Johann Georg Frasch, geboren am 2. Januar 1817 in Heiningen, war als Wunderdoktor, Geisterbanner und Goldmacher bekannt. Aus ganz Württemberg kamen Tausende und suchten seine Hilfe, bis er wegen Betrugs zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Bei ihren Recherchearbeiten für das Heininger Ortsfamilienbuch stießen Hans Müller, Siegfried Wittlinger und Gudrun Klose auf so manch interessante Begebenheit aus der Vergangenheit. Im Sterberegister der Heininger Kirchenbücher von 1736 entdeckten sie zum Beispiel die Geschichte einer jungen Mutter, die 1736 hingerichtet wurde, weil sie ihr uneheliches Knäblein "gleichbalden nach der Geburt" auf einem Acker umgebracht hatte.

Die Pfarrer notierten einst in den Tauf-, Heirats- und Sterberegistern nicht nur nackte Daten, sondern ließen sich in den Kirchenbüchern auch über Todesursachen, Geburtsverläufe, Unwetter, Brände, Missernten, Viehseuchen und andere Ereignisse im Ort aus. Da sie Grundlage für das Ortsfamilienbuch waren, birgt dieses einige bis dato unbekannte, historische Überraschungen, aber auch interessante Statistiken wurden zusammengestellt. So ist zu erfahren, wie viele Zwillingsgeburten es gab, dass Michael Häßler und Apollonia Traub zwischen mit sage und schreibe 21 Kindern Spitzenreiter im "Kinderkriegen" waren und dass auffällig viele Menschen an "Gichter" (Krämpfen) starben.

Die Idee, ein Ortsfamilienbuch für Heiningen zu erstellen, entstand einst in der Ahnenforschergruppe, die sich im Jahr 2000 zusammen fand. "Zunächst wollte man die Kirchenbücher mittels Digitalkamera ablichten, was die einfachste und billigste Möglichkeit gewesen wäre", berichtet Hans Müller, den heute noch ärgert, dass der örtliche Pfarrer dies ablehnte. Der Plan, sich die Kirchenbücher als Mikrofilm vom evangelischen Landeskirchlichen Archiv zu entlehnen und rück zu vergrößern scheiterte daran, dass der damalige Bürgermeister Martin Weissbrodt die Übernahme der Kosten mit der Begründung, er sehe keinen Nutzen für die Gemeinde, ablehnte.

Mit der Unterstützung von Bürgermeister Norbert Aufrecht wurde das Vorhaben im Jahr 2005 wieder in Angriff genommen. Die Gemeinde übernahm nicht nur die Kosten für die Digitalisierung der Kirchenbücher auf CD, sie stellte den damals noch fünf Ahnenforschern auch Arbeitsplatz, PC, einen externer Datenspeicher und ein Genealogie-Programm zur Verfügung. In drei Sitzungen pro Woche wurden die in Heimarbeit erarbeiteten Daten am PC erfasst und verkartet.

Nun haben die mittlerweile nur noch drei Chronisten ihre Arbeit abgeschlossen. In acht Jahren haben sie die Daten von 14 296 Personen und 2930 Familien zwischen 1575 und 1878 erfasst, geordnet und so durchnummeriert, dass sich Zusammenhänge herstellen lassen. "Die Geburten haben wir über das Standesamt bis 1915 vervollständigt. Bis dahin erlaubt es der Datenschutz", erklärt Gudrun Klose und verrät: "Die Texte der Kirchenbücher zu entziffern, war nicht immer einfach. Oft haben wir uns stundenlang an einer Zeile aufgehalten."

Das Heininger Exemplar ist das 833. Ortsfamilienbuch in Deutschland und das 109. in Württemberg. Die drei Chronisten sind überzeugt: "Das unsere ist einzigartig, weil es so ausführlich und vielseitig ist. Das Besondere am Heininger Ortssippenbuch ist unter anderem, dass es eine Vielzahl von historischen Fotografien enthält, die Horst Traub in alten Heininger Familien zusammen getragen und digitalisiert hat. Das älteste Foto zeigt den 1810 geborenen Matthäus Geiger.

Die Vorfinanzierungskosten für 500 Exemplare des Ortsfamilienbuches - es gibt schon Vorbestellungen - übernimmt die Gemeinde Heiningen.