Gingen Obstbäume zum Jubiläum

HARTMUT ALEXY 17.11.2015
110 neue Obstbäume für 1100 Jahre Ortsgeschichte sollen es werden: Nach 30 Kernobstbäumen am Grasweg nach Süßen hat Gingen nun im Schnait bei Grünenberg unter anderem 24 Gingener Luiken gepflanzt.

Von der Kirschenanlage im Schnait waren zum Schluss nur sechs Bäume übrig, alle anderen mussten im Lauf der Zeit gefällt werden - das Holz war morsch, sie trugen kaum noch Früchte. Am Samstag haben die Gemeinde und der Obst- und Gartenbauverein (OGV) nun neues Leben auf die leere Wiese unterhalb des Weilers Grünenberg gebracht. Der kommmunale Bauhof war mit einem kleinen Bagger und einem Wasserfass angerückt. Dann griffen Bürgermeister Marius Hick, Gemeinderätin Heidi Alex und ihr Mann, drei Bauhof-Arbeiter und ein halbes OGV-Vereins-Mitglieder zur Schaufel und pflanzten 33 neue Obstbäume in die vorbereiteten Löcher, darunter 24 Apfelbäume. Sieben Löcher blieben frei - bei der Veredelung in der Baumschule war etwas schiefgegangen.

Bei den Apfelbäumen handelte es sich natürlich um Gingener Luiken. Die Pflanzaktion war nämlich Teil des Ortsjubiläums, das Gingen derzeit feiert. Vor 1100 Jahren ist der Ort zum ersten Mal in einer Urkunde genannt worden, nun spendiert er sich für jeweils zehn Jahre seiner Geschichte einen neuen Obstbaum. 30 neue Zwetschgen- und Pflaumenbäume gibt es bereits seit März auf der Wiese unterhalb der Tennisplätze am Grasweg nach Gingen (wir berichteten). Weitere Obstbäume pflanzen der Bauhof und der Schützenverein derzeit am Obstlehrpfad bei Grünenberg und auf den Wiesen beim Schützenhaus. Wenn im nächsten Frühjahr sieben Bäumchen als Nachzügler in den Schnait kommen, ist das Ziel erreicht: 110 neue Obstbäume für Gingen.

Genau so wie im vergangenen Frühjahr gaben die Pflanzer am Samstag jedem Bäumchen zum Schutz vor Wühlmäusen einen Drahtkorb und zum besseren Anwachsen eine große Portion Dünger mit auf den Weg. Letzterer ist tiefschwarz wie Friedhofs-Erde, er besteht aus drei Jahre altem Pferdemist und einer gewissen Menge Pflanzenkohle. Zum Schluss hieß es dann noch tüchtig Gießen - das Erdreich war, nachdem es in den vergangenen Wochen kaum geregnet hat, extrem trocken. Nach dreieinhalb Stunden Arbeit hatten sich die Helfer das Vesper, das wiederum die Gemeinde gestiftet hatte, dann redlich verdient.

Die Streuobstwiesen sind neben der Johanneskirche ein Markenzeichen Gingens. Sie sind vor gut 150 Jahren nach einer schweren Hungersnot auf Initiative des Königs von Württemberg angelegt worden und sollen als Kulturlandschaft erhalten bleiben. Im Schnait wird es neben den sechs alten Kirsch- und den neuen Apfelbäumen auch Birnbäume und Kernobst geben.