Es ist ein mutiger Schritt, den Pfarrerin Gabriele Renz am Montag in Böhmenkirch ging. Sie bezog offen Stellung gegen einen momentanen Trend: die Patientenverfügung. Mit zwei Vorträgen unter dem Titel "Um Himmels Willen: keine Patientenverfügung" zeigte sie die aus ihrer Sicht theologische Seite dieses Themas auf - und brachte damit am Nachmittag zwei, am Montagabend elf Besucher zum Nachdenken. "Ich will Mut machen, die medizinischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Es geht um Menschenwürde. Im Leben und im Sterben", erklärte sie.

Gott sei der Herr über Leben und Tod, betonte die Pfarrerin. Töten - auch aus Mitleid - sei gottlos und menschenverachtend und lasse sich mit Jesu Tat am Kreuz nicht vereinbaren. Dabei führte die Seelsorgerin im Lauf einer Stunde aus, dass "lebensverlängernde Maßnahmen" ein problematischer Begriff sei: "Wir können das Leben nicht verlängern. Wenn Gott will, sterben Menschen - trotz Medizin!" Schwierig sei auch der Begriff "Sterbephase". "Wann beginnt die denn?", fragte sie, "eine entsprechende Behauptung, der Patient sei in der Sterbephase, ist immer mit Vorsicht zu genießen."

Falls medizinische Hilfe möglich sei, sei sie aus theologischer Sicht auch eine Verpflichtung. Und in einer Patientenverfügung von jemandem zu verlangen, Ernährung im Fall eines Wachkomas einzustellen oder Maschinen abzuschalten, sei absolut zu viel verlangt, findet Gabriele Renz. "Diese Grenze - du sollst nicht töten - ist wichtig." Als guten Schritt bezeichnete sie die Betreuungsvollmacht, um im Falle eigener Entscheidungsmachtlosigkeit jemanden bestimmt zu haben, der dann die Verantwortung übernimmt. "Wir haben kein Wegwerfleben", sagte sie und erläuterte, dass der Mensch in jedem Stadium seines Lebens, ob pflegebedürftig oder Olympiasieger, für Gott wertvoll sei. "Der Sinn unseres Lebens ist: für Gott da zu sein", appellierte die Theologin.

Wichtig jedoch sei Fürsorge und Solidarität und dass alle medizinischen Möglichkeiten gegen Schmerzen oder Atemnot, gegen Hunger, Durst, Übelkeit oder auch Juckreiz ausgeschöpft würden. "Bei guter Betreuung findet fast jeder sein Leben lebenswert", sagte die Pfarrerin. Allerdings müssten sich wegen der Paradigmenwechsel in den Krankenhäusern - "es gibt keine Rundumversorgung mehr" - die Angehörigen häufig selber darum kümmern. "Wir müssen als Gesellschaft dafür kämpfen, dass Pflege verbessert wird. Wir dürfen Familien oder Einzelne damit nicht alleine lassen", appellierte sie.

Am Ende ihrer Ausführungen und nach vielen Fragen und einigen Widersprüchen entgegnete sie auf einen Einwurf, dass die Realität eben nicht das notwendige Niveau für umfassende Pflege biete: "Nur weil die Gesellschaft uns nicht versorgen kann, sollen wir uns selbst entsorgen?" Ob Gabriele Renz mit ihren interessanten Aspekten ihren Zuhörern eine Entscheidung für oder wider Patientenverfügung erleichtert hat, wurde nicht deutlich. Aber auf jeden Fall gab sie den Anwesenden viel Stoff zum Nachdenken mit auf den Weg.