Einst verdiente die Plawa-Feinwerktechnik in Uhingen mit der Herstellung und dem Vertrieb von Diarahmen und Filmspulen ihr Geld. Später dann schwamm der Familienbetrieb mit dem Vertrieb von Digitalkameras auf der Erfolgswelle, bevor sich die Geschäftsführung entschloss, im Jahr 2012 ihr Glück hauptsächlich mit der Produktion und dem Verkauf von Küchenmaschinen zu versuchen. "Unterwegs zum Vertrieb ist der Firma irgendwie die Luft ausgegangen", sagte am Montag Jochen Sedlitz, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde. Die Plawa-Feinwerktechnik ist zahlungsunfähig, die Geschäftsführung und die rund zehn Mitarbeiter hoffen nun, dass es dennoch weitergeht.

Rechtsanwalt Sedlitz ist optimistisch, dass in Uhingen nicht vollständig die Lichter ausgehen. Das heutige Hauptprodukt der Plawa, also der Küchenhelfer, sei sehr gut. Nach Ansicht des Filderstädter Juristen sei die aktuelle Schieflage eher auf "Altlasten" zurückzuführen. Sedlitz hofft daher, dass ein Investor in das Unternehmen einsteigt oder das Produkt verkauft werden kann. "Es gibt bereits einige Anfragen von Weltkonzernen. So schlecht sieht es also nicht aus."

Die Plawa-Feinwerktechnik GmbH & Co. KG produziert seit 1969 Konsumgüter und exportiert sie weltweit an Groß- und Einzelhändler. Der Gründer des Betriebs, Rudi Mergenthaler, fertigte und verkaufte anfangs Diarahmen und Super-8-Filmspulen aus Plastik. In den 90er Jahren wurde mit dem Verkauf von CD-Archivierungssystemen die Angebotspalette um die Sparte Computerzubehör erweitert. Im Jahr 2000 stieg die Plawa groß in den Vertrieb von digitalen Fotoapparaten ein. Der Betrieb ergatterte die hart umkämpfte Lizenz für die Herstellung und den Vertrieb von Digitalkameras der Marke Agfaphoto in Europa und verkaufte die Kameras rund um den Globus. Produziert wurde und wird in Uhingen jedoch nicht: Das Filstal ist lediglich die Ideenschmiede, produziert wird hauptsächlich in China.

Eine neue vielversprechende Kooperation folgte: Über eine Partnerlizenz mit dem Hersteller von Polaroid-Digitalkameras erhielt die Plawa exklusiv die Vertriebsrechte für den deutschsprachigen Raum sowie weitere europäische Länder - und prominente Unterstützung: US-Sängerin Lady Gaga, die im Showbusiness für ihre außergewöhnlichen Kostüme, lasziven Posen und jede Menge Hits bekannt ist, wurde "Creative Director" für Polaroid und entwirft eine eigene Produktlinie für die Foto-Marke.

Bis heute hat die Plawa-Feinwerktechnik Produkten für den Fotomarkt nicht gänzlich den Rücken gekehrt. Das Unternehmen sei nach wie vor Lizenznehmer der Agfaphoto-Kameras und vertreibt Polaroid-Apparate, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Jochen Sedlitz. "Doch das ist nicht mehr wie früher", die Kameras spielten beim Umsatz eine untergeordnete Rolle. Mit dem Einstieg in die Herstellung und den internationalen Vertrieb von Küchenmaschinen wollte sich die Plawa zusätzliche Marktchancen eröffnen. "Wenn man das richtig macht, wird es auch funktionieren", ist Sedlitz überzeugt.