Porträt Porträt: Thomas Gindeles Ensemble Vocal 16

Geistliche Literatur von der Gregorianik bis zur Moderne singt das „Vocal 16 Ensemble“ unter der Leitung von Thomas Gindele (4. v.r.). Am 9. Dezember präsentiert der Chor ein Weihnachtsprogramm für die „Guten Taten“.
Geistliche Literatur von der Gregorianik bis zur Moderne singt das „Vocal 16 Ensemble“ unter der Leitung von Thomas Gindele (4. v.r.). Am 9. Dezember präsentiert der Chor ein Weihnachtsprogramm für die „Guten Taten“. © Foto: Chor
Göppingen / Inge Czemmel 02.11.2018

Bei dem Weihnachtskonzert für die NWZ-Aktion „Gute Taten“ am Sonntag, 9. Dezember, tritt der Chor Vocal 16 gemeinsam mit Opera Brass, dem Bläser-Quintett der bayrischen Staatsoper, auf. Unter dem Motto „Christmas Way“ können die Besucher Musik entlang der Weihnachtsgeschichte genießen. „Das Konzert wird stilistisch vielfältig“, verrät Chorleiter und Dirigent Thomas Gindele jetzt schon mal. „Es beginnt beim Barock und geht bis zu einer jazzigen Interpretation von „Leise rieselt der Schnee.“

Der Name des aus einem Projekt entstandenen „Vocal 16 Ensemble“ kommt nicht von ungefähr. Der Verein gründete sich im November 2016, und es waren genau 16 Sängerinnen und Sänger. Sie hatten zusammengefunden, um anlässlich des fünfjährigen Orgeljubiläums im Juli 2016 den Festgottesdienst in der Liebfrauenkirche zu gestalten.

Nach einer Anschlusseinladung nach Tübingen, in Gindeles Wirkungsstätte, kam aus den Reihen des Chores der Wunsch nach Fortsetzung der Zusammenarbeit. „Viele, der Dirigent eingeschlossen, fanden es schade, den Chor wieder aufzulösen“, berichtet der zweite Vorsitzende Martin Stutz. „Viel Über­zeugungs­arbeit brauchte es nicht“, schmunzelt Thomas Gindele, dem die Arbeit mit dem „Vocal 16 Ensemble“ ­große Freude macht. „Projektchöre befriedigen mich musikalisch nicht so wie ein festes Ensemble“, erklärt er und begründet. „Man kann einen Chor klanglich nur formen, wenn man regelmäßig zusammen arbeitet. Es war auch schon immer ein Traum von mir, mehr ins Detail gehen zu können und zum Beispiel die Vokalfarben eines Chores einheitlich zu gestalten und damit ein homogenes Klangbild zu erhalten. Das ist natürlich nur mit einem kleinen Ensemble möglich.“

Das „Vocal 16 Ensemble“ hatte zu Beginn 16 Mitglieder und jede Stimme war vierfach besetzt. Ein Tenor ist inzwischen abhanden gekommen, doch das Ensemble hofft, dass sich wieder einer findet, der die Sangestruppe komplettiert. „Eine gewisse Fähigkeit, sich Töne leicht merken zu können, ist Voraussetzung“, macht Gindele deutlich, und Martin Stutz fügt hinzu: „Probendisziplin ist bei einem so kleinen Ensemble natürlich auch wichtig. Wir singen viel a cappella, und es ist jede Einzelstimme zu hören.“ Das Ensemble konzentriert sich einzig und allein auf Töne und Stimmen. „Keine Choreografie, kein Schnippen, kein Wippen“, erklärt Gindele. „Klassische Musik hat so komplexe Strukturen, dass das nicht funktionieren würde.“

Der Chor widmet sich vornehmlich geistlicher Literatur und studiert jährlich zwei neue Konzertprogramme ein. Die stilistische Spannbreite reicht dabei von der Gregorianik bis zur Moderne. A-cappella-Chorwerke sind ebenso im Repertoire vertreten wie Chorsätze mit Begleitung. Als Ergänzung zu den Chorproben üben die Chormitglieder zu Hause mit einem speziellen Lernprogramm. „Bei dem Notensatzprogramm können die anderen Stimmen nach Bedarf ein und ausgeblendet werden“, erklärt Gindele. „Das Instrument ist frei wählbar und der Loop kann in verschiedenen Geschwindigkeiten abgespielt werden. Dieses Programm ist eine gute Sache mit doppeltem Effekt. Wenn ich es eingetippt habe, hab ich die Partitur auch im Kopf. Gut ist auch, dass es neutral und interpretationsfrei klingt. Für Konzerte mit hohem Niveau ist es sehr hilfreich, da jeder seine Defizite nacharbeiten kann.“

Auch das Probenwochenende im Kloster Reute bei Bad Waldsee ist ein wichtiges Instrumentarium. „Es gibt wertvolle Impulse, weil man am Ball bleiben kann“, sagt Gindele, der weiß, wie lange an einer Stelle gefeilt werden kann, ohne dem Chor die Lust zu nehmen. Der Kontakt zum „Opera-Brass-Quintett“, mit dem Ensemble Vocal 16 das Weihnachtskonzert für die „Guten Taten“ gestaltet, kam über freundschaftliche Kontakte des Chorleiters zustande. Anvisiert ist eine gemeinsame Probe am Samstag vor dem Konzert. „Das wird reichen“, ist Gindele überzeugt.

Info Der Chor probt montags von 19.45 bis 21.45 Uhr im Musiksaal der Göppinger Uhland-Realschule.

Zu Chorleiter Thomas Gindele

Ganz früh kam Thomas Gindele als Mitglied eines Knabenchores mit Kirchenmusik in Berührung. Später studierte er an der Bischöflichen Hochschule für Kirchenmusik der Diözese Rottenburg/Stuttgart und schloss in Winterthur ein Orgelstudium ab. Über 26 Jahre war er Kirchenmusiker der Gemeinden St. Maria und Christkönig in Göppingen sowie Dekanatskirchenmusiker. In dieser Zeit gründete er verschiedene Chorgruppen und initiierte die Konzertreihe „Göppinger Orgelwoche“. 2008 wurde er zum Kirchenmusikdirektor ernannt. Seit 2015 wirkt er als Musikdozent am Theologenkonvikt Wilhelmsstift in Tübingen. Weitere Tätigkeiten übt er als Stimmbildner, Sänger und Dozent für Chorleitung und Orgel bei überregionalen Fortbildungen aus.

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