Aufgeregt, in fast kindlicher Freude springt Willy de Wit agil über morsche Stämme, passiert im Slalom Bäume, bis er am Ziel ist: Ein abgebrochener, am Boden liegender Holunderast auf dem vereinzelt braune Flecken auszumachen sind. „Da ist er: Der Mu-Err-Pilz, auch Judasohr genannt“, verkündet Willy de Wit aus Wäschenbeuren. Der aus der asiatischen Küche bekannte Pilz wächst auch hier zu Lande, was nur wenige wissen. Die Saison beginnt bereits von Oktober bis November. Aber bis in den späten März hinein können die Pilze gesammelt werden. Während er eilig, fast hektisch durch das Unterholz des Lindacher Waldes, oberhalb der Firma Bosch, früher ZF, marschiert, erzählt der 62-Jährige, wieso er gerne Winterpilz-Führungen anbietet: „Vielen ist das Judasohr und Wilterpilze im Allgemeinen kein Begriff, dabei sind zum Beispiel Morcheln eine der besten Pilzssorten... .“

Jäh bricht der Pilzsachverständiger, der auch Mitglied im DGfM, der deutschen Gesellschaft für Mykologie ist, ab. „Oh, jetzt haben wir einen“, freut er sich über einen besonders prächtigen Fund in einer Kerbe eines abgebrochenen Holunderastes. Man müsse sich vor allem an das Holz des schwarzen Holunders halten, wenn es am Boden liegt, finden Mu-Err-Pilze dort häufig ideale Bedingungen vor: kühl, nass und eine hohe Luftfeuchtigkeit. der Mu-Err-Pilz wird im asiatischen Raum schon seit 1500 Jahren als Speise-und Kulturpilz angebaut. Er gilt als wahrer Jungbrunnen und soll physische und psychische Kräfte stärken, gegen Bauchschmerzen, Blutungen und Hämorriden helfen. Außerdem schmeckt er hervorragend, wie de Wit anmerkt.

Als Pilz-Sachverständiger, der sich seit seinem 14. Lebensjahr mit der Pilz-Kunde beschäftigt, kennt Willy de Wit die guten Plätze für die Pilzsuche und läuft zielstrebig zu den richtigen Stellen. Neben dem, wie er selbst sagt, sehr ergiebigen Platz im Lindacher Wald, sei er auch schon bei Wäschenbeuren entlang der alten Bahntrasse fündig geworden. Auch der Welzheimer Wald eigne sich für eine Suche am Wochenende. Zudem könne man sich an Wegrändern oder sauren Fichte-Wäldern orientieren – und selbst im heimischen fündig werden, wenn dort die Bedingungen stimmen. Wichtig sei vor allem eine hohe Feuchtigkeit. Sein Tipp: „Jetzt schnell loslaufen um die letzten Exemplare zu finden.“ Die Suche habe natürlich immer etwas von einer Schatzsuche. Man könne nicht erwarten, dass man plötzlich vor einem Meer aus Pilzen stehe. In der Luft liegt der Duft von Moos, morschem Holz und regennassem Laub. Während seine Worte durch den Sing-Sang von Kleiber und Spechtmeise begleitet werden wird Willy de Wit fast schon philosophisch: „Hier in der Natur hat man jeden Tag, jede Saison etwas Neues. Pflanzen, Gerüche, eine unentdeckte Baumhöhle. Die Faszination ist hier ständig gegenwärtig.“ De Wit arbeitet 40 Jahre in der ehemaligen ZF Lenksysteme im Schwäbisch Gmünder Schießtal. Nun arbeitet er nur noch in Teilzeit und widmet sich in seiner Freizeit mit Vorliebe der Natur. Mindestens fünf Mal die Woche gehe er auf Pilzsuche durch den Wald.

Für alle, die in den kommenden Tagen nicht mehr fündig werden hat de Wit einen Trost: In knapp einem Monat beginnt schon die Morchelsaison.

Info Willy de Wit ist Mitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie sowie bei der Pilzschule Schwäbischer Wald und gibt auch Pilzführungen. Interessierte können sich bei ihm per Mail an  grittchen@t-online.de informieren.