über X-Faktor bis Voice of Germany wie John Noville oder Isabelle Plaue. „Jeder, der einen Termin bucht, bekommt eine Chance“, sagt Steffen Schenk. Zuhörer werden mit ihren Fragen und Kommentaren über E-Mail-Kontakt live in die Sendung eingebunden.

Der ehemalige Berufsmusiker stellt sich voll und ganz in den Dienst der Sache. Stillstand ist in seinen Augen Rückschritt. Neue Ideen werden regelmäßig Realität. So sind etwa seit dem 1. Januar 2014 alle Musiker, die schon auf der Radiobühne standen, mit einem Stern auf der „Wall of Fame“ im KMZ-Keller verewigt.

Der Mitarbeiter des Regionalfernsehsenders Filstalwelle kennt sich aus, ist bestens vernetzt und mit ganzem Herzen bei der Sache. Und, er versteht sich selbst lediglich als Stichwortgeber während der Sendung. „Im Mittelpunkt stehen einzig und allein die Musiker des Abends“, betont Schenk. Dabei hätte er selbst einiges zu erzählen. Geschichten, die ganze Sendereihen füllen könnten. Und die der frühere Moderator des Fils­talwelle-Radios auch unterhaltsam zu füllen im Stande wäre. Über die Künstler, die in den unterschiedlichsten Genres und Gegenden der Welt zuhause sind. In Australien, Albershausen, Kanada, Schlat und den USA genauso wie in Rattenharz.

Angefangen hat die Geschichte vor über zehn Jahren mit einer Sendung, in der Schenk von allen möglichen Musikern zugeschickte CDs abspielte. Ohne Vorauswahl, ohne Reglementierung, ohne Schranken. Vor sieben Jahren dann bekam er Post aus der Dominikanischen Republik. Ein dort lebender Musiker fragte an, ob er seine schon mehrfach in Schenks Sendung gespielten CDs nicht auch einmal selbst im Studio begleiten dürfe. Kurz darauf saß er in Göppingen am Mikrofon. „Sechs Wochen später war das Jahr 2010 ausgebucht“; erinnert sich Schenk.

 Den Bands nachlaufen muss Schenk nicht, musste er noch nie. Inzwischen gibt es einen Anmeldestopp, denn die Termine sind bis Ende 2018 ausgebucht.

Die Zeit zur Akquise hätte Steffen Schenk auch gar nicht. 15 bis 20 Stunden steckt er bereits jetzt pro Woche in diese ehrenamtliche Aufgabe. Dazu kommen Helfer für Technik und weitere Begleitarbeiten. Neben den klassischen Sendungen gibt es noch die Lounge-Konzerte mit Publikum, ebenfalls aus dem KMZ-Keller und mit großem Publikum aus der Krypta im Stauferpark. Entsprechend größer ist der Aufwand. Der Eintritt ist stets kostenlos. Spenden fließen komplett an die Musiker.

 Steffen Schenk kann es sich leisten, Akzente zu setzen. So ist es ihm wichtig, auch das Thema Inklusion in die Radiobühne einfließen zu lassen. Immer wieder treten Musiker auf, die trotz körperlicher oder geistiger Einschränkungen Musik machen.

 Am 12. Dezember gastierte die inklusive Band „Staubstumm“ der Stiftung Haus Lindenhof aus Schwäbisch Gmünd in der Krypta der Chapel im Stauferpark. Ein Kamerateam aus München begleitete den Auftritt für Arte und andere Sender. Oftmals seien gerade diese Konzerte ganz besonders, sagt Schenk.

Ehrenamtliche machen Radio

Sender Radio Fips, das „Freie Radio Göppingen“ wurde vor einem Vierteljahrhundert gegründet und war anfangs ausschließlich für das Klinikradio verantwortlich. Das Radio wird von einem rund 70 Mitglieder zählenden Verein rein ehrenamtlich betrieben. Es gibt weder Werbung noch Wetter oder Verkehrsmeldungen bei Radio Fips, dafür ein buntes Programm von Schlagern bis Metal. Die Radiobühne ist ein Format im Programm und ist jeden Dienstagabend zwischen 21 und 22 Uhr zu hören.

Empfang: UKW-Frequenz: 89,0 im Kreis Göppingen, Kabelnetz: 99,2 .