Es war ein wunderschöner Tag im September: Monika Langley sattelte wie gewohnt in einer Unterböhringer Pferdepension die Araberstute „Halawa“ und machte sich mit ihr auf eine Dorfrunde. In der Verlängerung der Reichenbacher Straße ritt die Geislingerin am Zwerchbach entlang. Plötzlich rutschte das Pferd auf einem Rasenschnitt aus, verlor die Haftung unter den Hufen und rutschte samt Reiterin rücklings in den zwei Meter tiefen Graben des Bachs. „Halawa verkeilte sich mit den Hufen an den Felsen und ich konnte sie nicht mehr zum Aufstehen bewegen“, schildert die 43-Jährige die Szenerie. In Panik kletterte die Frau den Hang hinauf und klopfte an die Terrassentür des angrenzenden Hauses. Von dort aus alarmierte sie die Feuerwehr – und setzte damit eine Rettungsaktion in Gang, für die sie jetzt bezahlen muss.

Kurz nach dem Notruf konnte sich die trächtige Stute von selber aus ihrer misslichen Lage befreien. Monika Langley rief nochmals bei der Leitstelle an, um den Einsatz abzubrechen. Zu spät: Die Feuerwehren aus Bad Überkingen und Geislingen waren schon im Anmarsch. Als sie am Zwerchbach ankamen, schickte Bad Überkingens Kommandant Michael Baumeister die Hausener Abteilung sowie die Geislinger Wehr mit ihrem Rüstwagen gleich wieder nach Hause. Mit dem Rest der Mannschaft blieb er vor Ort – „auch weil das Pferd an mehreren Stellen blutete und teilweise hinkte“, beschreibt Baumeister die Situation. Von der Leitstelle erhielt er dann einen Funkspruch, dass ein Tierarzt unterwegs sei. Während die Beteiligten warteten, bot der Einsatzleiter der durch und durch nassen Reiterin eine Decke und einen Sitzplatz im warmen Feuerwehrauto an. Beides schlug Monika Langley aus, sie blieb lieber bei dem Pferd. Erst nachdem die alarmierte Tierärztin die Stute in Augenschein genommen hatte und auch die Besitzerin des Pferdes (ebenfalls Tierärztin) eingetroffen war, ist der Einsatz nach zwei Stunden beendet worden.

Für Monika Langley war die Sache damit erledigt. Doch fünf Wochen später dann der Schock: 1152 Euro berechnete ihr die Bad Überkinger Verwaltung an Personal-, Ausrück- und Betriebskosten für den Hilfseinsatz.

Da weder ihre private Unfallversicherung noch die Tierhalter-Versicherung der Pferdebesitzerin einsprangen, blieb die Geislingerin auf den Kosten sitzen. „Das ist viel Geld für mich. Ich kann mir das Reiten nur leisten, weil ich die Stallungen ausmiste“, sagt Monika Langley. Sie erhob Einspruch gegen die Rechnung. „Ich habe keinen Großeinsatz verlangt und stelle mir die Frage, warum schaut man nicht erst und holt Verstärkung, wenn der Einsatztrupp nicht weiterkommt“, schrieb sie an den Bad Überkinger Hauptamtsleiter. Weiter wollte sie wissen, woher die vielen Einsatzstunden kommen und wer die Geislinger Wehr und den Tierarzt angefordert hat – „ich habe keinen verlangt.“

Für Bad Überkingens Feuerwehrkommandant Baumeister ist die Sachlage klar. „Wir wurden von der integrierten Leitstelle Göppingen, wohl nicht ohne Grund, mit dem Stichwort H2 alarmiert.“ H2 bedeutet Hilfeleistung 2 und ist laut Baumeister vergleichbar mit einem Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person. Dass von der Leitstelle auch die Geislinger Wehr mit ihrem Rüstwagen als „Überlandhilfe“ alarmiert wurde, kann Baumeister nachvollziehen. Um ein eingeklemmtes Pferd zu befreien, brauche man die spezielle Ausrüstung der Geislinger Kollegen. So sieht es auch Kreisbrandmeister Dr. Michael Reick: Der Disponent in der Leitstelle habe aufgrund des Anrufs der Frau die Lage als kritisch eingestuft und dementsprechend gehandelt. Da die Bad Überkinger Wehr keine Gerätschaft besitzt, um ein 500 Kilogramm schweres Pferd zu bergen, musste zusätzlich ein Rüstwagen angefordert werden. „Es bringt ja nichts, erst mit drei Mann zu schauen, was dort genau los ist“, sagt Reick. Bei einer Notlage würde dann wertvolle Zeit verstreichen, bis geeignete Einsatzkräfte und Fahrzeuge nachalarmiert werden.

Warum muss sie den Einsatz überhaupt zahlen? Diese Frage stellt sich Monika Langley. Schließlich habe doch ein Notfall vorgelegen. Wie Bad Überkingens Bürgermeister Matthias Heim erklärt, sei eine Tierrettung nicht generell kostenfrei. Nur wenn für das Tier eine lebensbedrohliche Situation bestehe, müsse der Steuerzahler für den Einsatz aufkommen. Dies sei in Unterböhringen nicht der Fall gewesen – das Pferd habe sich schließlich selbst befreien können.

Heim bemängelt, dass die Rechnungen für Hilfsleistungen der Feuerwehr immer öfters infrage gestellt würden. „Die Feuerwehrleute opfern ihre Freizeit, müssen bei einem Einsatz von der Arbeitsstelle weg und bekommen kaum einen finanziellen Ausgleich hierfür. Es ist schade, wenn die Bürger diese Leistung nicht zu schätzen wissen.“ Kreisbrandmeister Reick will kein Urteil in der Kostenfrage abgeben – dafür sei er zu wenig im Thema drin. Grundsätzlich gebe es aber immer einen gewissen Ermessensspielraum seitens der Gemeinde.

Reiterin stottert Rechnung in Monatsraten ab

Rechnung Auf 1152,53 Euro beläuft sich der Gesamtbetrag für die erbrachte Hilfeleistung der Feuerwehren bei ihrem Einsatz am Zwerchbach in Unterböhringen. Der Kostenanteil für die Bad Überkinger Feuerwehr beträgt 482,53 Euro – davon entfallen aufs Personal 296 Euro (37 Stunden zu je acht Euro). Für das Ausrücken der drei Fahrzeuge wurden 53 Euro und an Betriebskosten weiter 101,40 Euro in Rechnung gestellt. Die Kosten pro Fahrtkilometer betragen 32,13 Euro.

Überlandhilfe 670 Euro hat die Stadt Geislingen der Nachbargemeinde für die Überlandhilfe ihrer Feuerwehr in Rechnung gestellt. Davon entfallen auf die Einsatzstunden für Feuerwehrangehörige 370 Euro (14 Stunden a 20 Euro und neun Stunden a zehn Euro). Die Kosten für die eingesetzten Fahrzeuge, darunter den Rüstwagen, betragen 300 Euro.

Vorschlag Die Gemeinde Bad Überkingen hat der Reiterin angeboten, die Feuerwehrrechnung in acht Monatsraten zu begleichen. Seit Januar stottert Monika Langley den Betrag nun ab.