Geschichte Ölschiefer schwebt über Großeislingen hinweg

Der Plan zeigt: Die Seilbahn führte quer durch Eislingen.
Der Plan zeigt: Die Seilbahn führte quer durch Eislingen. © Foto: Margit Haas
Eislingen / Margit Haas 04.04.2018

Während des Ersten Weltkrieges führte eine Seilbahn etwa zwei Kilometer lang quer über Großeislingen, also Eislingen-Nord hinweg. In einem alten Lageplan aus dem Jahre 1917 ist sie exakt eingezeichnet. „Sie war von der Firma Zeller & Gmelin in Auftrag gegeben worden“, weiß Stadtarchivar Martin Mundorff. Mit der Seilbahn wurde während des Krieges, als das Deutsche Reich von den Weltmärkten abgeschnitten war, Ölschiefer von der Abbaustelle beim heutigen Dirt-Bike-Platz am Tälesweg bis hin zum Firmengelände der ZG an der Bahnlinie über die Köpfe der Großeislinger hinweg transportiert.

„Damals führte die Trasse weitgehend über unbebautes Gelände“, wie der Blick in den historischen Plan zeigt. Auch das eigentliche Firmengelände lag damals am Ortsrand von Großeislingen. Die ausgeführte Trasse wich indes von der ursprünglich angedachten ab. Die hätte über das Grundstück von Rosalie Zeller, der Schwester des Firmenbesitzers, hinweg geführt. Und das gefiel dieser nun gar nicht. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war die Seilbahn in Betrieb. Dann wurde sie wieder abgebaut.

Der Blick in den alten Lageplan macht aber auch eine Besonderheit des württembergischen Erbrechtes deutlich, das zu den berühmt-berüchtigten „handtuchbreiten“ Grundstücken führte. Bei der Realerbteilung wurde nämlich der Besitz immer wieder unter allen Erbberechtigten aufgeteilt – auch in Großeislingen. Und so sind eine ganze Reihe von Parzellen kaum breit genug, um den Namen des Besitzers hinein schreiben zu können. Ein auskömmlicher Ertrag war von diesen Streifen kaum mehr zu erwirtschaften. Und so verwundert es auch nicht, dass viele Inhaber des „Gütles“ gar nicht mehr in der Landwirtschaft arbeiteten, sondern als Bäcker, Schreiner, Maurer oder Eisendreher ihr Auskommen fanden.

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