Dürnau/Gammelshausen Obstlehrpfad Dürnau-Gammelshausen ist eine Rarität

Würdigt den Obstlehrpfad Dürnau-Gammelshausen als Pionierleistung: Kreisobstbau-Fachberater Rainer Klingler vor Ur-Apfelbäumen, im Hintergrund Gammelshausen.
Würdigt den Obstlehrpfad Dürnau-Gammelshausen als Pionierleistung: Kreisobstbau-Fachberater Rainer Klingler vor Ur-Apfelbäumen, im Hintergrund Gammelshausen. © Foto: Staufenpress
JÜRGEN SCHÄFER 07.02.2014
Mit seinem Wildobst ist er eine Rarität. Vor 40 Jahren wurde der Obstlehrpfad Dürnau-Gammelshausen angelegt, der älteste im Kreis. Das wird mit Veranstaltungen bis Herbst gefeiert. Los geht es am Samstag.

Die Flurbereinigung stand Pate. Am Hang des Kornbergs bot sich in den 70er Jahren die Gelegenheit, einen Obstlehrpfad anzulegen. In Halbhöhenlage wurde ein Weg ausgebaut, der einen Panoramablick weit ins Land eröffnet. Der Kreisobstbaufachberater Hermann Sattler nahm das in die Hand und betrat Neuland. "In anderen Landkreisen gab es das noch nicht", weiß sein heutiger Amtsnachfolger Rainer Klingler. Sattler hat gleich eine Pionierleistung geschaffen: einen Wildobst-Lehrpfad, der weit und breit einmalig ist. "Ein Juwel", sagt Klingler.

Die Apfelbäume sehen teilweise nicht aus wie solche, weder die kleinen gestrüppartigen noch die großen knorrigen, die in 40 Jahren vier bis fünf Meter hoch gewachsen sind. Es sind "Ur-Apfelbäume" und Obstunterlagen, deren Früchte klein und oft wenig geschmackvoll sind. Aber sie tragen buchstäblich die heutigen Apfel- und anderen Obstbäume. Auf ihren Stämmen werden die Obst-Sorten veredelt - mit dem Ziel, feine Tafeläpfel wie Elstar, Jonagold oder Golden Delicious zu produzieren.

Schon vor 100 Jahren hat man angefangen, diese "Unterlagen" aus der Natur mit Kern-Auslese herauszuzüchten. Diese haben keine Sorten-Namen, sie sind wie eine Versuchsreihe nummeriert. Nachgepflanzt am Lehrpfad ist der "Typ M9", die Hauptunterlage im Erwerbsobstbau. Die Streuobstbäume, die man weiter unten am Hang sehen kann, stehen auf stark wachsenden Unterlagen wie "Typ M 11" oder auf Sämlingen, die "rein fallen".

Von Quitte bis Mehlbeere

Birnen und Quitten schließen sich an - letztere ein wilder Strauch. Teils sind es Unterlagen, teils auch eigenständiges Wildobst, dessen Früchte an Vogelbeeren erinnern, sagt Klingler. Ebereschen, Mehlbeeren, der Speierling. Die Mispeln aus der Steinapfelgruppe können zur Verbesserung des Mostes verwendet werden. Sie sind auch interessant für Brenner, ebenso wie die Steinweichsel oder die Schlehe, sagt Klingler. Die Schlehe braucht aber dafür einen Frost. Als Marmelade oder zur Zubereitung von Likör lässt sich manches Wildobst nutzen, weniger zum Frischverzehr. Edles Holz für Schreiner ist die Elsbeere. Und die Mandel, die jetzt in den Blick kommt. Mandel und Aprikose hat Sattler damals angebaut - mitten im Voralbgebiet. Aber das Klima macht ihnen schon noch zu schaffen, sagt Klingler.

Weiter geht die Reise zu Pflaumen und Zwetschgen, Kirschen, Walnuss und Haselnuss, zu Himbeere, Brombeere und Johannisbeeren. Alles "Ur-Gewächse". Bei den Kirschen gibt es die schwach wachsende Unterlage Gisela 5 zu sehen. Den Abschluss - schon weit hinter dem Dürnauer Schützenhaus - bilden Wildrosen, die mit ihren rotleuchtenden Hagebutten auch zum Wildobst gehören. Die dürfte man auch in Hohenheim finden, sagt Klingler - im botanischen Garten.

Von Jubiläumsbäumen bis Marmelade