Göppingen Ortsumfahrung Jebenhausen: Es tut sich was

Immer viel los in Jebenhausen.
Immer viel los in Jebenhausen. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Arnd Woletz 10.07.2018
Hoffnung für den Bau der Umgehungsstraße Jebenhausen: Das Planungsverfahren geht weiter – allerdings erst in einem Jahr.

Die Nachricht aus Stuttgart klingt  sehr selbstbewusst: „Die Ortsumfahrung Jebenhausen kommt“. So ist die Mitteilung überschrieben, die das Regierungspräsidium gestern Mittag verschickte. Darin wird angekündigt, das Planfeststellungsverfahren  wieder aufzunehmen. Von Mitte 2019 ist die Rede. Bereits im September 2018 sind Abstimmungsgespräche geplant. Was das für eine möglichen raschen Bau des umstrittenen Projekts bedeutet, darüber steht in der Mitteilung nichts. Doch die leidgeprüften Anwohner der von täglich etwa 23 000 Autos und Lastwagen genutzten Landesstraße 1214 brauchen wohl noch Geduld.

Dabei werden sie schon sehr lange auf die Folter gespannt. Denn eine Trasse, die westlich um den Ort herumführt und beim Eichert-Kreisel wieder auf die alte Strecke einmündet, wird seit vielen Jahren diskutiert. Bereits im Oktober 2010 sagte der damalige CDU-Landtagsabgeordnete Dietrich Birk: „Die geplante Umfahrungsstrecke für Jebenhausen könnte im nächsten Jahr gebaut werden. Alle Voraussetzungen sind ab Herbst 2011 erfüllt“.  Doch dazu kam es nicht. Statt dessen geriet das Projekt auf eine Achterbahnfahrt zwischen  Hoffen auf den Bau und Trauer über das Aus (siehe Info). Unter Rot-Grün entwickelte es sich endgültig zum Politikum in der Stadt ebenso wie im Land. Seither fliegen im Göppinger Gemeinderat regelmäßig die Fetzen, wenn es darum geht, wer an der Misere Schuld ist.

Nun aber gibt es neue Hoffnung für den Bau:  Das Planfeststellungsverfahren werde nächstes Jahr weitergehen, kündigte das RP an.  Regierungspräsident Wolfgang Reimer habe  Ende Juni gemeinsam mit dem Abteilungsleiter für Straßenwesen  und Verkehr, Andreas Hollatz, ein Gespräch mit der CDU-Landtagsabgeordneten  Nicole Razavi, dem Göppinger Oberbürgermeister Guido Till und Baubürgermeister Helmut Renftle geführt. Dabei hätten sich die Akteure auf diese Vorgehensweise geeinigt. „Die dazu notwendigen Untersuchungen zum Artenschutz werden derzeit aktualisiert und sind weitgehend abgeschlossen“, heißt es in der Mitteilung. Weil so viel Sand im Getriebe war, mussten Gutachten mehrmals angefertigt werden.  Für das zeitweilige Ruhen des Verfahrens führt das Regierungspräsidium „verschiedene Ursachen“ an. Beim Straßenbau hätten Projekte des Bundes im Vordergrund gestanden. Viele andere Straßenbauvorhaben im Landkreis wie der Albaufstieg der A 8 und die Umfahrung Gingens im Zuge der B 10 hätten „ein hohes Maß an Personal“ gebunden, weshalb die Ortsumfahrung Jebenhausen nachrangig behandelt wurde.   Inzwischen habe sich aber die Personalsituation soweit verbessert, dass  jetzt auch priorisierte Landesstraßenprojekte  wieder fortgeführt werden können, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), der die Wiederaufnahme des Verfahrens begrüßt.

Auch Göppingens OB Guido Till freute sich gestern über die Nachricht. Er habe wiederholt auf die Dringlichkeit der Ortsumfahrung hingewiesen. Till unterstreicht in seiner Stellungnahme auch die Bedeutung eines ungestörten Verkehrsflusses für die Wirtschaft. Damit das Filstal nicht von den Verkehrsadern abgeschnitten  werde, sondern der Verkehr „nachhaltig und verträglich pulsieren“ könne,  brauche es klare Verkehrskonzepte und leistungsfähige Wege.  „Die Ortsumfahrung von Jebenhausen ist deshalb für mich lebenswichtig und unverzichtbar“, sagte Till.

Motor schien schon mehrmals abgewürgt

Hoffnungsschimmer Die Geschichte der Umgehungsstraße reicht lange zurück. Im Juni 2012 keimte Hoffnung. Damals tauchte die Ortsumfahrung auf einer Liste der besonders wichtigen Straßenneubauten auf.

Schock Im Oktober 2014 gingen in Göppingen die Wogen hoch. Das seit vier Jahren laufende Planfeststellungsverfahren für die Ortsumfahrung  schien ins Leere zu laufen. Im Straßenbauprogramm der rot-grünen Landesregierung  war die Ortsumfahrung  nicht mehr vorgesehen. Proteste brandeten auf, es begann ein politisches Hauen und Stechen.

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