Natur Nützliche Tipps rund um Pflanzenschutz

Göppingen / Sabine Ackermann 31.07.2018
Sommer der Ver-Führungen: Keine Frage unbeantwortet ließ Johannes Jeutter, der mit Fachwissen rund um das Thema „Biologischer Pflanzenschutz“ Tipps gab.

Samstagvormittag, kurz vor 11 Uhr. Nach und nach füllt sich der Gärtnerhof Jeutter im Marbachtal mit 22 Interessierten. Vorwiegend sind diese älter und größtenteils Gartenbesitzer. Dominierte dort vor kurzem noch der sommerliche Swing, geht es heute um den biologischen Pflanzenschutz. Vielseitig ist wohl beides. „Wenn Sie eine Badehose dabei haben, dürfen Sie gern rein sitzen“, zeigt sich Johannes Martin Jeutter durchweg als zuvorkommender und freundlicher Gastgeber.

Doch genaugenommen ist die scherzhaft gemeinte Einladung zum Badespaß ein Hinweis dafür, dass das Wasser nicht voller Chemie und von daher nicht gesundheitsschädlich ist: Ein Aspekt, der sich wie die biologische Nachhaltigkeit und Achtsamkeit gegenüber der Natur durch die ganze Philosophie des Gärtnerhofs zieht. Kleiner Tipp am Rande: „Je mehr Teiche – desto weniger Schnaken“, verrät der Garten- und Landschaftsbaumeister augenzwinkernd.

Kaum haben alle unterm schattenspendenden Tulpenbaum auf der Steinmauer und den Stühlen Platz genommen, zwingt ein „lang ersehnter“ Regenschauer die Gruppe ins Innere. Nichtsdestotrotz, auch da lernen die Gäste den „Bacillus thuringiensis“ kennen, ein Bakterium, das recht erfolgreich bei der Bekämpfung des Buchsbaumzünslers oder Frostspanners ist. Mit viel Elan erklärt der Biochemiker den Gästen den Unterschied zwischen einem chemischen Mittel, dass sich den Weg durch den Leitungsbau der Blätter sucht und dem mikroorganischen Volldünger mit natürlichen Mikroorganismen. Ein buchstäblicher „Powerdünger“, der vollständig biologisch abbaubar ist und auf verschiedene Insektenarten toxisch wirkt, jedoch an Pflanzen, Wirbeltieren oder Menschen keinen Schaden anrichtet. Eine Mischung aus verschiedenen Bakterienstämmen sowie einer Zuckerrüben-Melasse, die allerdings für die Schädlinge nicht süß schmeckt – ganz im Gegenteil: Bei der Hefeproduktion aus der Rübenmelasse entsteht ein biologischer Kalidünger, der zudem einen positiven Effekt auf den Boden hat. Man muss schon gut aufpassen, was einem da so alles an Fachwissen um die Ohren fliegt, vorausschauend machen sich zwei, drei Damen eifrig Notizen.

„Meine Frau sagt immer, jetzt verplappert er sich wieder“, verrät Johannes Jeutter und bittet bis dato die aufmerksam zuhörenden Gäste: „Geben Sie mir einfach ein Handzeichen, wenn ich zu schnell und zu viel rede“. Vielleicht war das die Initialzündung, denn plötzlich war das löchrige Blattwerk einer Rose ein Thema. Sorgfältig in eine Plastikbox gepackt, hatten Heinz Oswald und Doris Fritz aus Geislingen noch weitere grüne „Patienten“ mitgebracht. Von 5000 bis 6000 Insektenarten fressen zwischen 500 bis 1000 Rosen, weiß der Experte und rät: Die Rose frei ins Licht zu stellen, ordentlich zu düngen aber vorsichtig mit Tee- oder Kaffeesatz zu sein, beides enthalte zu viel Kali. Als Tiefwurzler benötige die Rose rund 60 Liter Wasser, bis sie auch wirklich nass ist. Nachdem sich der Regen verzogen hatte, ging es zum jährlich von den Azubis angelegten und betreuten Gießgarten, wo Mangold, Tomaten und Salate relativ schneckenfrei in üppiger Pracht gedeihen.

Fortan sprudelten die Fragen nur so aus den Besuchern und Johannes Jeutter war mit der Beantwortung dieser voll in seinem Element. Was tun gegen mickrige Brombeeren, Braunfäule und Milbenbefall, hilft eigentlich noch Brennnessel- oder Schachtelhalmsud (enthalten jeweils viel Silizium) und warum hat billige Blumenerde oft einen weißen Belag?

Unglaublich, trotz der zwei Stunden verging die Zeit wie im Flug. Auch deshalb, weil neben der Flut an Informationen der Gästeführer immer wieder um das Wohl der Anwesenden besorgt schien und nachhakte: „Geht’s noch mit der Hitze?“ oder „Gehe ich Ihnen auf die Nerven“? Eben ein wahrer Wohlfühlort für alles ,was lebt.

Info Interessierte können sich über ­diesen Link über freie Plätze bei den kommenden Veranstaltungen des Sommers der Verführungen informieren: ­­www.sommer-der-verfuehrungen.de/programmheft-2018. Auf der Internetseite ist auch das ganze Programm zu finden.

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