Hattenhofen Zehn Prozent durch erneuerbare Energien

Biogas und Windkraft sind starke Öko-Energielieferanten. In Hattenhofen gibt’s eine Biogasanlage und viel Fotovoltaik. Aber der Anteil am Stromverbrauch ist klein. Das Bild zeigt eine Szenerie an der A 8 bei Ulm, die so nicht mehr stimmt: Das Windrad steht nicht mehr.  
Biogas und Windkraft sind starke Öko-Energielieferanten. In Hattenhofen gibt’s eine Biogasanlage und viel Fotovoltaik. Aber der Anteil am Stromverbrauch ist klein. Das Bild zeigt eine Szenerie an der A 8 bei Ulm, die so nicht mehr stimmt: Das Windrad steht nicht mehr.   © Foto: Barbara Hinzpeter
Hattenhofen / Jürgen Schäfer 07.11.2018
In Hattenhofen liefern die erneuerbaren Energien etwa zehn Prozent – dank einer Biogasanlage. Steigt der Stromverbrauch durch Elektroautos?

Hattenhofen ist eine Klimabündnisgemeinde, das Bewusstsein für Ökologie ist groß. Schon vor Jahren stand die Frage im Raum, welcher Anteil am Energiebedarf aus eigener Kraft kommen könnte. Neue Aktualität bekommt die Frage, seit sich der Verband Raum Bad Boll auf den Weg zur Nachhaltigkeitsregion macht. Nicht so hoffnungsvoll stimmt, was die Netze BW dem Hattenhofer Gemeinderat in der jüngsten Sitzung präsentierte: Derzeit sind es gute zehn Prozent. Das ist wenig – und viel zugleich.

Man muss sehen: Windkraft hat Hattenhofen nicht, und auch keine Aussicht darauf. Dafür aber einen Landwirt, der eine Biogasanlage betreibt. Und die bringt den Ökostrom am Ort überhaupt erst in eine nennenswerte Dimension. Laut Statistik der Netze BW, die den Strom abnimmt, lieferte die Biogasanlage im Durchschnitt der letzten Jahre gut zwei Gigawattstunden. Und damit gut zwei Drittel des gesamten Ökostroms. Aber: Das reicht nicht weit.

135 Solaranlagen liefern in Hattenhofen Strom

Dabei ziehen die Bürger ja mit. Und die Gemeinde sowieso. Es gibt in Hattenhofen nicht weniger als 135 Solaranlagen mit einer maximalen Leistung von 1400 Kilowatt. Das ist fast viermal soviel wie die der Biogasanlage. Aber: Die kann rund um die Uhr laufen. Es gibt auch vier Blockheizkraftwerke, drei für Nahwärme-Netze der Gemeinde und eine vierte in privater Regie. Aber in der Summe waren es maximal 3,5 Gigawattstunden Ökostrom, bei einem gesamten Stromverbrauch von etwa 27 Gigawattstunden. Dabei würden die zuletzt 3,3 Millionen Kilowattstunden für die privaten Haushalte weit reichen. Ein Single­haushalt wird auf 1000 Kilowattstunden taxiert. Wohin fließt der Strom? 68 Prozent der 27 Gigawattstunden braucht die Industrie, 15 Prozent die privaten Haushalte. Und dann gibt es noch die Elektrowärme mit 12 Prozent – Hattenhofen hat viele Elektroöfen. Die gute Nachricht: Der Stromverbrauch nimmt seit Jahren ab. Bis 2014 lag er bei gut 30 Gigawattstunden.

Der Blick in die Zukunft: Der Strombedarf könnte noch massiv zunehmen durch Elektroautos. So schildert Andreas Jarolim von der Netze BW dem Gemeinderat ein Szenario. Vielleicht gibt es ja bis 2030 1200 Elektroautos am Ort und bis 2050 1400. Vielleicht steigt auch die Zahl der Fotovoltaikanlagen um das Doppelte und Dreifache. Dafür müsste man das Stromnetz massiv ausbauen. Wie soll das gehen? fragte Bernd Hack. Dass zu jeder Garage die dicken Kabel einer Schnelllade-Tankstelle führen? Harald Zimmermann, Kommunalberater der Netze BW, will den Ball erst mal flach halten. Es laufen Feldversuche, bei denen sich manches auch relativiere, sagt er. Es gehe erstmal darum: Wie kriegt man den Strom dorthin, wo er gebraucht wird? Deutschland  produziere derzeit mehr Strom, als im Land verbraucht werde. Kommunikation im Netz wird ein Schlüsselwort. Dass die Stromverteilung sich anpassen kann, wo gerade E-Mobile schnell oder über Nacht  aufgetankt werden.

Diskussion um den Sinn von Elektroautos

Gemeinderat Dr. Dirk Hortig kann dem Ganzen nichts abgewinnen. Er hält Elektroautos für eine Fehlentwicklung. „Die CO2-Bilanz ist verheerend.“ Zur Herstellung der Akkus werde das als klimaschädlich geltende CO2 in solchen Mengen frei, dass man damit einen Verbrennungsmotor ein Leben lang fahren könne. Warum sage das Kanzlerin Merkel nicht, die doch Physikerin sei? Hortig: „Das ist Kindergarten. Wählerverdummung.“ Sein Ratskollege Jürgen Kehm wundert sich auch. Wo bleibe die Brennstoffzellen-Technik? Wenn die Autoindustrie da was in der Schublade habe, warum produziere sie es dann nicht? Bürgermeister Jochen Reutter hat in Brixen wasserstoffbetriebene Autos gesehen. Vor diese Technik setzt Hortig auch ein  Fragezeichen.

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