Gemeindewald Pro Tag drei Meter neues Holz

Viele Bäume stehen im Bad Überkinger Gemeindewald an den Steilhängen, was die Bewirtschaftung erschwert.
Viele Bäume stehen im Bad Überkinger Gemeindewald an den Steilhängen, was die Bewirtschaftung erschwert. © Foto: Markus Sontheimer
Bad Überkingen / Ralf Heisele 12.06.2018

Eine starke Parzellierung, eine hoher Steilhanganteil und eine schlechte Erschließungssituation – eigentlich keine guten Eigenschaften für einen Gemeindewald. Doch in Bad Überkingen schaut man nicht neidisch auf die Nachbarn auf der Albhochfläche, deren Wälder als Sparbüchsle gelten.  In Bad Überkingen ist man sich der Bedeutung des Waldes für das Landschaftsbild und für den Tourismus bewusst. Das hat auch die Vorstellung und Diskussion über den zehnjährigen Forsteinrichtungsplan in der Ratssitzung am Donnerstagabend gezeigt. „Die Gemeinde ist sich der hohen Multifunktionalität ihrer Waldflächen bewusst“, sagte Noemi Jost, die den Plan ausgearbeitet und zusammen mit Revierförster Gebhard Schürle und dem stellvertretenden Forstamtsleiter Herbert Aichholz dem Gremium vorgestellt hat.

 Zunächst blickte die Försterin auf die vergangenen neun Jahre (das Betriebsjahr 2018 ist ja noch im Gange) zurück. Seit 2009 sind insgesamt 4247 Festmeter Holz eingeschlagen worden, was der Gemeinde jährlich im Schnitt einen Gewinn über 7665 Euro einbrachte. Die führende Baumart im 210 Hektar großen Gemeindewald ist mit 58 Prozent die Buche. Der Nadelholzanteil ist in den vergangenen Jahren von 20 auf 15 Prozent gesunken.  Dies ist vor allem auf die „labilen Fichtenbestände“ zurückzuführen, die auf nicht geeigneten Standorten stehen. Sturm­ereignisse und Käferbefall tun ihr Übriges. Auch in den kommenden zehn Jahren sollen die Fichten weiter reduziert werden. Die Fichten sollen durch „angepasste Arten“ wie die Douglasie ersetzt werden.

11 360 Jungbäume bis 2029

 Bis zum Jahr 2029 ist ein Einschlag von 6700 Festmeter vorgesehen. Insgesamt gibt es einen „Holzvorrat“ von 55 179 Festmeter im Wald. Und der wird nicht angetastet: Die Steigerung des Hiebsatzes wird allein durch den Zuwachs der Bäume mehr als ausgeglichen. „Im Bad Überkinger Wald wachsen pro Tag drei Festmeter Holz hinzu“, erklärte Noemi Jost. Der höhere Einschlag soll auch höhere Gewinne erbringen, so dass die angepeilte „schwarze Null“ nicht gefährdet ist.

 Laut dem Forsteinrichtungsplan sollen in den kommenden zehn Jahren 11 360 Jungbäume mit Verbissschutz gepflanzt werden. Weiterhin sollen die Heideflächen und Waldbiotope gepflegt und das 2016 eingeführte Alt- und Totholzkonzept auf einer Fläche von 12,5 Hektar umgesetzt werden. Das geplante, aber nie verwirklichte Wegebauprojekt „Autalweg-Kempthalde“ wird erneut in den Plan aufgenommen.

 Im Bad Überkinger Gemeinderat gab es Lob für den zehnjährigen Forstplan. Reinhard Straub wollte allerdings die Fichten nicht zu stark aus dem Wald verdrängen. Es gebe durch das Hangwasser durchaus geeignete Standorte für den Nadelbaum. Das bestätigten auch die Forstexperten.  An den wasserreicheren Plätzen soll die Fichte auch stehen bleiben. In den nächsten Jahren gehe es darum, die anfällige Fichte dort zu fällen, wo sie keine Chance habe.

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