Gleich fünf Parteien im Landkreis haben Strafanzeige gegen unbekannt erstattet, weil Wahlplakate mit AfD-Aufklebern beklebt wurden. CDU, SPD, Grüne, Linke und FDP haben gestern dazu teilweise gleichlautende Pressemitteilungen verschickt – auf eine gemeinsame Erklärung hatten sie sich offenbar nicht einigen können. Der AfD-Kreisvorsitzende und Bundestagskandidat Volker Münz will nicht ausschließen, dass Sympathisanten seiner Partei für die Aktion verantwortlich sind, sagt aber auch: „Wir haben hier im Kreisverband keine Aufkleber bestellt.“

In einer bislang einzigartigen konzertierten Aktion haben die fünf Parteien fast zeitgleich eine mehr oder weniger gleichlautende Erklärung veröffentlicht, die Linke hat lediglich einen deutlich schärferen Ton gewählt. Das Original der Erklärung kam von der SPD und ging an Funktionäre und Mandatsträger von CDU, Grünen, Linken und FDP.

Nach Aussagen mehrerer Politiker der anderen Parteien war die CDU-Kreisvorsitzende Nicole Razavi nicht bereit, eine gemeinsame Erklärung mit den Linken zu publizieren, deshalb gab es schließlich die einzelnen Mails an die Medien.

„Die Grenze eines fairen Wahlkampfs“ sei überschritten worden, kritisieren die Politiker die Aufkleber-Aktion. Da so viele Plakate und Parteien betroffen seien, könne auch nicht mehr von Einzelfällen gesprochen werden. In den Erklärungen wird darauf hingewiesen, dass es sich um Aufkleber aus dem „offiziellen Fanshop“ der AfD handele. Besonders häufig seien Plakate im Raum Bad Boll überklebt worden.

AfD-Politiker Münz schließt zwar ein Aktion von Sympathisanten nicht aus, es könnte aber auch jemand gewesen sein, „der uns schaden will“. Außerdem seien nicht nur die anderen Parteien betroffen: „Unsere Plakate werden auch zerstört und weggehängt.“

Unterdessen drohen AfD-Anhänger Kanzlerin Angela Merkel unverhohlen. Sie kommt am Freitag nach Ulm. Auf der Facebook-Seite des zweiten AfD-Kreisvorsitzenden, Sandro Scheer,  wird dazu aufgerufen, nach Ulm zu fahren und Tomaten, Kokosnüsse, verseuchte Eier und Pflastersteine mitzubringen.

Gelöscht hat Scheer die Aufrufe zur Gewalt nicht, er distanziert sich aber: „Das haben wir nicht nötig. Friedlicher Protest geht anders.“