Ausbildung Packmitteltechnologin: Junge Frau packt richtig an

Natalie Vogel an der Klebemaschine, die die fertigen Verpackungen ausspuckt – das können bis zu 80.000 Stück pro Stunde sein.
Natalie Vogel an der Klebemaschine, die die fertigen Verpackungen ausspuckt – das können bis zu 80.000 Stück pro Stunde sein. © Foto: Heike Siegemund
Göppingen / Heike Siegemund 07.08.2018
Natalie Vogel lässt sich in der Göppinger Firma Schiettinger zur Packmitteltechnologin ausbilden. Die 19-Jährige ist gerne kreativ und lebt sich bei der „Bastelarbeit“ aus.

Packmitteltechnologe – unter dieser Berufsbezeichnung können sich viele zunächst wenig vorstellen. Genauso erging es Natalie Vogel aus Kirchheim, als sie während ihrer Schulzeit an der Teck-Realschule zum ersten Mal von diesem Ausbildungsberuf hörte. Natalie Vogel und ihre Mitschüler hatten sich einen Beruf aussuchen und diesen in der Klasse vorstellen sollen. Die heute 19-Jährige entschied sich für den Beruf der Floristin, ein Mitschüler für den des Packmitteltechnologen. Dieser hörte sich für sie schnell spannender an als ihr „eigener“. „Ich fand es sofort interessant, was ein Packmitteltechnologe macht, und habe mich deshalb näher darüber informiert“, erzählt die junge Frau.

Ein Packmitteltechnologe gestaltet und fertigt Packmittel, also Verpackungen, die ein Produkt gut schützen und gleichzeitig für die Ware werben sollen. Die Kirchheimerin war Feuer und Flamme für diesen Beruf, vor allem deshalb, weil man dabei kreativ sein und Ideen einbringen könne. Im Internet recherchierte sie und traf auf die Göppinger Firma „Fr. Schiettinger KG“, die Verkaufsverpackungen aus Voll- und Wellpappe in unterschiedlichen Formen und Größen und mit verschiedenen Funktionen herstellt – zum Beispiel Verpackungen von Teebeuteln, Sektflaschen, Schokolade, Körperpflegeprodukten, Batterien, Schrauben und vielem mehr.

Natalie Vogel bewarb sich, wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und durfte anschließend ein dreitätiges Praktikum absolvieren, bei dem sie Praxisluft schnuppern und herausfinden konnte, ob der Beruf ihren Vorstellungen entspricht – was sogleich der Fall war. Und so begann sie im September 2016 mit ihrer Ausbildung – obwohl Betriebsleiter Torsten Wolf, im Hause Schiettinger zuständig für die gewerbliche Ausbildung, zunächst etwas Bedenken hatte, ob Natalie Vogel tatsächlich die richtige für diesen Beruf ist. Das lag vor allem an ihrer zierlichen Gestalt; schließlich müsse man bei dieser Tätigkeit auch mal ordentlich anpacken können. Doch heute muss Torsten Wolf schmunzelnd eingestehen: „Ich habe Natalie Vogel falsch eingeschätzt“, denn er ist absolut zufrieden mit der Leistung der Kirchheimerin.

In ihrer dreijährigen Ausbildungszeit durchläuft die 19-Jährige drei Abteilungen: die Konstruktionsabteilung sowie die Stanzerei und die Kleberei. „Meistens schicken uns die Kunden ein Produkt zu, das sie verpackt haben wollen, und nennen uns ihre Verpackungswünsche“, erzählt die junge Frau. Ihr gefällt an dem Beruf, „die Bastelarbeit und dass man selbst vieles ausprobieren kann, dass es immer etwas anderes ist und dass man auch Verantwortung hat“. Faszinierend findet sie zum Beispiel eine Verpackung für Teebeutel, die im Hause Schiettinger produziert wurde: eine Klappdeckel-Schachtel, die aufwendig und schön gestaltet sei; aber auch eine Verpackung für Batterien, die dem Unternehmen gleich mehrere Preise einbrachte, hat es ihr angetan: Es handelt sich um eine dreieckige Verpackungsform, die das Logo von Varta aufgreift, erklärt Sarah Bez von der Abteilung Marketing und Werbung. Bei jeder neuen Verpackung, die es zu konstruieren gilt, stehe man vor einer gewissen Herausforderung, ergänzt Torsten Wolf, „denn hier gibt es noch keine Erfahrungswerte“. Welches Format, welche Materialdicke benötigt man für die Verpackung? Welche Werkzeuge sind notwendig, also welche Stanzformen und -platten? Nicht ganz einfach zu bedienen sei die Klebemaschine, betont der Betriebsleiter. Diese spucke pro Stunde bis zu 80.000 Verpackungen aus.

Früher war der Beruf des Packmitteltechnologen eher männerdominiert, erinnert sich Torsten Wolf. Doch mittlerweile holen die Frauen auf: Der Berufsschulklasse von Natalie Vogel – diese besucht sie in Bad Cannstatt – gehören zwölf Mädels und 16 Jungs an. Dass der Beruf auch sehr „maschinenlastig“ ist, wie Torsten Wolf sagt, stört Natalie Vogel überhaupt nicht – im Gegenteil: „Ein Bürojob wäre für mich nie infrage gekommen“, winkt sie ab.

Was ihre beruflichen Ziele anbelangt, möchte Natalie Vogel zunächst ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Dann kann sie sich gut vorstellen, sich weiterzubilden. „Ich könnte zum Beispiel den Meister oder den Techniker machen.“

Familienunternehmen hat Kunden in ganz Europa

Produkt: In zahlreichen Geschäften findet man die Faltschachteln aus dem Hause des Göppinger Familienunternehmens Schiettinger. Kunden aus ganz Europa sind zum Beispiel die Firmen Nivea, Hipp, Dr. Oetker, Schrauben Würth und Meßmer. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Göppingen, das 1885 gegründet wurde, hat zwei weitere Werke in Sachsen und ein Werk in der Oberpfalz. Insgesamt zählt der Betrieb etwa 760 Mitarbeiter.

Ausbildung: Wer sich zum Packmitteltechnologen ausbilden lassen möchte, sollte einen guten Hauptschulabschluss vorweisen können, sagt Betriebsleiter Torsten Wolf. Die Schulnoten in den Fächern Mathe, Physik und Chemie sollten gut sein, ergänzt er. Mitbringen solle man außerdem technisches Verständnis und großes Interesse.

Wandel: Marina Ebner von der Ausbildungsleitung des Unternehmens weiß, dass der Beruf vielen unbekannt ist: „Nur wenige denken daran, dass auch die Verpackungen jemand herstellen muss“. Ganz früher, so erinnert sich Betriebsleiter Torsten Wolf schmunzelnd, hatte ein Packmitteltechnologe im Schwäbischen einen recht einprägsamen Namen: „Damals hieß er einfach ,Schächtelesmacher‘.“ hei

Bei Berufswahl an Alternativen denken

Chancen: Selten hatten junge Menschen so gute Startbedingungen für ihr Berufsleben wie jetzt. Fachkräfte mit einer Ausbildung und aufbauenden Qualifizierungen sind auf dem Arbeitsmarkt extrem gefragt und haben ebenso gute Karrierechancen wie mit einem Studium. Insgesamt gibt es rund 350  Ausbildungsberufe – und in nahezu allen werden Nachwuchskräfte gesucht. Es lohnt sich, neben den „Top 10“ der beliebtesten  Ausbildungsberufe auch die nicht so bekannten anzuschauen und attraktive Alternativen für sich zu entdecken. In unserer Serie stellen wir einige von ihnen vor.

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