Open-Air Organist improvisiert über „Phantom der Oper“

Von der Kernorgel in der benachbarten Martinuskirche aus improvisierte Jürgen Essl über den Filmklassiker „Phantom der Oper“, der im Schlosshof lief.
Von der Kernorgel in der benachbarten Martinuskirche aus improvisierte Jürgen Essl über den Filmklassiker „Phantom der Oper“, der im Schlosshof lief. © Foto: Axel Raisch
Donzdorf / Axel Raisch 31.07.2018

Es war der Abend der Pioniere. Im Donzdorfer Schlosshof wurde der Stummfilm „Phantom der Oper“ von Produzent Carl Laemmle gezeigt, der als erster Deutscher in Hollywood erfolgreich war und die amerikanische Filmhauptstadt wesentlich mitprägte. Begleitet wurde der Film von Professor Jürgen Essl an der Kernorgel der benachbarten Martinus-Kirche. Eine Premiere in Donzdorf.

„An besonderem Ort in außergewöhnlicher Atmosphäre“ finde diese spektakuläre Vorstellung statt, so Bürgermeister Martin Stölzle zur Begrüßung.

Der international gefragte Organist improvisierte die musikalische Untermalung, die er dem Film und den Zuschauerreaktionen anpasste. Mittels einer Videoübertragung hatte er nicht nur den Film, sondern auch die Besucherreihen im Blick.

„Spontan und kreativ“, sagte Stölzle, gespannt, was das Publikum in den folgenden rund 90 Minuten erwarten würde. So wurde der Filmklassiker aus dem Jahre 1925 mit Kirchenorgel und multimedialen Instrumenten zu einem ebenso gewagten wie gelungenen Projekt. Auch das Wetter spielte mit. Wetterfestigkeit wäre aber auch durch einen Zeltschirm garantiert worden, der seit dem Stadtfest aufgespannt geblieben war und auch das Sommerkino überdachte. Sponsoren hatten diese Lösung ermöglicht.

Die Musik intensivierte die filmischen Eindrücke, etwa den Tanz der Ballerinas, ließ Dramatik erspüren und die Reihen erbeben. Mit tiefen, dumpfen Klängen begleitete sie die Augen der Zuschauer ins Kellergewölbe. Der Horrorfilm aus den zwanziger Jahren, in dem das Phantom selbst an der Orgel sitzt, schien wie geschaffen für die kongeniale musikalische Begleitung durch Professor Essl.

Das vielfältige Repertoire der Kernorgel der katholischen Martinuskirche schien er voll auszuspielen und überraschte den Laien, welch klangliche Vielfalt damit möglich ist, als seien mehrere Instrumente am Werk. Mal wie ein leichter Klangkörper, dann wieder Fanfaren ähnelnd, ganz leise, im Wechsel mit quälenden, schrillen Tönen, Figuren des Films mit bestimmten Klängen charakterisierend.

Ein Erlebnis, das unter die Haut gehe, sagte Professor Hans-Peter Stenzl, der künstlerische Leiter der Donzdorfer Kammermusik, nach dem Film, als sich der Organist dem Publikum live präsentierte.

Zum ersten Mal habe Essl aus der Entfernung einen Film improvisiert, so Stenzl. „Die Psychologisierung der Figuren“ sei ihm bestens gelungen bei dem Thema, das seit Mitte der achtziger Jahre durch Adrew Lloyd Webbers Musical einem breiten Publikum bekannt wurde.

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