Seit Jahrzehnten liegt der einstige Steinbruch am Nortel im Dornröschenschlaf. Die Natur hat ihn sich teilweise zurückerobert - aber das ist Wildwuchs. Bäume sind an den Rändern und den Steilhängen hinaufgeschossen, sie verschatten den Steinbruch, erläutert Bürgermeister Roland Schweikert. Er zeigt auf moosige Flächen, die sich breitgemacht haben. Die Devise der Naturexperten heißt: Licht muss rein in den Felsenkrater. Dann können sich Eidechsen auf den Felsen sonnen und sich in den Geröllfeldern tummeln, die der Steinbruch-Betrieb hinterließ. Sogar den Salamander soll es hier geben, sagt Schweikert. Für Amphibien und anderes, was kreucht und fleucht, sollen Hügel aus Reisig und Geäst angelegt werden. Für Vögel sei das Felsenbiotop auch interessant, sagt Schweikert. Vielleicht siedeln sich Steinkauz und Uhu an.

Abgeschottet wird das Biotop nicht. Es bleibt der Öffentlichkeit zugänglich. Immer schon warfen Besucher auf ihrem Fußmarsch hinauf zum Segelfluggelände einen Blick in den alten Steinbruch. Künftig können sie dort neues Leben entdecken.

Die Gemeinde ist noch nicht lange Besitzer des Geländes. Sie hat es vor Jahren gekauft, um es einerseits zu sichern. "Das Landratsamt war der Meinung, man solle es in öffentliches Eigentum überführen", berichtet Schweikert. Er hat gleich einen neuen Zaun um die senkrecht abfallende Felskante ziehen lassen. Der vorige erschien ihm viel zu schwach. Die Gemeinde profitiert aber auch von der Erwerbung: Die Biotop-Pflege bringt jede Menge Ökopunkte.

Und sie macht mehr draus. An die Hochfläche des Steinbruchs schließt eine Naturschutzwiese vom Status FFH (Fauna-Flora-Habitat) an, die bisher landwirtschaftlich genutzt wird. Sie soll neue Kräutervielfalt bekommen, dazu soll ein Pflegevertrag geschlossen werden. Und daran grenzt noch eine Wacholderheide, auf der sehr seltene Pflanzen gedeihen, schwärmt Schweikert. Der Albverein hat sie vor zwei Jahren ausgelichtet, aber nun sei sie schon wieder verbuscht. Der Schultes denkt an einen Ziegenhalter, der die Fläche in Schuss halten kann. Nicht die Weidegemeinschaft Goißatäle, "für die ist das zu weit weg."

3,3 Hektar groß sind die drei Flächen um den Steinbruch. Die Gemeinde investiert 44.300 Euro, verteilt auf fünf Jahre, und bekommt dafür satte 300.000 Ökopunkte. Die Hälfte davon reicht für die geplante Erweiterung des Baugebiets St. Wolfgang. Weitere braucht sie für den Bikepark an der Autobahn und den Ziegenstall, den sie zusammen mit Mühlhausen und Wiesensteig für die Beweidung der Filsalb bauen will. Es bleibt noch einiges übrig.

Es sind auch noch Reste der alten Steinbruchbetriebs zu beseitigen. Nicht nur Altholz und Schutt in der Sohle: Oberhalb der Felskante liegen Betonplatten im Gelände, die für den Betrieb gebraucht wurden, sagt Schweikert. Ökologisch gebe diese Zunge allerdings nichts her.

Erhalten bleibt die Hütte, die einsam über dem Nordrand sitzt. Ein altes Betriebsgebäude. Angedacht sei, sie dem Jagdpächter zur Verfügung zu stellen, sagt Schweikert. Vielleicht sei es auch was für einen Schäfer.