Handwerk Ohne Teamgeist keine Holzkohle

Die Fußballspieler dichten den Meiler mit Schlacke aus Wasser und Kohlestaub ab.
Die Fußballspieler dichten den Meiler mit Schlacke aus Wasser und Kohlestaub ab. © Foto: Max Schniepp
Nassachmühle / MAX SCHNIEPP 04.08.2018

Im Nassachtal wird wieder geköhlert. „Bei Sonnenaufgang“, also genau um 5.55 Uhr, „starten wir und heizen den Ofen an“, beschrieb Thomas Krapf von der Köhlerei Krapf vor einigen Tagen den Plan der Fußballjugend vom TSV Baiereck-Nassach, zum 100. Vereinsjubiläum ihre eigene Holzkohle zu machen. Bevor die  Mannschaft aber ihre zwei fast vier Meter hohen Kohlenmeiler diese Woche nach alter Vereinstradition anfeuern konnte, begannen einen Tag zuvor die Vorbereitungen für den Aufbau auf der Kohlenhalde.

Schon im Frühjahr diesen Jahres organisierte das Team um Jugendfußballtrainer Vincent Krapf, dem das Köhlern zusammen mit Vater Thomas Krapf in elfter Generation weiter gegeben wurde, beim sogenannten „Holzeinschlag“ genügend Brennmaterial für den Sommer. Alle Bemühungen des Vereins und der Köhlerei beim Projekt „Jugend trifft Tradition“ zielen darauf ab, die Holzkohle verkaufen zu können. Der Erlös soll Geld einbringen für das Vereinsjubiläum im Jahr 2020.

Dass Köhlern keine leichte Aufgabe gewesen sein muss, merkten die Jugendlichen auch im Schatten. Die Vorarbeit für einen Meiler hatten sie schon am Vortag gemacht, sodass auf einem kreisrund verkohlten Ring ein hölzerner Vulkan aus Scheiten stand, der jetzt nur noch mit Stroh und einer Schlacke aus Wasser und altem Kohlenstaub abgedichtet werden musste.

„Nächste Woche ist der fast einen Meter kleiner“, erklärte Thomas Krapf. Kohlenmeiler müssen, nachdem man sie einmal angefeuert hat, eine Woche lang lodern, bis das Holz unter verdichtetem Stroh und Schlamm zu Kohle wird. Dann sinken die Türme zusammen – „das sieht aus wie ein gigantischer, schwarzer Diamant“. Wenn die Dichtmasse an einer Stelle abfallen würde, bekäme das Feuer zu viel Sauerstoff und das Holz würde verbrennen. Deshalb übernachten die Jugendlichen in Schichten vor dem Meiler und wachen, immer mit einem Trainer oder einer Aufsichtsperson, über den Brennvorgang.

„Eigentlich ist es wie Urlaub, nur anstrengender“, meinte Trainer und Köhler Vincent Krapf, dem das Projekt auch wichtig für die Mannschaft ist. „Es ist nicht selbstverständlich, dass die Jungs in ihrer Freizeit hier sind und dem Verein helfen.“ Positiv sei die Begeisterung der Fußballjugend – „die sind Feuer und Flamme“. Für das Projekt haben alle schwarze „100 Jahre TSV – Jugend trifft Tradition“-Shirts bekommen, passend zur Kohle.

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