"Die Kollegen sind richtig stinkig", so beschreibt Gerd Koppenhöfer, Landesfachbereichsleiter der Gewerkschaft Verdi die Stimmung unter den Postlern. Zumindest unter jenen Brief- und Paketzustellern, die sich am Mittwoch in der Werfthalle im Göppinger Stauferpark versammelt hatten. Sie waren dem Aufruf der Gewerkschaft zum Warnstreik gefolgt.

Mit den vorübergehenden Arbeitsniederlegungen will die Gewerkschaft ihre Forderung nach einer Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich untermauern. Damit sollen die Beschäftigten dafür entschädigt werden, dass die Post mit der Gründung von regionalen Gesellschaften in der Paketzustellung nach Ansicht der Gewerkschaft vertragliche Vereinbarungen gebrochen hat. Laut Tarifvertrag dürfe die Post maximal 990 Zustellbezirke - weniger als zehn Prozent - an konzerninterne oder externe Unternehmen vergeben. In Wirklichkeit seien weitaus mehr Zustellbezirke ausgelagert.

"Die Postler haben bereits 2011 ihren Beitrag zum Erhalt der Arbeitsplätze beigetragen und teuer bezahlt. Mit der Auslagerung und dem Vertragsbruch der Post gibt es dafür keine Gegenleistung mehr", sagte der Landesfachbereichsleiter von Verdi, Arnold Püschel, der in der Werfthalle die Postler auf eine lange Tarif-Auseinandersetzung einstimmte. "Wir werden um Vertragstreue und für gute Tarifverträge kämpfen."

Mit Bussen und Autos waren rund 500 Postler aus dem gesamten Postleitzahlgebiet 73 nach Göppingen gekommen. Eine Zahl, die sich nach Einschätzung von Gerd Koppenhöfer sehen lassen kann. Landesweit seien etwa zwei Drittel der Zusteller im Ausstand gewesen. Die Postler seien streikbereit, meinte der Gewerkschaftsfunktionär. Für Empörung habe gesorgt, dass die Post auch Beamte auf bestreikten Posten eingesetzt habe. "Damit begeht der Arbeitgeber nicht nur Tarif-, sondern auch Gesetzesbruch", erklärte Koppenhöfer. Beamte dürften nicht als Streikbrecher eingesetzt werden.

Für Empörung habe bei der gestrigen Versammlung auch gesorgt, dass die Post gegenüber Streikwilligen massivste Drohungen ausgesprochen habe. Unter anderem sei angedroht worden, streikwilligen Zustellern ihre Stammbezirke zu entziehen.

Bundesweit waren nach Angaben von Verdi 1000 Post-Mitarbeiter im Ausstand, das Unternehmen spricht von 7500 Streikenden. Heute sollen die Zusteller im Landkreis Göppingen laut Gerd Koppenhöfer wieder arbeiten.

Post bleibt liegen

Warnstreik 500 Brief- und Paketzusteller waren gestern im gesamten Postleitzahlbereich 73, zu dem auch der Landkreis Göppingen gehört, im Ausstand. Sie trafen sich zu einer Streikversammlung in der Werfthalle im Stauferpark. Vielerorts wurde keine Post ausgetragen.

Normalbetrieb Ab Donnerstag sollen die Zusteller wieder an die Arbeit gehen.

SWP