Salach Obst kommt im Minutentakt

Salach / Ulrike Luthmer-Lechner 31.08.2018
In den Mostereien herrscht dieses Jahr früher als sonst Hochbetrieb.

Nachmittags gegen 17 Uhr vor der Destillerie und Obstweinkellerei Kaiser in Salach: Äpfel soweit das Auge reicht. „Einfach nur irre“, sagt Karin Schübl. Sie steht bei der Obstannahme, dirigiert die ankommenden Lieferanten zu den jeweiligen Containern, die mit Sortennamen gekennzeichnet sind und schreibt die gelieferte Menge gut. Im Minutentakt fahren die Fahrzeuge  vor und bringen rotbackige, grüne oder gelbe Äpfel verschiedener Sorten zum Pressen. Auch Einlieferer Wolfgang Nägele weiß: „Jetzt ist Geduld gefragt.“ Karl-Otto Kaiser, Bruder des Chefs, rangiert mit dem Gabelstapler: Ausladen, umladen, wiegen – der Nächste. „So geht das den ganzen Tag“, berichtet Karin Schübl, Schwester von Jürgen und Karl-Otto Kaiser.

Freude über Rekordernte

Auf den Rekordsommer folgt die Rekordernte und Jürgen Kaiser ist mit Leidenschaft bei der Sache. Schließlich hat er sein Handwerk von der Pike auf im alteingesessenen Familienbetrieb gelernt. In vierter Generation besteht das Salacher Traditionsunternehmen. „Wir pressen seit vergangener Woche jeden zweiten Tag“, erklärt er und sagt: „Die Jakob-Fischer Äpfel geben dieses Jahr einen sehr guten Apfelsaft, denn sie haben oft jetzt schon mehr Öchsle-Grade als in anderen Jahren im September.“ Wegen der Trockenheit seien teilweise die Früchte etwas kleiner, hätten aber dank der vielen  Sonne ein süß-fruchtiges Aroma.

Fruchtsäfte sind beliebt bei den Kunden

Auch bei den Boller Fruchtsäften Stolz wurde die Obstannahme vorgezogen. Ab dem heutigen Samstag geht es zur Sache und bei Auer-Fruchtsäften in Weißenstein beginnt am Montag, 3. September, die Lohnmosterei. Wieviel Bares gibt es für angeliefertes Obst? „Gut ist, dass der allgemeine Obstpreis aktuell bei sieben Euro für 100 Kilogramm liegt, das war schon anders“, weiß Jürgen Kaiser. In den Jahren zuvor lag der Erlös durchaus auch nur mal bei 2,50 Euro. Doch nicht die klingende Münze reizt, sondern die Verbraucher haben den Saft (insbesondere aus eigenen Früchten) wieder wertschätzen gelernt. Dazu wird das Obst mit dem Namen des Einlieferers namentlich gekennzeichnet und in separate große Kunststoffboxen gefüllt. „Wir achten streng darauf, dass die einzelnen Kommissionen sauber getrennt bleiben“, betont Jürgen Kaiser. „Nach dem Pressen wird der Saft sechs bis acht Stunden abgesetzt, bei 80 Grad Celsius schonend pasteurisiert und abgefüllt“, erklärt Kaiser.

Der „Beutel im Karton“

Der Renner sei die Bag-in-Box. Diese Möglichkeit, das flüssige Produkt aus eigenen Früchten im praktischen „Beutel im Karton“ mit nach Hause zu nehmen, entdeckten die Verbraucher verstärkt. „Dieser Umstand hat einen großen Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiesen, die zur schwäbischen Kulturlandschaft gehören, beigetragen“, freut sich Jürgen Kaiser.

Viel Arbeit

Der Knochenjob von der Obstannahme über die Saftpressung bis hin zur Ausgabe an die Einlieferer dauert bis Mitte November. Parallel geht es auch in der Brennerei heiß her. Das Aroma feiner Früchte als geistvolles Kirschwässerle oder edlen Apfelbrand zu genießen, ist eine weitere Möglichkeit, um das viele Obst zu verwerten. „Die Kirschen und Mirabellen sind durch, jetzt kommen Zwetschgen und Birnen in die Destille“, so der Fachmann. Kein Wunder: An vielen Tagen werden die Arbeitsstunden nicht gezählt, sagt Karl-Otto Kaiser.

Info Die Zeiten der Obstanlieferung sind auf den Internetseiten der Mostereien zu finden: www.kaiser-salach.de, www.auer-fruchtsaefte.de, www.boller-fruchtsaefte.de .

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