Kreis Göppingen / Von Axel Raisch  Uhr

Bereits zum sechsten Mal hatten die Vereinigung der türkischen Kulturvereine im Landkreis (VTV), der Göppinger Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sowie die Deutsch-Türkische Gesellschaft Stuttgart (DTG) während des islamischen Fastenmonats Ramadan zum gemeinsamen Fastenbrechen (Iftar-Essen) ins Uditorium nach Uhingen eingeladen. In diesem Jahr saß neben einem türkischen Vize-Konsul auch der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, mit am Tisch. Unter den Gästen waren auch die Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens, die Landtagsabgeordnete Nicole Razavi sowie Ebersbachs Bürgermeister Eberhard Keller.

Susanne Widmaier eröffnete als zweite stellvertretende Bürgermeisterin den Abend und hob die Bedeutung der Kommunikation hervor. Der Göppinger DRK-Präsident Peter Hofelich betonte auch, dass es wichtig sei, miteinander und nicht nebeneinander und übereinander zu reden. In Göppingen habe man den Dialog früh begonnen und sei in dieser Hinsicht auch „ganz weit vorne“. Bei ihrer sechsten Auflage sah er die Anwesenden reif, dass „wir richtig offen miteinander sprechen können“. Er mahnte, die Helfer des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes, weder in Krisengebieten noch bei alltäglichen Einsätzen anzugreifen.

Gökay Sofuoglu erklärte, dass Meinungsfreiheit zum Menschsein wie zur Demokratie gehöre. Das bedeute, auch bestimmte Meinungen aushalten zu müssen. Die Zeit bis zum Beginn des Essens, das für Muslime während des Ramadan erst nach Sonnenuntergang beginnt, wurde durch traditionell-türkische Musikbeiträge des Ensembles Ask-i Efza sowie durch zwei von Angeline Fischer moderierte Gesprächsrunden verkürzt, bei denen weitere Vertreter der Veranstalter sowie im Bereich des Dialogs und der Integration tätiger Menschen Stellung bezogen. Dabei wies der VTV-Vorsitzende Vedat Dag auf die Bedeutung des Fastens im Islam hin. Es stärke das Gottesbewußtsein, die Selbstdisziplin sowie Barmherzigkeit dem Nächsten gegenüber.

Der evangelische Pfarrer Friedrich Sautter vom Christlich-Islamischen Dialog erläuterte die Bedeutung des gemeinsamen Mahls im Christentum, auch dabei gehe es um Gemeinschaft. Niemand werde ausgeschlossen. Der Sozialdezernent des Landkreises, Rudolf Dangelmayer, machte die staatlich organisierte Form des Teilens anschaulich. Hilfe für bedürftige Menschen sei steuerfinanziert, so habe man eine der besten sozialen Absicherungen weltweit in Deutschland. Integration funktioniere am besten im Ehrenamt, wenn man sich kennen und verstehen lerne. Die interkulturelle Beraterin Aysel Özdemir berichtete von ihren Bemühungen, „kultursensible Pflege“ in Altenheimen und Krankenhäusern zu etablieren. Andre Tamer Tezulas von der Deutsch-Türkischen Gesellschaft Stuttgart sieht sich als Brückenbauer in Sachen Integration. Die Vorsitzende des Ditib-Landesfrauenverbandes, Aysun Pekal, plädierte dafür, Frauen nicht auf Kopftuch und Mutterrolle zu reduzieren. Sie sagte, auch im Islam gebe es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau.

Nach dem Gebetsaufruf durch Imam Serkan Kahraman von der Fatih Camii Moschee in Uhingen und dem Gebet durch Imam Salih Sevil vom Türkischen Idealistenverein (Graue Wölfe) Göppingen strömten die Besucher ans Büffet, für das Ahmet Güclü verantwortlich war.