Adelberg Perlendes Wasser auf der Harfe imitiert

Mit ihren Partnern Uriel Stülpnagel, Cello, und Andreas Baumann, Cembalo, bezauberte Harfenistin Emilie Jaulmes die Zuhörer in der Ulrichskapelle.
Mit ihren Partnern Uriel Stülpnagel, Cello, und Andreas Baumann, Cembalo, bezauberte Harfenistin Emilie Jaulmes die Zuhörer in der Ulrichskapelle. © Foto: Staufenpress
ANNEROSE FISCHER-BUCHER 11.05.2016
Barocke, romantische und impressionistische Werke in der Besetzung für Harfe, Cello und Cembalo erklangen beim Muttertagskonzert in Adelberg.

Die Harfe gilt als ein mythisches Instrument - ihre Anfänge reichen bis ins Jahr 3000 vor Christus nach Mesopotamien und ins alte Ägypten zurück. Bis zur heutigen Konzertharfe mit sieben Pedalen und 47 Saiten, mit denen man alle Tonarten spielen kann, hat die Harfe von der Äolsharfe eines König David über die mittelalterlichen Instrumente der Spielleute viele Entwicklungen durchlaufen.

Emilie Jaulmes, Soloharfenistin der Stuttgarter Philharmoniker, spielte beim Muttertagskonzert in der Adelberger Ulrichskapelle eine zeitgenössische Konzertharfe des bedeutenden Instrumentenbauers Lyon & Healy aus Chicago und war ungefragt der Star des Konzerts. Die Deutsch-Französin entlockte mit einer scharfen musikalischen Intelligenz, gepaart mit phänomenaler Technik und, wenn nötig, mit butterweichem Klang, ihrem Instrument ganz besondere Wirkungen, die den jeweiligen Stücken angepasst waren: Glissandi, Flageoletts, gebrochene Akkorde und Harpeggi (die Harfe heißt auf italienisch arpa) sowie rasend schnelle Tonrepetitionen mit beiden Händen, aber auch berührende Kantilenen.

Zusammen mit ihren Partnern Uriel Stülpnagel, Cello, und Andreas Baumann, Cembalo, spielte Jaulmes, die eine gefragte Solistin ist und viele internationale Preise erhalten hat, ein reizvolles und höchst kurzweiliges Programm mit barockem, romantischem und impressionistischem Stil, teils in Originalbesetzung teils selbst bearbeitet oder arrangiert.

Die Ulrichskapelle ist wunderbar für die kammermusikalische Besetzung geeignet, waren doch diese Instrumente ursprünglich nicht für große Konzertsäle gebaut worden. Anfang und Schluss des Konzerts bildeten Klangbäder von Harfe, Cello und Cembalo mit Händels Konzert in B-Dur, op. 4, Nr.6, und Grandjanys "Aria im Alten Stil", in dem das Zusammenspiel der drei Saiteninstrumente verschiedenen Charakters einen überraschend spröden Wohlklang erzeugte. In den Stücken von Händel, Bach und Vivaldi erwies sich Uriel Stülpnagel an seinem singenden Cello, einem englischen Nachbau eines italienischen Instruments, als hoch versiert im Spiel eines schlanken Tons in historischer Aufführungspraxis.

Ebenso versiert im Ausdruck einer romantischen Attitüde erwies er sich beim "Schwan" aus dem "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saens, wo er die Linien des ruhig durchs Wasser gleitenden Schwans nachzeichnete, während die Harfe das perlende Wasser mit seinen Erschütterungen imitierte, was sie auch im Stück "Die Quelle" von Zabel tat. Faurés Stück "Nach einem Traum" und Albéniz' "Asturias" aus der Spanischen Suite op. 232 - ein Lieblingsstück von Jaulmes - zeigten zudem die ganze Bandbreite der Harfe.

Als Zugabe spielten die drei Musiker einen eigens arrangierten Tango von Piazzolla, bei dem das Cembalo von Andreas Baumann in ganz ungewohnte Klangwelten aufbrach und das Publikum verzauberte.