Kreis Göppingen Pflichtunterricht ist gefährdet

Drohen leere Klassenzimmer? Der Lehrermangel hat im Vergleich zum Vorjahr noch größere Ausmaße angenommen, der Unterricht in Pflichtfächern ist im Kreis nicht gesichert.
Drohen leere Klassenzimmer? Der Lehrermangel hat im Vergleich zum Vorjahr noch größere Ausmaße angenommen, der Unterricht in Pflichtfächern ist im Kreis nicht gesichert. © Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Kreis Göppingen / Dirk Hülser 07.09.2018
Das Schulamt Göppingen hat zum Schuljahresbeginn noch nicht genügend neue Lehrer gefunden. Auch die Inklusion leidet unter Personalmangel.

Vor einem Jahr war die Lage angespannt: Damals hatte der Leiter des Staatlichen  Schulamts  Göppingen, Jörg Hofrichter,  vor Schuljahresbeginn gesagt, der Pflichtbereich weise „eine ordentliche Versorgung“ auf. Unterrichtsausfälle werde es im Landkreis Göppingen – zumindest vorerst – nicht geben. Hofrichters Behörde ist für Grund-, Haupt-/Werkreal-, Gemeinschafts-, Real- und Sonderschulen  zuständig. Und an diesen Schularten könnte es, wenn am Montag der Unterricht nach den Sommerferien wieder beginnt, eine wesentlich ernstere Lage geben als vor einem Jahr. „Der unterrichtliche Pflichtbereich“ sei „zum jetzigen Zeitpunkt nicht überall sicher abgedeckt“, schreibt das Schulamt in einer Pressemitteilung.

Gestern nahm auch die Kultusministerin des Landes, Susanne Eisenmann, Stellung zu den Problemen bei der Lehrerversorgung. Sie räumte ein, dass noch rund 700 Lehrerstellen in Baden-Württemberg unbesetzt seien. Lediglich für die Gymnasien gebe es genügend Lehrkräfte. Besonders gravierend sei der Lehrermangel im ländlichen Raum. Viele Lehrer gehen in Pension, der Nachwuchs möchte aber oft nicht aufs Land ziehen.

Das Schulamt Göppingen hat vor dem neuen Schuljahr nach eigenen Angaben bislang 172 neue Lehrkräfte eingestellt – in den drei Landkreisen, für die das Amt zuständig ist: Göppingen, Ostalb und Heidenheim. Davon entfallen 72 auf den Kreis Göppingen. Für die Behörde stelle „besonders die Unterrichtsversorgung der vielen kleinen und sehr kleinen Grundschulen eine große Herausforderung dar“, heißt es in der Pressemitteilung.

Unter dem Personalmangel leidet auch die Inklusion, schreibt das Schulamt. Die inklusiven Bildungsangebote für den gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder sollen jedoch auch im jetzt beginnenden Schuljahr „so weit möglich“ fortgeführt werden. Rückschritte gibt es auch beim Thema Integration: „Für Kinder ohne Deutschkenntnisse stehen insgesamt 85 Vorbereitungsklassen zur Verfügung, 23 weniger als im Vorjahr“, gibt das Schulamt bekannt.

„Die bildungspolitischen Innovationsprozesse der vergangenen Jahre stellen Schulverwaltung, Schulleitungen und vor allem die Lehrkräfte vor große Herausforderungen. Außerdem bringen sie enorme Personalmehrbedarfe mit sich“, wird Schulamtsleiter Hofrichter in der Pressemitteilung zitiert. Weiter führt er aus: „Zwar sind durch die Schaffung neuer Planstellen so viele Lehrerstellen im System wie nie zuvor, so dass Baden-Württemberg über eine der besten Lehrer-Schüler-Relationen im Bundesgebiet verfügt“ –  allerdings  halte der Bewerbermarkt nicht die erforderliche Anzahl an „einstellungsbereiten Lehrkräften“ bereit. Daher bestehe die Herausforderung für das Amt auch noch am Schuljahresbeginn darin, die Unterrichtsversorgung in den Mangelbereichen und an den Schulen mit besonderem Bedarf sicherzustellen.

Weniger Anmeldungen bei Werkrealschulen

Erstklässler  2124 Abc-Schützen im Landkreis vermeldet das Schulamt Göppingen für das am Montag beginnende Schuljahr. Das sind 39 mehr als vor einem Jahr. 

Fünftklässler Nur noch 123 Anmeldungen gibt es bei den Werkreal- und Hauptschulen. Das sind 17 weniger als 2017, ein Minus von 12 Prozent. Weniger Rückgang gibt es bei den Realschulen, von 864 im vergangenen Jahr auf nun 798. Eine leichte Steigerung gab’s bei den Gemeinschaftsschulen, von 363 auf 367 Fünftklässler.

Gymnasien Rund 800 oder etwa 40 Prozent aller Schüler, die im Kreis Göppingen auf eine weiterführende Schule wechseln, gehen aufs Gymnasium, das war auch 2017 so.

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