Leitartikel Jürgen Schäfer zur Eschenbacher Kinderkrebshäufung Nicht zu ergründen

Jürgen Schäfer 24.11.2018

Wie entsteht Krebs?  Manchmal glauben wir es zu wissen, wenn wir einen Betroffenen und seine Lebensweise kennen. Manchmal aber auch nicht. Und bei Kinderkrebs ist es nochmal anders, weil da die Lebensweise und ihre Risikofaktoren noch nicht da sind. Speziell die Leu­kämie, so sagen uns die Experten, habe einen multifaktoriellen Hintergrund. Man kann im Nebel stochern, warum die Kinder krank werden: krebserregende Stoffe, die Genetik, das Immunsystem?

Was in Eschenbach bittere Realität ist – krebskranke Kinder weit über dem Durchschnitt – ist vollends schwierig einzuordnen, weil es das Problem der kleinen Fallzahlen gibt. Ein Fall mehr, als laut bundesweiter Statistik zu erwarten wäre, reißt den Wert schon nach oben. Und vielleicht ist ja die Langzeitbetrachtung hilfreich. Wenn Eschenbach jahrzehntelang wenige Kinderkrebsfälle hatte und jetzt viele, mag es auch wieder eine durchschnittliche Rate sein. Wobei das traurig genug ist.

Die Gemeinde hat nach Kräften Ursachenforschung betrieben. In der Schule, im Kindergarten und im Trinkwasser kann die Ursache der Krebserkrankungen nicht liegen. Das haben Experten beim Informationsabend dargelegt. Es ist auch zum Müllheizkraftwerk viel gesagt worden, das den Eschenbachern ein Dorn im Auge ist.  Kommt von dort eine Krebsgefahr? Diesen Zusammenhang hat niemand hergestellt. Aber die Befürchtung steht immer so diffus im Raum. Jetzt war zu hören, dass die  Dioxine vom Müllheizkraftwerk anders zusammengesetzt seien als das, was an Dioxinen im Boden steckt – in Eschenbach wie im ganzen Land. Eigentlich sollte das Müllheizkraftwerk für Eschenbach gar kein Thema sein, weil es nicht in Windrichtung liegt. Das ist jetzt in Frage gestellt, nachdem einer  von regionalen Windströmungen sprach, die sich nach der Topografie richteten. Man sollte das klären. Aber auch keinen neuen Verdacht daraus machen. Es gibt in Eschenbach leider Gottes seit zehn Jahren Kinderkrebsfälle weit über dem Durchschnitt. Aber nicht seit 1980, als der Müllofen auch schon stand und die Erfassung von Kinderkrebsfällen in Deutschland begann.

Richtig ist es, dass Bürgermeister Schubert und der Gemeinderat nun fordern wird, dass das Dioxin vom Müllofen permanent gemessen wird. Das wäre eine vertrauensbildende Maßnahme und eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

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